Abo
  • Services:

Überwachung: BND half NSA bei Spionage gegen Frankreich und EU-Kommission

Die NSA hat den BND mit Millionen Suchbegriffen geradezu überschwemmt. Sie dienten offenbar weniger der Wirtschaftsspionage als der Überwachung europäischer Partner und Institutionen.

Artikel veröffentlicht am ,
Vom bayerischen Bad Aibling aus gibt der BND millionenfach Daten an die NSA weiter.
Vom bayerischen Bad Aibling aus gibt der BND millionenfach Daten an die NSA weiter. (Bild: Christof Stache/AFP/Getty Images)

Der BND soll dem US-Geheimdienst NSA jahrelang bei Spionage gegen die französische Regierung und die EU-Kommission geholfen haben. Die Abhörstation des Bundesnachrichtendienstes in Bad Aibling sei zum Ausspähen hochrangiger Beamte des französischen Außenministeriums, des Präsidentenpalastes und der EU-Kommission in Brüssel missbraucht worden, berichtete der Rechercheverbund von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR am Mittwochabend. Sie beriefen sich auf "interne Untersuchungen von Nachrichtendienst und Kanzleramt".

Stellenmarkt
  1. Bosch Gruppe, Renningen
  2. Landeshauptstadt München, München

Hinweise auf gezielte Wirtschaftsspionage solle es dagegen nur vereinzelt geben. Nach den bisherigen Feststellungen seien Unternehmen vor allem betroffen, weil die USA nach Hinweisen auf illegale Exportgeschäfte suchten. Vor einer Woche waren erste Vorwürfe ans Licht gekommen, wonach der BND der NSA über Jahre half, europäische Unternehmen und Politiker auszuforschen. Das genaue Ausmaß der Spionageaffäre ist noch nicht klar.

Fast acht Millionen IP-Adressen geliefert

"Der Kern ist die politische Ausspähung unserer europäischen Nachbarn und von EU-Institutionen", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person dem Bericht zufolge. Deutsche Politiker befänden sich nach bisherigem Stand nicht auf der Liste, deutsche Unternehmen sollen ebenfalls kaum betroffen sein. Inzwischen sei die Suchpraxis in Bad Aibling geändert worden. So würden E-Mails mit der Endung .eu etwa automatisch für die Erfassung gesperrt.

Ähnliche Regeln würden für alle europäischen Partnerstaaten gelten. Alle von den USA seit Beginn der Kooperation angelieferten Suchworte würden nun noch einmal überprüft. Ihre Zahl sei riesig: Zwischen 2002 und 2013 seien 690.000 Telefonnummern und 7,8 Millionen IP-Adressen geliefert worden, nach denen die weltweit abgehörte Kommunikation durchsucht werden sollte. In einer sogenannten Ablehnungsdatei landeten 40.000 Suchbegriffe.

BND-Mitarbeiter verheimlichte Erkenntnisse

Das Ausmaß der NSA-Spionage in Europa soll dem Bericht zufolge erst im August 2013 durch einen Unterabteilungsleiter der Technischen Aufklärung beim BND entdeckt worden sein. Er soll dies jedoch bis März 2015 weder der BND-Spitze noch dem Kanzleramt mitgeteilt haben. Der damalige Kanzleramtschef und heutige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sei im Februar 2008 darüber informiert worden, "dass die US-Seite versucht, die Erfassung auf Bereiche auszudehnen, die nicht im gemeinsamen Interesse liegen". Einzelheiten seien de Maizière nach derzeitigem Kenntnisstand aber nicht mitgeteilt worden, 2010 allerdings seinem Nachfolger Ronald Pofalla (CDU).

Die Bundesregierung hatte noch Mitte April 2015 dem Bundestag mitgeteilt, keine neuen Erkenntnisse zu einer möglichen Wirtschaftsspionage gehabt zu haben. Die Linke warf daraufhin der Bundesregierung vor, das Parlament belogen zu haben. Sollte der neue Bericht zutreffen, könnte sich die Regierung darauf berufen, dass die neuen Erkenntnisse eher auf eine politische Spionage hingedeutet hätten. De Maizière und Regierungssprecher Steffen Seibert hatten die Vorwürfe am Mittwoch vehement zurückgewiesen. Mit Blick auf die Kritik an Kanzleramt und BND in der Affäre teilte de Maizière mit: "Ich stelle mich selbstverständlich dieser Verantwortung und möchte gerne zur Aufklärung des Sachverhalts vollumfänglich beitragen." Da die Unterlagen, auf denen die Kritik basiere, als geheim oder streng geheim eingestuft seien, könne er sich nicht öffentlich dazu äußern.

Nachtrag vom 30. April 2015, 21:11 Uhr

Die Süddeutsche Zeitung hat stillschweigend ihre Angabe korrigiert, wonach allein im Jahr 2013 690.000 Telefonnummern und 7,8 Millionen IP-Adressen von der NSA geliefert worden sein sollen. Nun beziehen sich diese Zahlen auf die Jahre 2002 bis 2013. Wir haben dies im vierten Absatz entsprechend geändert.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 1.299,00€
  2. 119,90€

Max Muster 08. Mai 2015

Deine erste These mag stimmen. Die Schlussfolgerung, dass "die Amerikaner" weit mehr Geld...

chromosch 30. Apr 2015

Ach, und mit anderen Staaten wird nicht zusammengearbeitet?

Feuerbach 30. Apr 2015

[ ] Du hast Ahnung, wovon du redest Testergebnis: 0/1 Sieht schlecht für dich aus, mein...

ChriDDel 30. Apr 2015

"dass die US-Seite versucht, die Erfassung auf Bereiche auszudehnen, die nicht im...

Der Rechthaber 30. Apr 2015

wer nicht zum "Allgemeinwohl" der USA/eu handelt als Politiker wird mit einem Skandal aus...


Folgen Sie uns
       


Dark Rock Pro TR4 - Test

Der Dark Rock Pro TR4 von Be quiet ist einer der wenigen Luftkühler für AMDs Threadripper-Prozessoren. Im Test schneidet er sehr gut ab, da die Leistung hoch und die Lautheit niedrig ausfällt. Bei der Montage und der RAM-Kompatibilität gibt es leichte Abzüge, dafür ist der schwarze Look einzigartig.

Dark Rock Pro TR4 - Test Video aufrufen
Resident Evil 2 angespielt: Neuer Horror mit altbekannten Helden
Resident Evil 2 angespielt
Neuer Horror mit altbekannten Helden

Eigentlich ein Remake - tatsächlich aber fühlt sich Resident Evil 2 an wie ein neues Spiel: Golem.de hat mit Leon und Claire gegen Zombies und andere Schrecken von Raccoon City gekämpft.
Von Peter Steinlechner

  1. Resident Evil Monster und Mafia werden neu aufgelegt

Machine Learning: Wie Technik jede Stimme stehlen kann
Machine Learning
Wie Technik jede Stimme stehlen kann

Ein Unternehmen aus Südkorea arbeitet daran, Stimmen reproduzierbar und neu generierbar zu machen. Was für viele Branchen enorme Kosteneinsparungen bedeutet, könnte auch eine neue Dimension von Fake News werden.
Ein Bericht von Felix Lill

  1. AWS Amazon bietet seine Machine-Learning-Tutorials kostenlos an
  2. Random Forest, k-Means, Genetik Machine Learning anhand von drei Algorithmen erklärt
  3. Machine Learning Amazon verwirft sexistisches KI-Tool für Bewerber

Drahtlos-Headsets im Test: Ohne Kabel spielt sich's angenehmer
Drahtlos-Headsets im Test
Ohne Kabel spielt sich's angenehmer

Sie nerven und verdrehen sich in den Rollen unseres Stuhls: Kabel sind gerade bei Headsets eine Plage. Doch gibt es so viele Produkte, die darauf verzichten können. Wir testen das Alienware AW988, das Audeze Mobius, das Hyperx Cloud Flight und das Razer Nari Ultimate - und haben einen Favoriten.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Sieben Bluetooth-Ohrstöpsel im Test Jabra zeigt Apple, was den Airpods fehlt
  2. Ticpods Free Airpods-Konkurrenten mit Touchbedienung kosten 80 Euro
  3. Bluetooth-Ohrstöpsel im Vergleichstest Apples Airpods lassen hören und staunen

    •  /