Abo
  • Services:
Anzeige
Street Art an einer Telefonzelle in Cheltenham, nicht weit entfernt vom Hauptquartier des britischen Geheimdienstes GCHQ
Street Art an einer Telefonzelle in Cheltenham, nicht weit entfernt vom Hauptquartier des britischen Geheimdienstes GCHQ (Bild: Matt Cardy/Getty Images)

Überwachung: BND-Akten zeigen die Sorglosigkeit deutscher Diplomaten

Street Art an einer Telefonzelle in Cheltenham, nicht weit entfernt vom Hauptquartier des britischen Geheimdienstes GCHQ
Street Art an einer Telefonzelle in Cheltenham, nicht weit entfernt vom Hauptquartier des britischen Geheimdienstes GCHQ (Bild: Matt Cardy/Getty Images)

Interne Berichte belegen, wie schlampig deutsche Botschaften in Sicherheitsfragen waren. Und wie hektisch sie nach Wanzen suchten, als Edward Snowdens Dokumente bekannt wurden.
Von Kai Biermann und Yassin Musharbash

Es ist fast auf den Tag zwei Jahre her, dass durch die Unterlagen von Edward Snowden bekannt wurde: Die NSA macht auch vor engsten Partnern nicht halt. Denn die Lauschbehörde der US-Regierung, so berichtete es der Spiegel Ende Juni 2013, habe Einrichtungen der EU in Washington, New York und Brüssel verwanzt.

Anzeige

Es dauerte knapp drei Wochen, bis sich Bundeskanzlerin Angela Merkel das erste Mal zu dieser Meldung äußerte: Es sei, erklärte sie am 19. Juli 2013, noch nichts bewiesen. Aber die Amerikaner hätten eine Prüfung zugesagt. Eine Prüfung. Der Amerikaner. Ihrer eigenen Spionage gegen befreundete Staaten.

Diese zur Schau gestellte Gelassenheit, garniert mit ein wenig Vorratskritik ("Wir sind nicht mehr im Kalten Krieg"): Das war die öffentlich wahrnehmbare Linie der Bundesregierung. Hinter den Kulissen sah es jedoch anders aus: Dort herrschte Aufregung und Betriebsamkeit. Das zeigen vertrauliche Akten des Bundesnachrichtendienstes (BND), welche die Zeit und Zeit Online ausgewertet haben. Aus ihnen geht hervor, dass der deutsche Auslandsgeheimdienst nach Bekanntwerden der NSA-Ausspähungen eine ganze Reihe deutscher Botschaften in aller Welt auf Wanzen und Spione untersuchte - auf dringende Bitte des Auswärtigen Amtes hin.

In mindestens 14 Ständigen Vertretungen, Generalkonsulaten und Botschaften wurden solche "prioritären Untersuchungen" anberaumt. Zwischen Juli 2013 und Januar 2014 nahmen BND-Leute die Gebäude und die dortige Technik tagelang gründlich auseinander und prüften sie mit Messgeräten auf Schwachstellen und Abhörangriffe - in fast allen Fällen außerhalb der üblichen Routineuntersuchungen. Elf solcher Untersuchungsberichte des BND liegen der Zeit und Zeit Online vor.

Das Pikante daran: Es handelt sich vor allem um deutsche Vertretungen bei guten Freunden. Denn der BND nahm die Botschaften in den USA, in Großbritannien, Frankreich und Israel, bei der Nato und bei den Vereinten Nationen unter die Lupe. Daneben wurden nur noch Botschaftsgebäude bei den beiden Großmächten Russland und China untersucht, denen die Bundesregierung offensichtlich ähnlich ausgefeilte Spionageangriffe zutraute wie der NSA oder deren britischen Pendant, dem GCHQ. Außerdem wurde die Botschaft in Beirut durchgecheckt.

Abhörsichere Räume kaum genutzt

Unter Diplomaten ist es ein offenes Geheimnis, dass deutsche Vertretungen seit jeher ausgespäht wurden, und keineswegs immer nur von Gegnern. Als in London 1978 am vornehmen Chesham Place die neue Kanzlei der deutschen Botschaft eröffnet wurde, kamen vorher, so erinnert sich ein früherer Diplomat, "die Leute vom BND und holten zwölf, dreizehn Wanzen aus dem Putz".

In allen wichtigen Botschaften - in Washington etwa, in London, bei den Vereinten Nationen in New York und natürlich auch in Moskau - gibt es einen abhörsicheren Raum, die sogenannte Zelle. Kein Richtmikrofon reicht in diese fensterlosen Zimmer hinein, deren Wände bleiverstärkt sind, und die unter Diplomaten deshalb auch "Bleikammern" heißen.

Die Snowden-Enthüllungen ließen das Auswärtige Amt trotzdem zucken; vielleicht aus Sorge, allzu nachlässig geworden zu sein. In einer als VS - Nur für den Dienstgebrauch gestempelten Vorlage für die Leitungsebene, in der um die "Lauschabwehrmaßnahmen" gebeten wurde, schrieb ein Mitarbeiter des Ministeriums jedenfalls: "Leider ist bei einer Reihe von Vertretungen eine klare Tendenz zur Nicht-Nutzung der Besprechungskabinen zu verzeichnen. Auch eine Beibehaltung von Besprechungskabinen oder ein Einbau bei Neubaumaßnahmen wird mit Blick auf Kosten und Aufwand eher skeptisch gesehen."

Heikle Mauerdurchbrüche und verschwundene Schlüssel 

eye home zur Startseite
berritorre 13. Jul 2015

Was ein deutscher Diplomat verdient weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass sich viele nach...

Rababer 03. Jul 2015

Also ich habe etwas zu verbergen... trotzdem habe ich doch das Recht, dass meine Rechte...

.02 Cents 03. Jul 2015

Ich bin selber sehr skeptisch, was Auftrag, Sinn, Erfolg, Effizienz etc ppp der...

der_wahre_hannes 03. Jul 2015

Dahinter liegt der Zugang nach R'lyeh. Ist schon ganz gut so, dass die Tür zu bleibt.

Baron Münchhausen. 03. Jul 2015

Dieser satz zeigt dass sie es wohl immer noch nicht kapiert haben.



Anzeige

Stellenmarkt
  1. s.Oliver Bernd Freier GmbH & Co. KG, Rottendorf
  2. Daimler AG, Immendingen
  3. Springer Nature, Berlin
  4. Daimler AG, Böblingen


Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. F1 2016 24,99€, Killing Floor 2 13,49€, XCOM 2 Digital Deluxe Edition 21,99€)
  2. (-50%) 29,99€
  3. (-63%) 21,99€

Folgen Sie uns
       


  1. Videoüberwachung

    Erster Feldversuch mit Gesichtserkennung geplant

  2. Optane Memory

    Intel lässt den Festplatten-Beschleuniger wieder aufleben

  3. Cryptowars

    "Kein geheimer Ort für Terroristen"

  4. Trello

    Atlassian setzt alles auf eine Karte

  5. Endless Runway

    Der Flughafen wird rund

  6. Square Enix

    Gladiolus startet ohne die anderen Jungs in Final Fantasy 15

  7. All Walls Must Fall

    Strategie und Zeitreisen in Berlin

  8. Breitbandmessung

    Nutzer erhalten meist nicht versprochene Datenrate

  9. Azure Service Fabric

    Microsoft legt wichtige Cloud-Werkzeuge offen

  10. Internet of Things

    Fehler in Geschirrspüler ermöglicht Zugriff auf Webserver



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Buch - Apple intern: "Die behandeln uns wie Sklaven"
Buch - Apple intern
"Die behandeln uns wie Sklaven"
  1. Patentantrag Apple will iPhone ins Macbook stecken
  2. Übernahme Apple kauft iOS-Automatisierungs-Tool Workflow
  3. Instandsetzung Apple macht iPhone-Reparaturen teurer

Lithium-Akkus: Durchbruch verzweifelt gesucht
Lithium-Akkus
Durchbruch verzweifelt gesucht
  1. Super MCharge Smartphone-Akku in 20 Minuten voll geladen
  2. Brandgefahr HP ruft über 100.000 Notebook-Akkus zurück
  3. Brandgefahr Akku mit eingebautem Feuerlöscher

Technik-Kritiker: Jaron Lanier will Facebook zerschlagen
Technik-Kritiker
Jaron Lanier will Facebook zerschlagen
  1. Dieter Lauinger Minister fordert Gesetz gegen Hasskommentare noch vor Wahl
  2. Messenger Facebook sagt "Daumen runter"
  3. Let's Play Facebook ermöglicht Livevideos vom PC

  1. Re: Chromebooks in Deutschland?

    My1 | 22:21

  2. Re: Das ist (auch) kein Elektroauto!!!!!

    azeu | 22:20

  3. Re: Funktioniert super!

    Prinzeumel | 22:20

  4. Re: Ihr versteht alle den Artikel nicht

    Atraides | 22:19

  5. Re: Wird auch langsam Zeit! [WoSign, StartCom]

    My1 | 22:18


  1. 18:55

  2. 18:18

  3. 18:08

  4. 17:48

  5. 17:23

  6. 17:07

  7. 16:20

  8. 16:04


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel