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Street Art an einer Telefonzelle in Cheltenham, nicht weit entfernt vom Hauptquartier des britischen Geheimdienstes GCHQ
Street Art an einer Telefonzelle in Cheltenham, nicht weit entfernt vom Hauptquartier des britischen Geheimdienstes GCHQ (Bild: Matt Cardy/Getty Images)

Heikle Mauerdurchbrüche und verschwundene Schlüssel

Mit den immer neuen Details aus den Snowden-Akten, die die Aggressivität der Verbündeten zeigten, dürfte sich das geändert haben: Im August 2013 wurde bekannt, dass die NSA auch die Vereinten Nationen ausspähte. Anfang September, dass der Dienst Wanzen in französischen Vertretungen in New York und Washington versteckt hatte. Ende September, dass der belgische Telekom-Konzern Belgacom, zu dessen Kunden die EU und auch die deutsche Botschaft in Brüssel zählt, vom britischen GCHQ heimlich unterwandert war und ausgespäht wurde. Im November 2013 schließlich die Neuigkeit, dass vom Dach der britischen Botschaft in Berlin aus spioniert wird. Und kurz darauf: Dass die NSA auch G-7- und G-20-Gipfel im Visier gehabt hatte.

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Während es im Wochentakt neue Enthüllungen hagelte und die Bundesregierung schwieg, prüften die Lauschabwehrexperten des BND also, wie es um die Abhörsicherheit der deutschen Vertretungen bestellt war. Im Schnitt etwa eine Woche lang checkten sie die Gebäude, schauten in jede Ecke, in jeden Lichtschalter, maßen Schwankungen der Stromzufuhr und elektromagnetische Strahlung.

Fündig wurden sie überall. Einen echten Angriff entdeckten sie dabei glücklicherweise nur in Beirut: Gleich 40 Mal hatten sich dort Unbekannte auf in der Botschaft geführte Telefonate "aufgeschaltet", also eingeklinkt. Von einem "Innentäter" ist im Bericht die Rede. Der BND rügte zudem, dass die Telefonanlage nicht von einer deutschen Firma gewartet wurde, sondern ortsansässige Techniker Administratorenrechte besaßen: Eine "Manipulationsmöglichkeit" sei das.

Wanzen oder andere Belege für Abhöraktivitäten fanden die Prüfer nicht. Dafür stießen sie in allen Vertretungen auf Spuren von Schlamperei. Oft waren die Versäumnisse banal, hätten aber fatale Wirkung haben können. Vor allem die Telefonanlagen waren schlecht programmiert. Manche meldeten nicht, wenn jemand mithörte, obwohl sich das einstellen ließ. Andere erlaubten, dass der Anrufschutz durchbrochen werden konnte, dass die Anlage bei einem Besetztzeichen also selbständig nach einem anderen, freien Anschluss im Gebäude suchte. Vielfach hatten die Sicherheitsbeauftragten auch versäumt, die "Aufschalt"-Funktion der Telefonanlagen zu deaktivieren. Dank dieser Konferenzfunktion können Anrufer zu anderen Gesprächen hinzuverbunden werden und so dort unerkannt mithören.

"Wir waren naiv"

Auch bei weniger technischen Dingen stießen die BND-Prüfer auf gefährliche Sorglosigkeit. In Paris fanden sie im Besprechungsraum einen "Mauerdurchbruch", den sie als "sehr bedenklich" einstuften. Zudem entdeckten sie unbenötigte Heizungsrohrenden. Bereits 2008, fünf Jahre zuvor, hatte der BND deren schalldichte Versiegelung empfohlen. Unternommen worden war nichts. Ebenso in Tel Aviv, wo Deckendurchbrüche nicht verschlossen waren, obwohl das bereits Jahre zuvor angemahnt worden war. Denn in diesen Schächten könnten "kabelgebundene Mikrofone" einfach versteckt werden, wie der BND monierte. In London fanden die Fachleute in der Residenz eine Tür, deren Schlüssel unauffindbar war - und die, so Hausangestellte, seit 14 Jahren nicht mehr geöffnet worden sei. Was sich dahinter befand, "konnte nicht untersucht werden".

An vielen Standorten beklagten die BND-Mitarbeiter, dass durch enge Bebauung ein Ausspionieren von Außen extrem einfach wäre. Als Sofortmaßnahme empfahlen sie, wenigstens die Computerbildschirme von den Fenstern wegzudrehen. Im Bericht zur Ständigen Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York heißt es: "Um die Möglichkeit des Ausspähens aus nahegelegenen Gebäuden zu verringern, empfehlen wir an den Fensterscheiben der betroffenen Räume Sichtschutzfolien (Spiegelfolien) anzubringen, dies würde den Erfolg einer Ausspähung erheblich verringern." Der Besprechungsraum der Vertretung in New York wurde an Wochenenden sogar von Vereinen genutzt - niemand prüfte, wer da ein und ausging.

Das Auswärtige Amt möchte sich zu dem Vorgang nicht genauer äußern. Es heißt lediglich, man stelle "durch in regelmäßigen Abständen erfolgende Untersuchungen sicher, dass der Schutz deutscher Auslandsvertretungen vor Lauschangriffen in vollem Umfang gewährleistet ist". Aus "nachvollziehbaren Gründen" könnten keine näheren Angaben gemacht werden.

Spricht man mit Diplomaten, versichern die, dass das Sicherheitsbewusstsein mittlerweile größer geworden sei. "Wir waren ein bisschen naiv", sagt ein ranghoher Diplomat. In den BND-Berichten freilich schwingt Skepsis darüber mit, ob den Diplomaten die Ernsthaftigkeit der Abhörgefahr bewusst ist. "Die Wirksamkeit der durchgeführten Untersuchungen", heißt es stets am Ende der Berichte, "ist nur anhaltend, wenn im Anschluss an die Untersuchung die Sicherheitsrichtlinien beachtet werden."

Mitarbeit: Matthias Naß

 Überwachung: BND-Akten zeigen die Sorglosigkeit deutscher Diplomaten

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berritorre 13. Jul 2015

Was ein deutscher Diplomat verdient weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass sich viele nach...

Rababer 03. Jul 2015

Also ich habe etwas zu verbergen... trotzdem habe ich doch das Recht, dass meine Rechte...

.02 Cents 03. Jul 2015

Ich bin selber sehr skeptisch, was Auftrag, Sinn, Erfolg, Effizienz etc ppp der...

der_wahre_hannes 03. Jul 2015

Dahinter liegt der Zugang nach R'lyeh. Ist schon ganz gut so, dass die Tür zu bleibt.

Baron Münchhausen. 03. Jul 2015

Dieser satz zeigt dass sie es wohl immer noch nicht kapiert haben.



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