Überwachung: Apple sägt an der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Apple schwingt sich gerne als Verteidiger der Privatsphäre auf, doch nun führt es eine Überwachungsfunktion ein, die uns alle gefährdet.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Apple spielt mit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das ist gefährlich.
Apple spielt mit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das ist gefährlich. (Bild: Alexas_Fotos)

Vergangene Woche kündigte Apple an, Fotos auf den iPhones und iPads seiner Kunden in den USA auf kinderpornografisches Material hin zu untersuchen, bevor sie in die iCloud geladen werden. Damit setzt der iPhone-Hersteller letztlich eine Forderung von Sicherheitspolitikern aus den USA, der EU und Deutschland um - und arbeitet so an nichts Geringerem als der Abschaffung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit.

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Die EU-Kommission hatte bereits im vergangenen Jahr gemeinsam mit Fachleuten von Microsoft, Google, verschiedenen Polizeibehörden, dem Geheimdienst GCHQ und mehreren Opferverbänden ein Konzeptpapier entwickelt, wie eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Messengern ausgehebelt werden könnte, um die versendeten Inhalte zu analysieren.

Dieses Papier - in dem ebenfalls Kinderpornografie als Begründung herhalten muss - ist nichts anderes als die Blaupause für Apples nun eingeführte Überwachungstechnik: Das Papier der EU-Kommission schlägt unter anderem vor, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Messengern zu umgehen, indem die Nachrichten, Fotos oder Videos bereits vor dem Senden ausgewertet und mit einer Datenbank abgeglichen werden.

Eine Backdoor in iMessage

Letztlich wird im Papier der EU-Kommission die umstrittene Technik der Uploadfilter adaptiert, um die private Konversation in Messengern überwachen zu können - die eigentlich durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt ist, also nur durch die an der Kommunikation Beteiligten eingesehen werden kann. Schlägt jedoch der Scanner an, sollen die Nachrichten, Bilder oder Videos ausgeleitet werden, beispielsweise an staatliche Behörden. Damit ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung passé.

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Wer nun entgegnet, dass Apple die Technik noch gar nicht in iMessage verwendet, sondern "nur" bei Fotos, die in die iCloud geladen werden, übersieht eine zweite Technik, die der iPhone-Hersteller mit iOS respektive iPadOS 15 im Herbst einführen will: Ebenfalls zum Schutz der Kinder soll iMessage in Zukunft Nacktfotos erkennen können und die betroffenen Kinder vor dem Betrachten der Fotos warnen. Obendrein sollen auch die Eltern eine entsprechende Nachricht erhalten.

Nach welchen Inhalten gesucht wird, kann nicht kontrolliert werden

Mit der Nacktfoto-Erkennung ist im Prinzip schon der Schritt angelegt, später auch nach weiteren Inhalten zu scannen. Das System, mit dem Missbrauchsbilder detektiert werden, gibt es ja für die iCloud bereits und müsste nicht einmal adaptiert werden. Die entsprechende Datenbank, die Hashes von bekannten Missbrauchsfotos enthält, wird mit Betriebssystem-Updates ausgeliefert und erweitert.

Dabei lässt sich schlicht überhaupt nicht kontrollieren, nach welchen Inhalten überhaupt gesucht wird. So kritisiert der Kryptografie-Experte der US-Universität Johns Hopkins, Matthew Green, dass die Datenbank mit den Hashwerten nicht einsehbar sei. Das bedeute jedoch, dass das System und was genau gescannt werde nicht überprüfbar seien.

Letztlich könnte auch nach völlig anderen Inhalten gesucht oder die Datenbank später erweitert werden. Denn der Technik ist es letztlich egal, nach welchen Inhalten gesucht wird. Damit nicht nur bereits Bekanntes erkannt wird und auch sprachlicher Missbrauch geahndet werden kann, schlägt die EU-Kommission in ihrem Papier eine Detektion verdächtiger Inhalte durch eine angelernte künstliche Intelligenz vor.

Demokratie braucht Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Da Apple Pläne zur sicheren Verschlüsselung der iCloud nie umgesetzt beziehungsweise, wohl um einem Konflikt mit dem FBI aus dem Weg zu gehen, aufgegeben hat, könnte das Unternehmen die iCloud-Fotos genauso gut auf seinen Servern scannen. Denn Apple kann auf nahezu alle Daten auf den iPhones zugreifen, wenn sie mit der iCloud synchronisiert werden - und damit auch das FBI.

Den Foto-Scan auf die Geräte der iPhone- und iPad-Nutzer auszulagern und iMessage in Zukunft auf Nacktfotos zu scannen, ist nichts anderes als eine Kampfansage an die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Auch wenn Apple die Technik als privatsphärefreundlich vermarkten möchte.

Mit der Technik erfüllt Apple nicht nur die Träume der Strafverfolgungsbehörden und Sicherheitspolitiker, die in routinierter Regelmäßigkeit gegen Verschlüsselung als Hort alles Bösen hetzen. Sie bringt damit auch einen Stein ins Rollen, der erheblichen Druck auf alle anderen Anbieter wie etwa Signal oder Threema, die wirklich sichere Dienste anbieten, ausübt. Denn Apple zeigt ja, wie eine Überwachung vermeintlich privatsphärefreundlich möglich ist.

Dabei untergraben Strafverfolgungsbehörden, Sicherheitspolitiker und nun eben auch Apple nichts anderes als die Demokratie. Denn Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sichert tagtäglich, rund um den Globus, unsere Grund- und Menschenrechte. Sie ermöglicht es, private oder intime Dinge zu kommunizieren oder zu teilen, ohne dass jede Handlung überwacht, vermessen und kommerzialisiert wird.

Ohne sie könnten wir Journalisten unsere Quellen nicht mehr auf dem Stand der Technik schützen, kritische Stimmen in Diktaturen könnten sich nicht mehr erheben, Aktivisten sich nicht mehr vernetzen und sensible Daten könnten nicht mehr sicher übermittelt werden. Deshalb müssen wir Apple und die EU-Kommission jetzt aufhalten, bevor es zu spät ist.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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kex 19. Aug 2021

Aber genau darum geht es doch - gerade wenn man bereit ist, Geld dafür auszugeben. Wenn...

splitcells.net 15. Aug 2021

Zu sagen, dass Ende-Zu-Ende-Verschlüsselung damit wahrscheinlich geknackt wird, hat...

Malukai89 11. Aug 2021

Das stimmt nicht, dies sind Apples ganz eigene 1984 Phantasien und beruhen nicht auf...

Yachtmaster 10. Aug 2021

solange die Kasse stimmt kein Problem

MrTridac 10. Aug 2021

Ich hab seit einiger Zeit ein separates modernes Smartphone mit dem ich alle erzwungenen...



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