Überwachtes autonomes Fahren: Mercedes bringt Level 2++ früher nach Deutschland
Der Autohersteller Mercedes-Benz will das überwachte autonome Fahren früher als zunächst geplant in Deutschland anbieten. "Unsere urbane 'Punkt-zu-Punkt'-Navigation soll Ende 2026 in einzelnen deutschen Städten verfügbar sein und Anfang 2027 deutschlandweit ausgerollt werden", schrieb Technikvorstand Jörg Burzer am 22. Mai 2026 auf Linkedin(öffnet im neuen Fenster). Die Einführung des Systems erfolge "in enger Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium".
Anfang 2027 sollen sowohl das überwachte autonome Fahren (Level 2++) als auch Level 4 in Deutschland und Europa erlaubt werden. Für Level 2++ wird die bestehende UN/ECE-Regelung 171 (DCAS) ergänzt. Entsprechende Systeme sind neben dem MB.Drive Assist Pro von Mercedes das überwachte Full Self Driving (FSD) des US-Herstellers Tesla. Die Fahrer müssen beide Systeme jedoch jederzeit überwachen.
Tesla erhielt im April 2026 bereits eine Ausnahmegenehmigung für die Niederlande. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge(öffnet im neuen Fenster) zeigten sich andere europäische Zulassungsbehörden jedoch skeptisch hinsichtlich der Sicherheit des Systems. In Litauen erhielt Tesla im Mai 2026 ebenfalls eine Zulassung(öffnet im neuen Fenster). Dem Unternehmen zufolge legten Tesla-Fahrzeuge in beiden Ländern bereits 20 Millionen Kilometer in dem neuen Modus zurück(öffnet im neuen Fenster).
Mercedes will sich von Elon Musk jedoch nicht abhängen lassen. "Unser Anspruch ist klar: Wir wollen beim assistierten und automatisierten Fahren im internationalen Wettbewerb weiterhin vorne mit dabei sein", schrieb Burzer weiter. Dazu gehöre, "die Menschen in komplexen Verkehrssituationen – von Ampeln über Spurwechsel bis hin zu dichtem Stadtverkehr – bestmöglich zu unterstützen". Mercedes-Benz präsentiere auf der IAA 2025 den MB.Drive Assist Pro, der in München selbstständig eine komplette Route durch die Stadt zurücklegte.

Nur für neue Modelle verfügbar
Im Gegensatz zu Tesla ist es bei Mercedes jedoch nicht möglich, die neue Funktion einfach per Softwareupdate zu ergänzen. Denn es fehlen zwei zusätzliche Kameras, um die Umgebung zu überwachen. Auf Anfrage von Golem hatte ein Sprecher im April 2026 erklärt: "Die neue S-Klasse sowie die neuen Modelle des GLE und GLS werden serienmäßig mit der kompletten Sensorik (27 Sensoren inklusive der zehn Kameras) ausgeliefert, die prinzipiell eine nachträgliche Ausstattung mit MB.Drive Assist Pro ermöglicht".
Mercedes sei darüber hinaus bestrebt, "unseren europäischen Kunden auch in den anderen Segmenten möglichst zeitnah ein gutes Angebot machen zu können". Details dazu wollte er zum damaligen Zeitpunkt jedoch nicht nennen.
Mercedes nutzt für das System nicht nur die Hardware, sondern auch eine Software von Nvidia. Der Chiphersteller entwickelte das System zusammen mit Mercedes und wird an den Einnahmen beteiligt. Nvidia setzt ebenso wie andere Anbieter auf ein sogenanntes Vision-Language-Action-Modell (VLA). Solche Modelle sollen optische Wahrnehmung und logisches Denken miteinander verknüpfen. Zudem nutzen die Anbieter KI-Modelle, um Trainingsdaten zu generieren. Damit ist es deutlich schneller und einfacher möglich, das erforderliche Datenmaterial zu beschaffen.
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