Übertragungsnetzausbau: Investitionen von 250 Milliarden Euro in zehn Jahren

Mit 25,1 Prozent steigt der Staat als Anteilseigner bei Tennet, Deutschlands größtem Übertragungsnetzbetreiber, ein. Wie das Handelsblatt berichtet, erfolgt der Kauf über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und könnte nach Kapitalerhöhung knapp über zehn Milliarden Euro kosten.
Damit wäre die KfW an drei der vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern beteiligt, aber nur bei Tennet mit ausreichend hoher Beteiligung für weitreichende Vetorechte. Schon 2024 war eine komplette Übernahme im Gespräch, scheiterte aber schlussendlich, entweder am Geld oder am damaligen Bundesfinanzminister Christian Lindner. Das bleibt unklar.
Beide Seiten profitieren
Im Interview, ebenfalls im Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) , erklärt der Tennet-CEO Tim Meyerjürgens, dass der Einstieg der Bundesrepublik sich positiv auf die Finanzierung von Fremdkapital auswirken dürfte. Die Investitionen, die in den nächsten Jahren geplant sind, sollten dadurch niedriger ausfallen.
Wobei Tennet bisher vollständig im Eigentum der Niederlande war, die ebenfalls von niedrigen Kreditraten profitieren dürften. Allerdings hat Deutschland zugegebenermaßen ein wesentlich höheres Interesse daran, die eigenen Übertragungsnetze auszubauen und zu erhalten. So erklärt sich auch das angestrebte Vetorecht und noch mehr, dass eigentlich eine vollständige Übernahme angestrebt war.
Ausbaupläne im Milliardenbereich
Derzeit stehen hohe Investitionen an, um die Übertragungsnetze im Zuge der Energiewende auszubauen. Es müssen nicht nur neue Leitungen gebaut werden, um der veränderten Stromproduktionen aus Wind und Sonne gerecht zu werden. Durch die Elektrifizierung der Mobilität oder der Wärmeerzeugung wird zudem ein starker Anstieg des Strombedarfs erwartet.
Er könnte sich bis 2050 verdoppeln. Entsprechend hoch sind die Kosten für den Netzausbau. 2025 hat Tennet laut Meyerjürgens bereits zehn Milliarden Euro investiert. Alle vier Netzbetreiber zusammen planen in den nächsten zehn Jahren, weitere 250 Milliarden in den Ausbau zu stecken.
Lohnen dürfte sich das für Investoren und auch den Staat am Ende dennoch. Das von der Bundesnetzagentur festgelegte Netzentgelt(öffnet im neuen Fenster) dient dem Erhalt und Ausbau der Stromnetze und wird je Kilowattstunde (kWh) erhoben.
2026 sind das etwa 10 Cent. Bei einem Verbrauch von 600 Terawattstunden macht das 60 Milliarden Euro pro Jahr. Verdoppelt sich der Strombedarf, steigt der Betrag auf 120 Milliarden Euro im Jahr, der für den Netzausbau und -erhalt vorgesehen ist. Die Investition ist also gut angelegt, auch wenn sich die Beträge natürlich nicht unmittelbar verrechnen lassen.



