Übernahme Bethesda: Game Changer für Team Xbox

Doom gehört jetzt zu Microsoft - daran muss man sich gewöhnen. Die Übernahme von Bethesda dürfte dem Konzern aber langfristig enorm helfen.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Artwork von Doom
Artwork von Doom (Bild: Microsoft)

Wenn mir 1993 jemand während der Stunden, in denen ich das erste Doom aus einem nordamerikanischen BBS herunterlud, erzählt hätte, dass das damals revolutionäre und irgendwie auch subversive Ballerspiel mal zu Microsoft gehören würde - genauso wie die braven Büroprogramme Word und Excel: Ich hätte es nicht geglaubt!

Nun wechselt der Ego-Shooter zusammen mit Bethesda den Besitzer. Für den neuen Eigner Microsoft bedeutet der Deal zum einen eine Stärkung der Entwicklerkapazitäten um den Faktor BFG (eine sehr großkalibrige Waffe aus Doom). Die Anzahl der Xbox Game Studios steigt von 15 auf 23.

Zum anderen, und das ist der wesentlich wichtigere Teil, gelangt Microsoft an weltbekannte Marken: Neben Doom geht es immerhin um Quake, Wolfenstein, The Elder Scrolls und weitere bekannte Reihen.

So kurz vor dem Start der Xbox ist das ein klares Signal an alle, die zwischen einer neuen Xbox und der Playstation 5 schwanken. Seht her, sagt Microsoft damit, wir meinen es verdammt ernst und versprechen euch langfristig Spiele, die ihr nur bei uns oder zuerst bei uns bekommt.

In den vergangenen Jahren hat Microsoft mit seinen Übernahmen im Spielebereich vieles richtig gemacht. Hervorzuheben ist der Kauf von Minecraft, für das Microsoft 2014 stolze 2,5 Milliarden US-Dollar ausgegeben hat. Damals kam einem die Summe irrsinnig vor. Aus heutiger Sicht ist Minecraft seit Jahren ein weltweiter Bestseller, dessen Kauf sich unterm Strich gelohnt haben dürfte.

Ähnlich seltsam ist vielen Branchenbeobachtern im September 2002 die Akquisition des britischen Entwicklerstudios Rare für 375 Millionen US-Dollar vorgekommen. Rare hatte sich seinen legendären Ruf als Entwickler für Nintendo-Konsolen erworben. Es hat lange bis zum ersten Hit für Microsoft gedauert, aber inzwischen ist das Studio mit dem Onlinerollenspiel Sea of Thieves höchst erfolgreich.

In den vergangenen Jahren hat Microsoft weiter eingekauft, darunter bekannte Teams wie Obsidian Entertainment, Ninja Theory und Double Fine Productions. Für die Übernahme von Bethesda spricht, dass es relativ wenig Überschneidungen mit den Spielen gibt, die sich bereits in der Pipeline bei Microsoft befinden.

Eine dieser Überschneidungen ist das Fantasy-Rollenspiel Avowed, das bei Obsidian entsteht und von der Community als eine Art "The Elder Scrolls 6, aber es könnte früher fertig werden" gehandelt wird.

Eine weitere Dopplung betrifft das düstere Wasteland von Inxile Entertainment (also Microsoft), dessen Szenario nur für Experten in Sachen Postapokalypse von Bethesdas Fallout zu unterscheiden ist. Doom, Quake und Wolfenstein sind im Grunde einzigartig, darauf kann Microsoft langfristig aufbauen.

Hauptgegner der 7,5-Milliarden-US-Dollar-Übernahme ist natürlich Sony mit seinen 13 Worldwide Studios, darunter immerhin berühmte Teams wie Naughty Dog (The Last of Us, Uncharted), Santa Monica Studios (God of War) und Polyphony Digital (Gran Turimso).

Microsoft hat noch enorm viel Arbeit vor sich

Es dürfte aber ein paar Jahre dauern, bis Microsoft ähnlich schlagkräftig ist wie Sony. Die Playstation-Entwicklerstudios gelten als extrem gut vernetzt; das bedeutet viele Synergien allein schon bei der Technik. Hier steht Microsoft wohl erst am Anfang.

Ich persönlich hoffe ja auch, dass Microsoft bei Bethesda die klassischen Serien mit etwas mehr Enthusiasmus vorantreibt. In der jüngsten Vergangenheit ist außer Doom Eternal nur wenig erschienen, was mich wirklich interessiert.

Es wäre schön, wenn es bei The Elder Scrolls und einem neuen Fallout so viel sanften Druck gäbe, dass die Spiele nicht nur überhaupt, sondern halbwegs rasch erscheinen. Und für ein weiteres Doom wäre bei mir neben Word und Excel auf der SSD sowieso immer Platz.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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