Übermäßiger Verschleiß: Tesla-Kunden zahlen die Rechnung für Bremsenmängel
Tesla hat Model-X-Fahrer trotz des Wissens um Fehler bei teuren Reparaturen hängen lassen. Das zeigen interne Papiere.
Tesla-Besitzer bleiben auf teuren Bremsenreparaturen sitzen, von denen der Autohersteller offenbar lange weiß, die er aber nicht anging. Das geht aus internen Dokumenten hervor, die dem Handelsblatt vorliegen.
Das Problem soll in einer fehlerhaften Staubschutzabdeckung an den vorderen Bremsen des Tesla Model X liegen. Dadurch könnten Ablagerungen die Bremsen verstopfen, was zu schnellem Verschleiß, Geräuschen, Vibrationen und Sicherheitsproblemen führen könne.
Tesla-Mitarbeiter warnten Führungskräfte bereits im Januar 2020 vor dem Defekt und dem übermäßigen Bremsenverschleiß. Das Unternehmen veranlasste aber weder einen Rückruf noch wurde das Teil für frühere Modelle neu entwickelt.
Das geht aus den sogenannten Tesla-Files hervor, auf die sich das Handelsblatt beruft. Durch ein im Mai 2023 bekanntgewordenes Datenleck erhielt die Zeitung Zugriff auf rund 100 GByte interne Unternehmensdaten von Tesla.
Kunden zahlen für Reparaturen
Stattdessen ließ Tesla die Besitzer älterer Model X auf den Kosten für vorzeitige Bremsenreparaturen und -austausche sitzen – manchmal sogar mehrfach. Den Dokumenten zufolge tritt das Problem beim Model X weltweit auf, insbesondere in kälteren Klimazonen, in denen häufig Streusalz verwendet wird. Trotz des offensichtlichen Konstruktionsfehlers deckte Tesla die Reparaturen nicht im Rahmen der Garantie ab.
In Norwegen lag die Austauschrate bei mehr als 20 Prozent, einige Techniker mussten wiederholt anreisen, um Bremsen zu reparieren, die immer wieder versagten. Ähnlich hohe Raten habe es etwa in Deutschland, der Schweiz und Kanada gegeben, heißt es in dem Bericht. Tesla äußerte sich zu den Beschwerden nicht.
Mitarbeiter vor Sicherheitsrisiko gewarnt
Wie aus E-Mails und den Tesla-Files hervorgeht, forderten Tesla-Ingenieure die Unternehmensleitung schon vor Jahren auf, die fehlerhafte Staubschutzabdeckung neu zu gestalten. Einer sagte im Jahr 2020 voraus: "Die Lösung würde wahrscheinlich Änderungen an den Komponenten erfordern." In einer anderen Präsentation war die Rede von einem der "schlimmsten Dinge, die wir unseren Kunden antun".