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Überarbeitetes Fire TV im Test: Amazons neue Streamingbox ist scharf

Amazon hat sein Fire TV in vielen Details verbessert - hätte dabei aber noch konsequenter sein dürfen. Technisch überzeugt das Gerät etwa mit 4K-Unterstützung, aber bei der Nutzung von Sideloading-Apps gibt es eine kleine Einschränkung.
/ Ingo Pakalski
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Amazons Fire TV der zweiten Generation (Bild: Michael Wieczorek/Golem.de)
Amazons Fire TV der zweiten Generation Bild: Michael Wieczorek/Golem.de

Amazons neues Fire TV wird ab heute an Kunden ausgeliefert, wir hatten im Vorfeld bereits die Möglichkeit, uns die neue Streamingbox ganz genau anzusehen. Das neue Modell unterstützt 4K-Wiedergabe von Filmen sowie Serien und ist jetzt mit einem Steckplatz für Micro-SD-Karten ausgestattet, dafür wurde auf den optischen Digitalausgang verzichtet. Obwohl die Box eine Reihe von Verbesserungen erhalten hat, gibt es für Besitzer des Vorgängermodells nur wenige Anreize zum Wechsel.

Amazon Fire TV (2015) - Hands on
Amazon Fire TV (2015) - Hands on (01:52)

Besonderes Augenmerk haben wir beim Test darauf gelegt, ob das neue Modell weiterhin mit Apps bespielt werden kann, die es nicht in Amazons App-Shop gibt, wie etwa Kodi. Eins vorneweg: Es funktioniert, aber teilweise nicht so reibungslos wie auf dem Fire TV der ersten Generation. Das liegt vermutlich an Fire OS 5, dem neuen Betriebssystem, das in Kürze auch für die Fire-TV-Geräte der ersten Generation erscheinen wird und auf Android 5.1 alias Lollipop basiert.

Bei der technischen Ausstattung liegt das neue Modell in einigen Punkten klar vor dem Vorgängermodell. So kann es 4K-Inhalte abspielen, die WLAN- und Bluetooth-Unterstützung wurde erweitert, und es gibt jetzt einen Steckplatz für Speicherkarten.

Neuer Steckplatz auf der Rückseite

Äußerlich ist das neue Modell kaum vom Vorgänger zu unterscheiden. Lediglich die Art der Anschlüsse auf der Rückseite zeigt dem Kenner, welches Gerät er vor sich hat. Das Fire TV der ersten Generation hat einen optischen Digitalausgang, der beim Nachfolger eingespart wurde. Dafür gibt es auf der Gehäuserückseite jetzt einen Steckplatz für Micro-SD-Karten.

Wie bisher auch gibt es einen Ethernet-Anschluss und eine USB-2.0-Buchse, die an sich auch mit USB-Speichermedien klarkommt, aber noch mit einigen Einschränkungen. Einen Ein-Aus-Schalter gibt es weiterhin nicht. Die Box kann zwar manuell oder automatisch in einen Schlafmodus versetzt werden, ist dann aber nicht komplett abgeschaltet. Wer das wünscht, muss weiterhin den Stecker ziehen, die Startzeit bis zum Erscheinen der Fire-TV-Oberfläche ist unverändert.

Im neuen Modell steckt ein MT8173-Prozessor von Mediatek mit einer Taktrate von 2 GHz nach dem Big-Little-Prinzip. Zwei Cortex-A72-Kerne übernehmen die rechenintensiven Aufgaben und sind mit 2 GHz getaktet, zwei langsamere Cortex-A53-Kerne bieten eine maximale Taktrate von 1,57 GHz. Im Vorgängermodell setzte Amazon auf das Quad-Core-Modell Snapdragon S4 (APQ8064) von Qualcomm, der mit einer Taktrate von 1,7 GHz läuft.

Die Fernbedienung funktioniert per WLAN

An der Speicherbestückung hat sich nichts verändert. Weiterhin gibt es 2 GByte Arbeitsspeicher und 8 GByte Flash-Speicher. Verbesserungen gibt es dann wieder bei der WLAN- und Bluetooth-Ausstattung: Das neue Modell bietet jetzt Dual-Band-WLAN nach 802.11 a/b/g/n/ac und Bluetooth 4.1 statt Bluetooth 4.0. Im Vergleich zum Amazon-Gerät wirkt die Ausstattung von Googles Nexus Player klar veraltet - und beide kosten gleich viel.

Wir haben das Fire TV per WLAN mit dem Internet verbunden, die Ersteinrichtung verlief fast ohne Probleme. Fast, weil die Box die Fernbedienung nicht finden wollte. Aber als wir diese dichter an die Box hielten, lief es. Bei der späteren Nutzung war das nicht wieder erforderlich. Ein Video erklärt dem Käufer die wichtigsten Funktionen anschaulich. Leider unterstützt auch das neue Modell kein WPS, so dass man um die Eingabe des WLAN-Kennworts nicht herumkommt.

Die Streamingbox ermöglicht nun die Wiedergabe von Filmen und Fernsehserien auch in 4K-Auflösung, sofern diese in dieser Auflösung vorliegen und ein passendes Endgerät vorhanden ist. Das Anzeigegerät muss für die 4K-Ausgabe HDCP 2.2 unterstützen. Meist werden 4K-Inhalte mit einer entsprechenden Markierung innerhalb der Dienste versehen. Wer Amazons Streamingabo Prime gebucht hat, bekommt die 4K-Inhalte ohne Aufpreis.

Die Oberfläche und alle Apps werden nicht in 4K-Auflösung angezeigt. Wer also viel 4K-Inhalte anschaut, muss sich damit abfinden, dass der Fernseher unter Umständen immer zwischen den beiden Auflösungen hin- und herwechselt. Das kann einige Sekunden dauern und durchaus als störend empfunden werden. Weil 4K-Wiedergabe eben nur in Videos zur Verfügung steht, werden auch Fotos nicht in voller Auflösung angezeigt, obwohl diese in einer entsprechenden Auflösung vorliegen. Möglicherweise legt Amazon hier mit einem Firmware-Upgrade nach, wenn erstmal mehr Inhalte in 4K-Auflösung verfügbar sind.

WLAN-Fernbedienung mit starkem Druckpunkt

Eine technische Änderung betrifft auch die Fernbedienung, die nicht länger per Bluetooth, sondern per WLAN mit dem neuen Fire TV Kontakt aufnimmt. Damit erhöht sich die Reichweite der Fernbedienung. Wem die Bluetooth-Reichweite genügt, der wird keinen nennenswerten Unterschied bemerken. Im direkten Vergleich ist die sauber verarbeitete Fernbedienung ein wenig länger als beim Vorgänger, aber bei der Nutzung macht sich das weder positiv noch negativ bemerkbar. Erfreulicherweise werden weiterhin Batterien verwendet, so dass diese unkompliziert gewechselt werden können, falls sie leer sind. Hätte sich Amazon für einen eingebauten Akku entschieden, wäre das nicht möglich.

An der Tastenbelegung gibt es keine Änderung, es gibt erneut Spultasten, aber weiterhin keine Tasten zur Regelung der Lautstärke. Bei unserem Testmodell hatten die Tasten einen deutlich stärkeren Druckpunkt, das kann aber möglicherweise variieren. Anders als andere Hersteller von Streamingboxen integriert Amazon weiter keine Kopfhörerbuchse in die Fernbedienung. Weiterhin fehlt auch ein Infrarotempfänger, so dass sich herkömmliche Infrarot-Fernbedienungen nicht mit dem Fire TV nutzen lassen. All das ist zwar nicht unbedingt notwendig, hätte das Fire TV aber nochmals aufwerten können.

Fire OS 5 basiert auf Android 5.1 alias Lollipop

Das neue Fire TV wird gleich mit Fire OS 5 ausgeliefert. An der Bedienoberfläche gibt es keine grundlegenden Änderungen im Vergleich zu Fire OS 3, das noch auf den Fire-TV-Modellen der ersten Generation läuft. Nur an sehr wenigen Stellen machten sich ein paar kleine Änderungen bemerkbar. Das aktuelle Fire OS basiert auf Android 5.1 alias Lollipop. Auf unserem Testmodell war Fire OS 5.0.2 mit der Build-Nummer 531006220 installiert.

Wer bereits ein Fire TV besitzt und dort aufgrund des geringen Flash-Speichers ständig einen USB-Stick oder Ähnliches angeschlossen hat, um darauf Apps abzulegen, wird sich über den eingebauten Steckplatz für Micro-SD-Karten freuen. Damit wird die USB-Buchse wieder für andere Dinge frei, wenn nicht schon ein USB-Hub verwendet wurde. Anders als bei den neuen Fire-Tablets lassen sich keine Filme aus Amazons Filmbibliothek auf der Speicherkarte ablegen. Auf einer Speicherkarte abgelegte Filme, Musik oder Bilder lassen sich abspielen oder anzeigen, allerdings fehlen auch dem neuen Modell passende Apps dafür.

Fire OS unterstützt USB-Speicher nicht direkt

Erstaunlicherweise gibt es den VLC Player derzeit nur für das Fire TV der ersten Generation. Möglicherweise ändert sich das in den kommenden Tagen noch. Zunächst war auch Netflix auf dem Testmuster nicht verfügbar, erst nach einem Firmware-Upgrade konnten wir Netflix auch auf dem neuen Fire TV verwenden. Möglicherweise passiert Ähnliches in den nächsten Tagen mit dem VLC Player. Ansonsten wurde kürzlich der ES Datei Explorer für das Fire TV freigegeben, der ebenfalls Videos, Bilder und Musik abspielen kann.

Kurz nachdem Amazon das neue Fire TV vorgestellt hatte, gab es widersprüchliche Aussagen zur USB-Buchse . Zunächst hieß es, dass nur Zubehör unterstützt würde und somit keine Speichermedien mehr angeschlossen werden könnten. Beim Ausprobieren stellte sich heraus, dass beide Aussagen in gewisser Weise richtig sind. Denn die Fire-TV-Oberfläche erkennt nicht, wenn ein USB-Stick angeschlossen wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Speicherkarte eingelegt ist oder nicht. Es lassen sich also keine Apps mehr auf einem USB-Stick ablegen.

Weiterhin kein Mediaplayer vorinstalliert

Die Wiedergabe von lokalen Videos oder Musik ist aber weiterhin möglich. Denn Apps von Drittanbietern haben keine Probleme damit, auf ein USB-Speichermedium zuzugreifen. So lassen sich etwa darauf befindliche Videos oder Musik abspielen. Aber wie oben erwähnt, muss dafür eine passende App installiert sein, weil nichts Passendes dafür vorinstalliert ist. Dabei wird weitehin nur FAT32 unterstützt, mit anderen Dateiformaten kommt auch das neue Fire TV nicht klar. Die Nutzung von USB-Hubs macht hingegen keine Probleme.

Anders sieht es mit Tastaturen aus: Diese können zwar weiterhin per USB oder Bluetooth mit dem Fire TV verwendet werden, allerdings gilt das nur eingeschränkt für Modelle mit deutschem Tastenlayout: Das neue Fire TV erkennt nicht mehr, wenn eine deutsche Tastatur angeschlossen ist und verwendet immer ein US-Tastenlayout. Eingaben per Tastatur sind damit nicht ganz einfach.

Hier besteht die Hoffnung, dass Amazon den Fehler mit einem baldigen Firmware-Upgrade behebt, schließlich funktionieren deutsche Tastaturen am Fire TV der ersten Generation mit Fire OS 3 ohne Probleme. Bis Ende des Jahres will Amazon auch das Fire TV der ersten Generation mit dem Update auf Fire OS 5 versorgen. Es bleibt zu hoffen, dass solche Fehler bis dahin beseitigt werden.

Nur eine kleine Änderung am Fire-TV-Startbildschirm

Die Fire-TV-Oberfläche reagiert auch auf dem neuen Modell schnell, und es macht Laune, durch die Amazon-Inhalte zu navigieren. Ein Geschwindigkeitsunterschied im Vergleich zum Vorgängermodell war nicht feststellbar. Die gesamte Struktur des Startbildschirms wurde beibehalten. Wir fanden nur zwei kleine sichtbare Änderungen.

So wurde die Suchfunktion optisch etwas überarbeitet. Wenn die Suchfunktion jetzt mit der Fernbedienung aufgerufen wird, ist die Textsuche vorausgewählt. Die bisherige etwas umständliche Auswahl der Textsuche ist damit Vergangenheit. An sich ist die Suche nicht länger auf Amazon-Inhalte beschränkt, aber es dauert noch bis Ende des Jahres, bis mit den Mediatheken von ARD und ZDF die ersten Apps erscheinen, die sich in die Fire-Suche einklinken.

Eine weitere Änderung fanden wir in den Entwickleroptionen der Fire-TV-Einstellungen. Dort gibt es nun speziell für Entwickler eine Option, die Box in den Flugmodus zu versetzen, also WLAN und Bluetooth auszuschalten. Diese Option sollte mit Vorsicht verwendet werden, weil dann auch die mitgelieferte Fernbedienung nicht mehr funktioniert. Auch im neuen Fire OS gibt es keine Möglichkeit, sich in der Watchlist nur die Prime-Inhalte anzeigen zu lassen. Wir finden es schade, dass eine solche Option weiterhin nicht vorhanden ist, obwohl es diese Option im Browser, auf dem Smartphone oder Tablet schon lange gibt.

Verbesserungen helfen Netflix-App

Auch für das neue Fire-TV-Modell ändert sich nichts daran, dass weiterhin wichtige deutsche Streaming-Abo-Dienste nicht unterstützt werden. So gibt es keine Apps für Maxdome, Watchever und Sky. Die einzige Ausnahme ist Netflix. Anfangs war die App nicht gelistet, erst nach einem Firmware-Upgrade war es dann möglich, die Netflix-App zu installieren. Wer dieses Problem auch hat, sollte sich einfach ein paar Tage gedulden, bis das betreffende Update verteilt wird. Es ist davon auszugehen, dass das in den kommenden Tagen an alle neuen Fire-TV-Geräte ausgegeben wird.

Beim Start von Netflix machten sich dann doch einmal Geschwindigkeitsunterschiede bemerkbar. Während die App auf dem alten Fire TV etwa 10 Sekunden startete, war sie auf dem neuen Modell nach 7 Sekunden schon einsatzbereit. Und wenn die App erst einmal gestartet ist, bleibt sie länger als bisher im Speicher. Das bedeutet, dass auch nach Aufruf anderer Apps die Netflix-App dann sofort erscheint, wenn sie wieder aufgerufen wird.

Es ist denkbar, dass in Fire OS 5 Optimierungen bei der App-Verwaltung vorgenommen wurden und Apps eben länger im Speicher gelassen werden. Erst wenn besonders speicherintensive Apps aufgerufen wurden, erlebten wir auf dem neuen Fire TV die bislang üblichen Netflix-Startzeiten. Wenn unsere Vermutung stimmt, könnten diese Verbesserungen auch für Besitzer des ersten Fire TV kommen, sobald Fire OS 5 dafür verteilt wird.

Auf einem Fire TV Stick mit einer Entwicklerversion von Fire OS 5 konnten wir dieses Verhalten nicht reproduzieren. Allerdings hat der Fire TV Stick weniger Arbeitsspeicher als das Fire TV und somit ist es denkbar, dass davon nur das Fire TV profitiert. Derzeit ist auch nicht bekannt, ob die Anpassungen bei der App-Verwaltung auch schon in der Entwicklerversion für den Fire TV Stick enthalten sind.

X-Ray-Funktion blendet Zusatzinformationen ein

Wer vor allem Amazons Videodienst verwendet, darf sich weiterhin auf Komfortfunktionen wie ASAP und X-Ray freuen. ASAP steht für Advanced Streaming and Prediction und versucht anhand des Benutzerkontos zu erahnen, was der Nutzer gleich anschauen wird. Dann wird im Hintergrund der Anfang des Films der Serienepisode vorgeladen, damit die Wiedergabe eines Films sofort startet. Das funktioniert erstaunlich gut. Nicht immer liegt Amazon richtig, aber sehr häufig. Sehr hilfreich ist die Funktion beim Schauen von Serien, weil zum Ende einer Folge bereits die nächste geladen wird und der Zuschauer ohne Wartezeit weiterschauen kann.

Mit der X-Ray-Funktion werden ergänzende Informationen zu einem Film oder einer Serie eingeblendet. Das können Namen von Schauspielern sein, die gerade in einer Szene zu sehen sind. Aber auch Informationen zur Musik im Film oder zum Regisseur sind bequem erreichbar. X-Ray zeigt die Informationen abhängig von der jeweiligen Szene und ist ein netter Komfortgewinn. Die X-Ray-Daten stehen nicht für alle Filme und Serien bereit, aber Amazon arbeitet daran, immer mehr Titel damit zu bestücken.

Google Cast wird nicht unterstützt

Auch mit dem Wechsel auf Fire OS 5 beherrscht das Fire TV kein Google Cast, das etwa im Nexus Player vorhanden ist und vor allem vom Chromecast genutzt wird. Zwar gibt es weiterhin eine Funktion zum Teilen des Bildschirms, aber sie läuft nicht ganz so zuverlässig wie Cast. Amazon hatte im Sommer 2015 mit Fling eine Alternative zu Googles Cast vorgestellt, bislang gibt es aber nicht sonderlich viele Apps, die Fling unterstützen. Hier hat Google mit Cast einen deutlichen Vorsprung.

Sideloading funktioniert - aber noch mit kleinen Einschränkungen

Wie auch beim ersten Fire TV können bei Bedarf Apps installiert werden, die es nicht in Amazons eigenem App-Shop gibt. Das Verfahren wird als Sideloading bezeichnet und wurde jüngst vereinfacht. Denn vor einigen Wochen hat Amazon zuerst den Total Commander und dann den ES Datei Explorer im Fire-TV-App-Shop freigegeben. Damit stehen zwei Dateimanager bereit, über die unkompliziert Apps installiert werden können, wenn diese als APK-Installationsdatei vorliegen. Im Fall von Kodi(öffnet im neuen Fenster) , ehemals XBMC, ist das unkompliziert möglich, die Archive stehen direkt zum Download bereit, für das neue Fire TV wird die ARM-Variante benötigt.

Damit sich eine solche APK-Datei installieren lässt, muss das Installieren von Apps aus unbekannten Quellen in den Entwickleroptionen der Systemrubrik der Fire-TV-Einstellungen erlaubt werden. Dann braucht die gewünschte APK-Datei nur noch auf einen USB-Stick oder eine Micro-SD-Karte kopiert zu werden. Von beiden Speichermedien kann die App dann mit einem Dateimanager installiert werden.

Ein noch bequemerer Weg steht für Besitzer eines Android-Geräts zur Verfügung: Sie können mit speziellen Apps jede beliebige auf dem Android-Gerät befindliche App auf das Fire TV übertragen. In Googles Play Store gibt es unter anderem Apps2Fire(öffnet im neuen Fenster) oder Fire Installer(öffnet im neuen Fenster) , mit denen diese Aufgabe erledigt werden kann. Anders als beim Kopieren über ein angeschlossenes Speichermedium muss dafür zuvor allerdings das ADB-Debugging in den Entwickleroptionen der Fire-TV-Einstellungen aktiviert werden. Nach der Installation kann die Option wieder abgeschaltet werden. Apps2Fire kann das betreffende Fire TV im Netzwerk selbst finden, beim Fire Installer muss die IP-Adresse derzeit zwingend manuell eingegeben werden.

Sideloading-Apps erscheinen weiterhin nicht auf Startbildschirm

Amazon gestattet das Sideloading von Apps zwar nach wie vor, zeigt sie aber weiterhin nicht auf dem Fire-TV-Startbilschirm an. Ohne weitere Hilfsmittel lässt sich eine solche App nur starten, indem in den Einstellungen des Geräts die Liste aller installierten Apps aufgerufen wird. Und dann muss darin die gewünschte App gesucht und gestartet werden.

Bisher war es mit Hilfe einiger Verrenkungen möglich, eine Sideloading-App trotzdem auf den Fire-TV-Startbildschirm zu bekommen. Das funktioniert mit dem neuen Fire TV nicht mehr, auf dem Fire OS 5 läuft. Weder der Weg über Llama noch mit Hilfe von Tasker(öffnet im neuen Fenster) ist es uns gelungen, eine Platzhalter-App mit Kodi zu verknüpfen. Es ist denkbar, dass ein Update von Tasker das Verknüpfen von Kodi mit einer Platzhalter-App wieder möglich macht. Bei Llama stehen die Chancen hingegen schlecht, denn die App wurde seit fast einem Jahr nicht mehr aktualisiert.

Alternative App-Starter helfen

Hier können aber weiterhin alternative App-Starter helfen. Der FiredTV Launcher(öffnet im neuen Fenster) funktioniert auch unter Fire OS 5 problemlos. Wie auch bisher funktioniert die Home-Button-Erkennung der Fernbedienung aber nicht immer ganz einwandfrei.

Wesentlich besser schneidet hier der Fire Starter ab. Er kann problemlos parallel zum normalen Fire-TV-Startbildschirm verwendet werden, der Home-Knopf an der Fire-TV-Fernbedienung lässt sich entsprechend umbelegen. Allerdings verlangt dieser, dass das ADB-Debugging in den Fire-TV-Einstellungen immer aktiviert ist - aber dann spuckt die App unter Fire OS 5 derzeit immer Fehlermeldungen aus. Damit diese verschwinden, muss ADB-Debugging nach jedem Geräteneustart aus- und dann wieder eingeschaltet werden. Der Entwickler hat bereits in Aussicht gestellt(öffnet im neuen Fenster) , die App an Fire OS 5 anzupassen, so dass der Fire Starter bald auch unter Fire OS 5 ohne diesen Kniff funktionieren könnte.

Eine weitere Alternative erfordert zusätzlich ein Smartphone oder Tablet, um von dort aus die auf dem Fire TV installierten Apps starten zu können. Das geht unter anderem mit dem ES Datei Explorer(öffnet im neuen Fenster) . Wenn das betreffende Fire TV als Android-TV-Gerät eingebunden ist, zeigt der Dateimanager alle auf dem Fire TV befindlichen Apps und erlaubt es, diese von dort aus zu starten. Mit App Shortcuts for Fire TV gibt es auch eine App, die speziell dafür gemacht wurde und außer für Android auch für iOS und Windows Phone zur Verfügung steht. Anders als beim Ansatz mit dem Dateimanager muss dazu eine spezielle App auf dem Fire TV installiert werden.

Die beschriebenen Probleme beim Sideloading dürften bald vergessen sein, wenn die betreffenden Apps entsprechend angepasst sind. All diese Probleme gab es nicht, als Amazon das erste Fire TV vor rund einem Jahr auf den deutschen Markt gebracht hat. Denn das Gerät wurde damals in den USA schon ein paar Monate früher verkauft, so dass Entwickler einen längeren Vorlauf hatten, ihre Apps anzupassen.

Verfügbarkeit und Fazit

Die neue Version des Fire TV(öffnet im neuen Fenster) ist bei Amazon für 100 Euro verfügbar. Anders als beim Vorgängermodell gab es keinen Angebotspreis zur Markteinführung. Als Zubehör gibt es für 50 Euro einen WLAN-Spielecontroller mit eingebautem Kopfhöreranschluss(öffnet im neuen Fenster) , der aber erst am 22. Oktober 2015 erscheint. Mit dem Fire TV der ersten Generation kann der Controller derzeit nicht verwendet werden, das wird erst mit einem geplanten Firmware-Update für den ersten Fire TV möglich. Das neue Fire TV wird von Amazons technischem Kundendienst Mayday betreut, so dass Käufer bei Problemen unkompliziert Hilfe bekommen sollen.

Fazit

Das Fire TV bietet in fast allen Punkten mehr als das Vorgängermodell und ist damit etwas universeller einsetzbar. Ein Gewinn ist der Steckplatz für Micro-SD-Karten, zumal glücklicherweise für die üblichen Aufgaben USB-Speichermedien weiterhin unterstützt werden. Allerdings bleibt es sonderbar, dass Fire OS selbst quasi keine USB-Speichermedien mehr kennt.

Mit der Wiedergabe von 4K-Inhalten ist das Fire TV für die Zukunft gerüstet. Bisher gibt es nur vergleichsweise wenige Inhalte mit dieser Auflösung. Dadurch ist der tatsächliche Vorteil derzeit noch überschaubar, aber in den kommenden Wochen und Monaten wird es wohl mehr 4K-Inhalte geben. Langfristig sollte es auch die Oberfläche in 4K-Auflösung geben. Wer unbedingt Wert auf einen optischen Digitalausgang legt, wird sich wohl etwas ärgern, dass dieser nicht vom Vorgängermodell übernommen wurde. Gleichwohl ist das neue Fire TV dem Nexus Player von Google bei der Ausstattung haushoch überlegen.

Mittels Sideloading lassen sich Apps weiterhin an Amazons App-Shop vorbei installieren. Nur schade, dass diese Möglichkeit weiterhin nur halbherzig unterstützt wird und Sideloading-Apps nach wie vor nicht auf dem Fire-TV-Startbildschirm gelistet werden. Glücklicherweise gibt es mehrere komfortable Lösungen zum Aufruf von Sideloading-Apps, auch wenn derzeit nicht jede Lösung ganz rund läuft. Hier werden die App-Entwickler vermutlich bald passende Lösungen parat haben.

Der neue Prozessor im Fire TV bringt beim täglichen Streamingkonsum keinen nennenswerten Geschwindigkeitsvorteil im Vergleich zum Vorgängermodell. Deutlich mehr hilft hier das vermutlich überarbeitete App-Management, das Apps länger als bisher im Speicher hält. Vor allem Netflix-Nutzer profitieren davon, dass sie beim erneuten Aufruf der App nicht mehr warten müssen, sondern diese sofort verwenden können.

Trotz vieler Detailverbesserungen fehlen uns einige hilfreiche Komfortfunktionen: So gibt es weiterhin keinen Ein-Aus-Schalter am Gerät und keine Kopfhörerbuchse an der Fernbedienung. Dem Fire TV fehlt weiterhin ein Infrarotempfänger und die Watchlist muss weiterhin ohne Prime-Filter auskommen. Auch ein Jahr nach der Markteinführung des ersten Fire TV fehlen leider weiterhin Apps für einige wichtige deutsche Streaming-Abo-Anbieter.

Wer das erste Fire TV seinerzeit zur Markteinführung für 50 Euro bekommen hat, wird sehr genau abwägen, ob er ein Jahr später für das Nachfolgemodell jetzt das Doppelte zahlt. 4K-Auflösung und der Steckplatz für Speicherkarten sind zwar sinnvoll, aber wem all das bisher nicht gefehlt hat, hat keinen echten Anreiz zu wechseln und ist mit dem Vorgängermodell weiterhin gut bedient. Das spricht sehr für die Qualität des alten Fire TV.

Insofern ist es schade, dass Amazon das alte Modell nicht mehr regulär zu einem reduzierten Preis anbietet. Schuld daran dürfte der Fire TV Stick sein. Amazon will die Kunden sicherlich nicht unnötig in Versuchung führen und vom Fire TV Stick weglotsen. Wem der Fire TV Stick von der Geschwindigkeit etwas zu träge ist, findet im neuen Fire TV in jedem Fall einen großen Komfortsprung nach vorne.


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