Ubuntu als kaputter Fremdkörper

Zwar funktioniert die Installation mit Apt, doch die interaktive Eingabezeile zum Bestätigen der Auswahl zeigt bereits, dass es mit dem Windows-Subsystem für Linux (WSL) massive Darstellungs- und Eingabeprobleme auf dem Terminal gibt. So wird die Eingabe der Backspace-Taste in diesem interaktiven Modus nicht als Löschaufforderung des letzten Zeichens interpretiert, sondern als "normale" Eingabe, weshalb hier beliebige Unicode-Zeichen erscheinen.

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Überraschenderweise gar nicht möglich sind die Verwendung von Sonderzeichen sowie Drittbelegungen von Tasten, welche als Tastenkombination per AltGr erzeugt werden. Das Ubuntu nimmt hier keine Eingaben an. In den öffentlichen Bugreports berichten viele Nutzer mit abweichenden Tastaturlayouts von ähnlichen Problemen. Ein bisschen Abhilfe, um wenigstens die Pipe oder das @-Zeichen nutzen zu können, schafft nur der systemweite Wechsel vom deutschen auf das US-Tastaturlayout unter Windows. Das Verändern des Layouts in der Ubuntu-Shell bleibt erfolglos.

  • Bash on Ubuntu on Windows (Bild: Screenshot Golem.de)
  • Bash on Ubuntu on Windows (Bild: Screenshot Golem.de)
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Bash on Ubuntu on Windows (Bild: Screenshot Golem.de)

Nervig ist auch, dass die Nutzung von Pagern wie etwa Less zu oft dazu führt, dass der anzuzeigende Text in dem Fenster so verrutscht oder überlagert wird, dass die Ausgabe nicht mehr sinnvoll gelesen werden kann. Das Bearbeiten von Textdateien mit dem einfachen Editor Nano ist aus dem gleichen Grund quasi nicht möglich. Dass diese interaktiven Shell-Modi eine Herausforderung für das WSL darstellen, ist nur schwer verständlich. Immerhin ist dies oft Grundvoraussetzung für die Arbeit mit einem Terminal. Doch Microsoft muss seine Interna zur Unterstützung dieser Funktionen wohl erst aufwendig umbauen.

Viele kaputte Grundlagen

Immer wieder verwundern derartige Fehler insbesondere bei kleineren Anwendungen, die völlig unerwartet nur teils oder auch gar nicht funktionieren. So erscheint etwa Midnight Commander zwar in dem nostalgischen Ncurses-Blau, eine Navigation per Pfeiltasten in der Ansicht ist aber nicht möglich und die Software damit vollkommen unbrauchbar.

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Eine grundlegende Systemadministration ist ebenfalls kaum möglich. So fehlt zum Beispiel ein Logging-Dienst, und die Verwaltung von Systemdiensten mit den Upstart-Werkzeugen scheitert. Die meisten dieser Anwendungen setzen die Nutzung von Dbus zur Kommunikation voraus, doch der dazugehörige Daemon lässt sich weder automatisch noch manuell starten. Erstaunlicherweise gelingt es aber einigen Anwendungen wie Libreoffice den Dbus-Daemon selbstständig zu starten.

Das Packen und Entpacken von Archiven mit Tar geht außerdem nur so lange gut, bis eines der Archive einen Symlink enthält. Ist dies der Fall, verweigert Tar seinen Dienst. Auch Netzwerkoperationen, die über einfache Grundlagen hinausgehen, stellen das WSL noch vor unlösbare Probleme. So melden etwa Dig und Nslookup Fehler in der Socket-Implementierung. Für Ping fehlt die Unterstützung für ICMP und die eigene IP-Adresse lässt sich über ip a nicht in Erfahrung bringen. Zu allem Überfluss fehlt auch noch /dev/net, was weitere Netzwerkprobleme nach sich zieht. Ein Test von Wine zum Ausführen der nativen Windows-Anwendungen aus dem Ubuntu heraus scheitert an der Speicherverwaltung des Systems.

Seltsame und fehlende Gerätedateien

Die virtuellen Dateisysteme, die unter Linux üblich sind und von Anwendungen deshalb als gegeben vorausgesetzt werden wie eben /dev/net oder andere, bereiten dem WSL wohl die meisten Probleme. So fehlen im Vergleich zu Linux bei dem Ubuntu auf Windows große Teile dieser virtuellen Dateien und Ordner und in /dev /proc oder auch /sys. Die darüber erhältlichen Details zur Hardware und dem System sind eher spärlich und der Zugriff auf Blockgeräte ist zum Beispiel gar nicht möglich. Wenig überraschend lässt sich auch Docker nicht verwenden, da die Cgroup-Schnittstellen und dazugehörige virtuelle Dateien nicht vorhanden sind.

Besonders interessant, aber auch besonders ärgerlich ist das Verhalten der Gerätedatei /dev/null. Zwar verhält sich die Datei beim Hineinschreiben großer Datenmengen wie erwartet: Die Daten werden verworfen und die Datei wird nicht größer. Unter Linux ist das Nulldevice zudem aber ein sogenanntes Character Device, es wird bei der Eingabe von ls -l auch mit einem führenden c als solches ausgewiesen.

In der Umsetzung des WSL ist Letzteres aber nicht der Fall. Das Nulldevice ist zumindest der Ausgabe von ls -l zufolge eine einfache Datei, was bei vielen Anwendungen zu Fehlfunktionen führt. Als prominentestes Beispiel ist hier der OpenSSH-Server zu nennen, der deswegen nicht genutzt werden kann. Microsoft hat bereits zur Ankündigung des WSL und auf der Build-Konferenz mehrfach darauf hingewiesen, dass solche Funktionseinschränkungen zu erwarten seien, da die Entwicklungen einen sehr engen Fokus hatten.

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 Ubuntu on Windows im Test: Eine neue Hassliebe auf der KommandozeileFür Entwickler und Experimentierfreudige 
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    Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

Crass Spektakel 28. Apr 2016

Binärkompatibilität war nur nie irgendetwas was relevant war wenn ich von Cygwin aus für...

nille02 22. Apr 2016

Da auch die "neue" bash Windows nicht steuern kann, muss man es zu PS greifen.

kendon 22. Apr 2016

find, grep, sed, sort, gescheites scripting, (brauchbare) tab-completion, aliase (könnte...

Schnapsbrenner 22. Apr 2016

Hi, ich habe irgendwann aufgehört die Insider Preview zu nutzen und zu verfolgen, bin...

elf 21. Apr 2016

Wine ist aber weit umfangreicher als WSL. Wine läuft zudem selbst im Userspace. WSL...


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