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Ubuntu 16.10 erschienen: Unity 8 läuft auf dem Desktop nur mit starken Abstrichen

Erstmals offiziell enthält die aktuelle Ubuntu-Version 16.10 den neuen Desktop Unity 8. Dieser ist aber nur als Vorabversion verfügbar und noch ziemlich fehlerhaft. Sonst beschränkt sich Ubuntu-Distributor Canonical vor allem auf die üblichen Paketupdates.
/ Sebastian Grüner
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Namensgeber für die aktuelle Ubuntu-Version: ein Yak in Nepal (Bild: travelwayoflife, flickr.com)
Namensgeber für die aktuelle Ubuntu-Version: ein Yak in Nepal Bild: travelwayoflife, flickr.com / CC-BY-SA 2.0

Auch die aktuelle Ubuntu-Version 16.10 mit dem Codenamen Yakkety Yak nutzt weiterhin die von Canonical entwickelte Desktop-Umgebung Unity 7 als Standardoberfläche. Der vor mehr als dreieinhalb Jahren angekündigte Nachfolger Unity 8, der bereits auf den wenigen Smartphones und Tablets mit Ubuntu läuft, ist für den Desktop nach wie vor nur als Vorabversion verfügbar. Immerhin wird Unity 8 den Nutzern von Yakkety aber erstmals standardmäßig zur Nutzung angeboten, ohne dass Interessierte diesen eigenständig installieren müssen.

Unity 8 hat noch einige Macken

Dazu können die Nutzer im Anmeldebildschirm von Ubuntu 16.10 einfach in die neue Desktop-Umgebung Unity 8 wechseln. Anders als der Vorgänger nutzt Unity 8 den von Canonical entwickelten Display-Server Mir. Dieser ist eine Alternative zu dem in anderen Linux-Distributionen genutzten Wayland und soll in Ubuntu langfristig X11 ablösen, läuft aber derzeit nur mit dem freien Grafiktreiber. Je nach verwendetem System kann es gar sein, dass der Bildschirm bei der Nutzung von Unity 8 schwarz bleibt.

Nach einem gelungenen Start zeigt Unity 8 aber in einem Fenster die sogenannten Scopes an, worüber sich lediglich zwei rudimentäre Unity 8-Apps starten lassen. Über ein Pfeilsymbol am unteren Fensterrand fügt der Anwender weitere Scopes-Seiten hinzu, die etwa den schnellen Zugriff auf Amazon oder Wikipedia erlauben. Die auch aus Unity 7 bekannte Schnellstartleiste erscheint auf dem Desktop, indem der Cursor an den linken Bildschirmrand bewegt wird. Die Bedingung der Oberfläche verhält sich darüber hinaus wie auf den Mobilgeräten.

Warum Unity 8 weiterhin nur als Vorabversion verfügbar ist, zeigt sich schnell. So verweigern X11-Anwendungen wie Libreoffice unter Unity 8 derzeit meist noch den Dienst. Darüber hinaus listen die offiziellen Release-Notes von Yakkety(öffnet im neuen Fenster) einige obskur anmutende Fehler bei Unity 8. So friert die Desktop-Sitzung etwa unter Umständen völlig ein, wenn Nutzer die Drucken-Taste oder Media-Steuerungstasten wie Play/Pause verwenden. Zudem kann der Browser der Unity-8-Sitzung keinen Ton abspielen.

Übliche und zu erwartende Paketupdates

Als Basis für den Standarddesktop Unity 7 dienen in Yakkety die Programme aus Gnome 3.20, von dem die Oberfläche unter anderem den Dateimanager Nautilus übernimmt. Einige ausgewählte Gnome-Programme liegen sogar in der Version 3.22 bei, wie etwa der Texteditor Gedit. Durch den Umstieg auf GTK+ 3.20 müssen Theme-Entwickler allerdings ihre bestehenden Themes anpassen.

Als Basis von Ubuntu 16.10 wird der Linux-Kernel 4.8 genutzt, der erst vor knapp zwei Wochen offiziell erschienen ist. Systemd kümmert sich in Yakkety nicht mehr nur um System-, sondern auch um User-Sessions. Libreoffice liegt in der Version 5.2 bei, wobei Ubuntu die auf GTK+ 3 basierende Variante des Büropakets mitbringt. Die Aktualisierungsverwaltung zeigt in der aktuellen Version auch Changelogs aus zusätzlichen Paketquellen (PPA) an. Zudem wird das Verschlüsselungswerkzeug GPG in Version 2(öffnet im neuen Fenster) als Paket integriert.

Ubuntu Server enthält Qemu in der Version 2.6.1 sowie Libvirt in der aktuellen Version 2.1. Um die Unterschiede zu Debian zu reduzieren, heißt der Libvirt-Dienst ab sofort libvirtd.service . Der Alias libvirt-bin.service soll die Abwärtskompatibilität sicherstellen. Des Weiteren ist das Data Plane Development Kit (DPDK) auf die Version 16.07 aktualisiert worden, Open vSwitch liegt in der Version 2.6 bei.

Auch bei den offiziellen Ubuntu-Derivaten halten sich die Neuerungen in Grenzen: Kubuntu 16.10 setzt auf Plasma 5.7 und die KDE Applications 16.04, während Lubuntu weiterhin LXDE als Desktop nutzt, statt der seit zwei Jahren verfolgten Neuentwicklung LXQT . Ubuntu Mate bringt den Mate-Desktop in Version 1.16 mit, der jetzt auf GTK+ 3.20 basiert. Ubuntu Gnome mischt Gnome 3.20 mit einigen Anwendungen aus der neueren Version 3.22. Zu letzteren zählen etwa die Apps Videos und Photos. Zusätzlich dürfen Nutzer über den Anmeldebildschirm eine experimentelle Wayland-Sitzung starten. Standardmäßig installiert Ubuntu Gnome keinerlei Qt-Bibliotheken mehr.

Mit Ubuntu 16.10 Yakkety Yak betreibt Canonical die übliche Produktpflege, die zu einer stabile Distribution führt. Größere Neuerungen oder gar Experimente blieben bis auf Unity 8 aus. Doch selbst den mehrfach verschobenen neuen Desktop gibt es weiterhin nur in einer unbenutzbaren Vorschau, die X11-Alternative Mir zeigt auf vielen Systemen gar nur einen schwarzen Bildschirm. Die Abwärtskompatibilität zu X11 ist auch eher dürftig.

Die Distribution steht in einer Desktop- und Servervariante zum Download(öffnet im neuen Fenster) bereit.


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