Ubuntu 14.10: Zum Geburtstag kaum Neues
Es wirkt fast wie eine stabile Veröffentlichung: Ubuntu 14.10 alias Utopic Unicorn – utopisches Einhorn – hat kaum neue Funktionen. Auf den ersten Blick gibt es lediglich ein neues Wallpaper. Zwar hat Canonical die enthaltenen Pakete aktualisiert, darunter den Linux-Kernel samt aktuellen Treibern. Ansonsten sind die Änderungen eher unscheinbar. Utopic Unicorn könnte daher als weitere Version mit Long Term Support (LTS) durchgehen.
Die aktuellen Pakete stammen wie üblich aus Debians Unstable-Repository. Ubuntu 14.10 hat zusätzlich den Linux-Kernel 3.16 integriert, der im August 2014 erschienen ist . Dieser Kernel soll bald auch im Vorgänger Ubuntu 14.04 LTS verfügbar sein.
Wahlweise Systemd
Aktualisiert wurde außerdem das Sicherheitsframework Apparmor auf Version 2.8.98. Die darin enthaltenen Änderungen sind vor allem für Paket-Maintainer und Entwickler relevant. Canonical hat die in Ubuntu 14.10 integrierten Pakete bereits angepasst, Anwender dürften dies kaum wahrnehmen.
Nachdem die Canonical-Entwickler den Umstieg auf Systemd diskutiert und beschlossen haben , gibt es in Ubuntu 14.10 die Möglichkeit, die Startumgebung zu installieren. Standardmäßig bleibt zunächst aber weiter Canonicals eigenes Upstart erhalten.
Beim Desktop Stillstand
Der Desktop bleibt in dieser Version weiterhin Unity 7. Unity 8, mit dem Canonical seinen Desktop für die Nutzung auf mobilen Geräten anpassen will, lässt sich bisher kaum verwenden. Der Erscheinungstermin wurde immer wieder verschoben: Zunächst sollte eine funktionieren Version bereits im aktuellen Ubuntu 14.10 zum Einsatz kommen, jetzt müssen sich interessierte Nutzer bis Version 16.04 gedulden , bis es zum Standard wird.
Daher kommt in Ubuntu 14.10 weiter Gnome als Unterbau zum Einsatz. Die aktuelle Version 3.14 des Gnome-Desktops wurde jedoch nicht integriert, stattdessen wird eine Mischung aus Gnome 3.10 und Gnome 3.12 verwendet. Während beispielsweise Anwendungen wie der Dateibrowser Nautilus, der Mediaplayer Totem oder der Musikplayer Rhythmbox noch in Version 3.10 vorliegen, sind die Themes oder das E-Mail-Programm in Version 3.12 enthalten.
Oxide beschleunigt Webapps
Mozillas E-Mail-Anwendung Thunderbird ist weiterhin Standard und liegt in Version 31 bei. Der Browser Firefox wurde auf Version 33 aktualisiert. Anders als bei der Windows-Version gibt es keinen internen Updater; neue Versionen werden über die Softwarequellen nachgereicht, meist unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung. Libreoffice wurde auf Version 4.3.2 aktualisiert.
Der Desktop Unity in der Version 7.3.1 soll jetzt auf hochauflösenden Displays noch besser aussehen und auch mit Hybridgrafik besser arbeiten. Die für Web-Apps genutzte Bibliothek Webview Oxide soll deutlich beschleunigt worden sein. Sie basiert auf Googles Chromium und dient als Basis für Webanwendungen auf dem Desktop, etwa für das allgegenwärtige Amazon-Applet. Neue Scopes sind nicht hinzugekommen, und auch in der aktuellen Version suchen sie im Internet, bis der Anwender sie in den Systemeinstellungen unter Privatsphäre explizit deaktiviert.
Kaum mehr als Wallpapers
Damit sind fast schon alle Änderungen benannt. Im Canonical-Universum scheint die Desktop-Version aktuell keine größere Rolle zu spielen, auch wenn Canonical-Gründer Mark Shuttleworth bereits den Namen für die kommende Version Ubuntu 15.04 auserkoren hat: Vivid Vervet. Immerhin gibt es neue Hintergrundbilder für den Desktop aus der Community(öffnet im neuen Fenster) , darunter eines mit dem Logo eines Einhorns(öffnet im neuen Fenster) .
Die Änderungsliste auf der Blueprint-Webseite ist entsprechend kurz(öffnet im neuen Fenster) . Vieles dort beschreibt Anpassungen am Unterbau für Unity 8. Andere sind in die Server-Version eingeflossen, sie enthält beispielsweise die kürzlich veröffentlichte Version Juno von Openstack. Die Verwaltungssoftware Juju wurde ebenfalls aktualisiert, mitsamt der Verwaltungsmodule, der sogenannten Charms. Das Charm für Openstack wurde für Juno angepasst. Für das verteilte Dateisystem Ceph, das ebenfalls eine Aktualisierung erhielt, gibt es in Ubuntu 14.10 eine Vorab-Version von Calamari. Damit lassen sich Ceph-Dateisysteme über eine grafische Oberfläche verwalten.
Neues bei den Derivaten
Bei den Ubuntu-Derivaten hat sich ebenfalls entsprechend wenig getan. Es gibt allerdings das neue Derivat Ubuntu Mate(öffnet im neuen Fenster) , mit dem gleichnamigen Mate-Desktop, das erstmals in diesem Veröffentlichungszyklus veröffentlicht wurde. Der Mate-Desktop leitet sich von dem in Gnome 2 ab und hat beispielsweise ein traditionelles Startmenü. Auf Scopes oder den Unity-eigenen Dash haben die Entwickler verzichtet. Die Themes und Fensterdekorationen sind im Ubuntu-Look gehalten, können aber bei Bedarf schnell geändert werden. Der Unterbau besteht aus weiterentwickelten Gnome-2-Pakten.
Die offizielle Kubuntu-Version(öffnet im neuen Fenster) 14.10 hat die üblichen Updates. Dort ist der Desktop Plasma 4 installiert. Es gibt aber eine Variante mit einer technischen Vorschau von Plasma 5. Die kommende Version des Plasma-Desktops kann auch unter der Standard-Version von Kubuntu 14.10 installiert werden, allerdings wird dann die alte Plasma-Variante komplett ersetzt. Die neue Variante des Desktops aus KDE SC macht einen außerordentlich guten Eindruck. Sie sieht schlichter und aufgeräumter aus als ihr Vorgänger. Schon auf den ersten Blick gibt es nur den Desktop samt Taskleiste, die Icons sind reduzierter gestaltet. Hier und da fehlen noch einige, aber der Desktop ließ sich zumindest in unserem kurzen Test problemlos nutzen.
Arbeiten an der Konvergenz
Tatenlos waren die Entwickler bei Canonical aber nicht: Sie arbeiten intensiv an Unity 8, das im Gegensatz zu Unity 7 nicht mehr auf Gnome beziehungsweise Gtk basiert. Außerdem wird Canonicals eigener Displayserver Mir weiterentwickelt. Beide sollen in etwa anderthalb Jahren, also mit Ubuntu 16.04, zum Standard werden. Es gibt bereits tägliche Vorab-Versionen(öffnet im neuen Fenster) , die zumindest einen Ausblick geben, wie Canonical sich seinen Desktop vorstellt.
Bereits zu Beginn der Entwicklung hat Shuttleworth erklärt, einen Desktop für sämtliche Plattformen zu entwickeln, also ebenso für mobile Geräte und Desktop-Rechner wie auch für Tablets oder Laptops mit Touch-Eingabe, etwa die neuen Geräte mit Intels Haswell-Plattform. Canonical geht damit ähnliche Wege wie Microsoft mit Windows 8 oder auch Apple, das zunehmend Mac OS X und iOS zusammenführt. Canonical nennt diese Entwicklung Konvergenz.
Als Basis dient Ubuntu Touch, das zunächst für Smartphones und Tablets entwickelt wurde. Es gibt bereits eine Entwicklerversion von Ubuntu mit Unity 8 und sogar Mir. Die sind allerdings von einem nutzbaren Status noch weit entfernt: Auf einem Notebook mit Intels Sandybridge ruckelte es stark, und ohne Touch-Eingabe war das System nicht recht zu bedienen. Hier hat Canonical noch viel Arbeit vor sich, kein Wunder also, dass eine finale Version vorsichtshalber erst für April 2016 geplant ist. Auf dem Smartphone läuft Ubuntu Touch hingegen bereits zufriedenstellend. Der chinesische Hersteller Meizu will bis Ende des Jahres ein Mobiltelefon mit Ubuntu auf den Markt bringen.
Fazit
Es scheint, als ob Canonical die Entwicklung der Desktop-Version zwischenzeitlich ruhen lässt, um sich ganz der Entwicklung von Unity 8, Mir und der dazugehörigen Software zu widmen. Das war bereits in den letzten Versionen von Ubuntu ersichtlich, die Änderungen fielen auch dort gering aus. Traditionell hat die erste Version nach der Veröffentlichung einer LTS-Variante viele Neuerungen, diesmal bleiben sie jedoch aus.
Auf den ersten Blick erscheint Ubuntu 14.10 als zwar als wenig aufregend, aber dafür stabil, also fast eine Aktualisierung der LTS-Version 14.04 vom April 2014. Da viele der in Ubuntu 14.10 enthaltenen Pakete früher oder später auch in Ubuntu 14.04 integriert werden, allen voran der Linux-Kernel, gibt es wohl für die meisten Anwender aktuell keinen Grund, die vorherige Variante mit Utopic Unicorn zu ersetzen.
Ubuntu 14.10 steht auf den Webseiten von Canonical zum Download bereit(öffnet im neuen Fenster) .
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