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Tytan Technologies: Mercedes steigt in die Drohnenabwehr ein

Mercedes-Benz hat eine Absichtserklärung mit dem Münchner Start-up Tytan Technologies unterzeichnet. Geplant sind Drohnenabwehrsysteme.
/ Andreas Donath
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Tytan Metis (Bild: Tytan)
Tytan Metis Bild: Tytan

Ein Autobauer auf der Luftfahrtmesse? Mercedes-Benz hat am 10. Juni auf der ILA 2026 in Berlin ein Memorandum of Understanding(öffnet im neuen Fenster) mit dem Münchner Start-up Tytan Technologies(öffnet im neuen Fenster) geschlossen. Es ist der bislang sichtbarste Schritt des Konzerns in den wachsenden europäischen Verteidigungsmarkt. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche war bei der Unterzeichnung anwesend.

G-Klasse und Sprinter als Drohnenjäger

Beide Unternehmen wollen fahrzeugbasierte Plattformen zur Abwehr feindlicher Drohnen und zum Schutz kritischer Infrastruktur prüfen. Als Basis dienen die Militärversion der G-Klasse, die bereits bei der Bundeswehr im Einsatz ist, sowie der Sprinter, der als mobiler Drohnenträger fungieren könnte.

Noch handelt es sich um eine reine Absichtserklärung, nicht um einen verbindlichen Produktionsvertrag. Mögliche Anwendungen und eine spätere industrielle Umsetzung müssen erst bewertet werden. Auch Exportkontroll- und Rüstungsvorschriften bestimmen mit, was am Ende tatsächlich gebaut werden darf. Auf der ILA zeigten die Partner immerhin schon einen Prototyp. Er soll veranschaulichen, wie sich Missionstechnik in mobile Plattformen integrieren lässt.

Warum jetzt? – Drohnensichtungen setzen Europa unter Druck

Hintergrund der Partnerschaft ist die Zunahme ungeklärter Drohnensichtungen in Europa. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 melden Behörden immer wieder verdächtige Fluggeräte über Flughäfen, Militärbasen und anderen Anlagen kritischer Infrastruktur. Mehrere Regierungen machen Russland zumindest für einen Teil dieser Aktivitäten verantwortlich.

Das geplante System soll Berichten zufolge Drone Defender heißen und Sensoren sowie Startvorrichtungen für Tytans Abfangdrohnen tragen. Diese Abfangjäger bringen feindliche Drohnen entweder durch Rammen oder durch die Zündung eines kleinen Gefechtskopfs zum Absturz. Das Ziel: ein System, das erheblich günstiger und schneller lieferbar ist als schwere Lösungen wie Skyranger von Rheinmetall. Dieses kostet angeblich mehr als 10 Millionen Euro pro Fahrzeug und kämpft mit Lieferverzögerungen. Tytan will Berichten zufolge noch bis Jahresende mit der Produktion beginnen und Tausende Einheiten pro Jahr liefern. Ob das gelingt, muss sich erst zeigen.

Autoindustrie entdeckt das Rüstungsgeschäft

Tytan wurde erst 2023 von zwei ehemaligen Studenten der TU München gegründet. Im Oktober beauftragte die Bundeswehr das Start-up mit der Entwicklung eines Prototyps zum Schutz von Liegenschaften, der Auftrag soll knapp 20 Millionen Euro wert sein. Aus dieser Arbeit ist offenbar die Partnerschaft mit Mercedes-Benz entstanden. Das Start-up verhandelt dem Vernehmen nach bereits mit mehreren europäischen Regierungen.

Deutsche Autobauer stehen wegen schrumpfender Gewinne und chinesischer Konkurrenz unter Druck und bieten ihre Produktionsexpertise zunehmend einem Verteidigungssektor mit viel Geldreserven an – der Bund hat bis 2030 mehr als 750 Milliarden Euro für Militärausgaben eingeplant. Konzernchef Ola Källenius hatte zuvor bereits angedeutet, dass Verteidigung als Geschäftsfeld wachsen könnte.


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