Kaputte Lösung für selbstgeschaffene Probleme

Der von Musk beklagte Anstieg des Scrapings, also des automatisierten Sammelns von öffentlich im Web verfügbaren Daten, könnte umgekehrt aber auch die Folge einer früheren Entscheidung sein. Im Januar 2023 begann Twitter damit, den Zugang zu seiner API einzuschränken. Ähnlich wie Reddit, das ebenfalls App-Entwicklern die kostenfreien Zugänge sperrt, begründet auch Musk das mit der Datengier von KI-Unternehmen. "Fast jedes Unternehmen, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt, von Start-ups bis hin zu einigen der größten Unternehmen der Welt, hat riesige Mengen an Daten abgegriffen", so Musk.

Der Blogger Andy Baio vermutet, dass diese Einschränkungen der API zu einem Anstieg des Scrapings führten – etwa zur Nutzung von Twitter-Daten in der akademischen Forschung.

Amateur Hour

Was auch immer der Grund für den Anstieg des Scrapings war, den Effekt seiner Gegenmaßnahme verschlimmerte Twitter wohl selbst. "Es scheint, dass Twitter sich selbst mit DDOS angreift", stellte der Webentwickler Sheldon Chang am Samstag fest. Ein Softwarefehler scheint zwar nicht der Grund für die Limitierung zu sein, die Nutzbarkeit von Twitter aber zusätzlich verschlechtert zu haben. Chang bezeichnet den Zustand von Twitters Betrieb als "amateur hour".

Möglicherweise liegt der Grund dafür eher in Unterbesetzung als Inkompetenz. Musk halbierte Twitters Mitarbeiterzahl und verlor damit viel institutionelles Wissen.

Musk übernahm Twitter im Oktober 2022 für 44 Milliarden US-Dollar, knapp ein halbes Jahr später schätzte er selbst den Wert des Unternehmens auf gerade einmal 20 Milliarden US-Dollar. Der Druck, Kosten zu senken, steht dem Schaffen neuer Einnahmequellen gegenüber.

Werbung für das bezahlte Abonnement?

Ist die "Notfallmaßnahme" also ein weiteres Druckmittel, um Nutzer zur Kasse zu bitten? Zwar sind auch Abonnenten von Twitters bezahltem Abonnement Blue von den Einschränkungen betroffen, erhalten jedoch ein deutlich höheres Limit als normale Nutzer des Dienstes. Zuletzt wurden bereits Features wie die Zwei-Faktor-Authentifizierung per SMS für Abonnenten exklusiv gemacht.

Twitter Blue kostet rund 10 Euro im Monat bzw. 100 Euro im Jahr. Nach Daten von Statista kam Twitter Blue im April 2023 auf eine Zahl von rund 640.000 zahlenden Kunden. Zwar ist ein Anstieg zu erkennen, die Einnahmen sind aber weiterhin weit davon entfernt, eine relevante Einnahmequelle für das Unternehmen zu werden.

Die bleiben weiterhin Werbekunden – von denen Twitter einige verlor. Daran scheint auch eine Drohung von Musk an seine ehemaligen Kunden nichts geändert zu haben. Der New York Times zufolge brachen die Werbeeinnahmen im April 2023 um 59 Prozent ein.

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 Twitter unter Elon Musk: Totalschaden mit AnsageTwitter verliert, die Konkurrenz profitiert 
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/mecki78 07. Jul 2023

gab es noch gar keine SmartPhones im heutigen Sinne. Der Beginn der SmartPhone Ära wird...

der_wahre_hannes 07. Jul 2023

Entschulidge, aber der dumme Ton kam doch von dir. "Ich bin nicht Google". Ja, tut mir...

Sterling-Archer 06. Jul 2023

in erster linie? exposure. twitter ist für gewisse berufszweige und kleingeewerbe schon...

Sterling-Archer 06. Jul 2023

wie man so viel geld verbrennen kann und dann immernoch von irgendwem ernstgenommen wird...



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