Twitter in Deutschland: Beschäftigte wehren sich juristisch gegen Kündigungen

Die Gekündigten bei Twitter in Deutschland sind umgehend in die Gewerkschaft eingetreten und wollen einen Betriebsrat im Unternehmen gründen.

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Ehemalige Twitter-Angestellte in Deutschland wehren sich gegen Kündigungen.
Ehemalige Twitter-Angestellte in Deutschland wehren sich gegen Kündigungen. (Bild: Carlos Barria/Reuters)

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat neue Mitglieder gewonnen - und das hat sie Elon Musk zu verdanken. Als Reaktion auf die Kündigungen bei Twitter sein alle Beschäftigten in die Gewerkschaft eingetreten, die im Unternehmen von den Kündigungen betroffen sind. Das berichtet Verdi in einer aktuellen Mitteilung und zitiert einen Beschäftigten bei Twitter Deutschland, der anonym bleiben möchte. Dieser wird von Verdi Tom genannt, um die Identität der Person zu schützen.

Auch bei Twitter Deutschland seien Betroffene am 4. November 2022 per E-Mail darüber informiert worden, dass ihnen gekündigt werde. Am 16. November 2022 kam die Kündigung auf dem Postweg bei den Betroffenen an, berichtet Verdi. Als Reaktion auf die per E-Mail bekannt gegebene Kündigung sei Tom nach eigenen Angaben bei Verdi eingetreten. Zudem konnte er die "die anderen Gekündigten in Deutschland überzeugen, in Verdi einzutreten".

Die Art und Weise der Kündigung habe Tom dazu bewogen, in die Gewerkschaft einzutreten. Es sei mit niemandem vor der Kündigung geredet worden, man sei einfach entlassen worden. Das habe ihn persönlich getroffen und verärgert und ihm sei klar geworden, dass sich die Betroffenen organisieren müssten.

Kündigungsschutzklagen gegen Twitter laufen

Die Kündigungsschutzklagen führen die betreffenden Personen nun mit Unterstützung der Gewerkschaft. Zudem haben sie vor, bei Twitter - erstmals - einen Betriebsrat zu gründen. Auch wenn die Gekündigten dann selbst nicht mehr im Unternehmen sein sollten, wollen sie es für die Kollegenschaft erreichen. Damit sollen Beschäftigte besser gegen weitere Schnellschüsse von Elon Musk geschützt werden.

Elon Musk übernahm Twitter am 28. Oktober 2022 und entließ innerhalb einer Woche die Hälfte der Belegschaft. 3.738 Mitarbeitern wurden am 4. November 2022 alle Zugänge zu Twitter abgeschaltet und sie erhielten die Kündigung. Zuvor waren 7.500 Menschen bei Twitter beschäftigt.

Bei Twitter in Deutschland arbeiteten rund 30 Beschäftigte, bevor die Kündigungen ausgesprochen wurden. Verdi machte keine Angaben dazu, wie viele Mitarbeiter durch Musk in Deutschland entlassen wurden. Hierbei wurde vor allem Beschäftigte aus der Software-Entwicklung entlassen. "Es ist kaum noch einer da", sagt Tom, der bis zum 4. November 2022 im Softwarebereich bei Twitter tätig gewesen ist.

Twitter-Mitarbeiter hat bisher gerne dort gearbeitet

Die Twitter-Mitarbeiter in Deutschland hätten fast ausschließlich von zu Hause gearbeitet. Tom erklärte, dass er bis zur Übernahme durch Musk gerne für Twitter gearbeitet habe, auch wenn lange Arbeitszeiten und das Arbeiten über verschiedene Zeitzonen hinweg oft das Privatleben schwierig gemacht habe. "Es war mein Lieblingsjob", sagt Tom.

Das sei einer der Gründe, warum Kollegen und er Musk zeigen wollen, dass er sie nicht so einfach loswerde. Auch in den USA laufen Klagen den Twitter-Chef. Mehrere ehemalige Angestellte von Twitter reichten am 4. November 2022 eine Sammelklage gegen das Unternehmen ein. Es geht darum, dass Twitter nicht die Frist einer schriftlichen Ankündigung der Entlassung von 60 Tagen im Voraus eingehalten habe, die in den USA vorgeschrieben ist.

Twitter soll einen Betriebsrat bekommen

Nach Aussagen von Tom sind weltweit nur noch "sehr, sehr wenige" Entwickler für Twitter tätig. Er habe viel mit Kollegen im Ausland zu tun gehabt. Seit den Kündigungen tauschten sich die Teams über Signal- oder Whatsapp-Gruppen aus.

Bei der Gründung des Betriebsrats bei Twitter wird die Belegschaft von Hikmat El-Hammouri unterstützt, der für Verdi bereits bei Tiktok einen Betriebsrat installiert hat. Er ist sich sicher: "Das macht Schule." Die Beschäftigten in Social-Media-Unternehmen und sogenannten Start-ups würden nun sehen, dass gewerkschaftliche Errungenschaften "cool" sein können. Dadurch könnten Chefs wie Elon Musk dann nicht einfach mit ihnen tun und lassen, was sie wollen. Viele Mitarbeiter in den betreffenden Unternehmen hätten bisher geglaubt, so etwas wie Mitbestimmung, Vertrauensleute oder Betriebsräte bräuchten sie nicht, weil es nicht in die neue coole digitale Arbeitswelt passe.

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Potrimpo 24. Nov 2022

Schwer defizitär? https://de.statista.com/statistik/daten/studie/314570/umfrage/ergebnis...

Horcrux7 22. Nov 2022

Twitter ist doch eine recht einfache Software. Wozu soviele Entwickler? Das sollte mit 10...

Oil 21. Nov 2022

Ja das macht solche Diskussionen so unerquicklich. Gerade von Personen wie dir gibt es...

berritorre 21. Nov 2022

Wer füttert denn den Betriebsrat durch? In den meisten Unternehmen sind das ganz normale...



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