Tuxedo Infinitybook angesehen: Unendlich Linux
Notebooks mit 13-Zoll-Display haben sich inzwischen vor allem als mobile Arbeitsgeräte bewährt. Die wohl bekanntesten Vertreter dieser Klasse sind die Macbooks von Apple oder das Dell XPS 13. Das kompakte Format zeichnen schnelle CPUs, SSDs sowie hochauflösende Displays und lange Akkulaufzeiten aus. All diese Kriterien möchte auch der deutsche Vertrieb Tuxedo mit seinem Infinitybook erfüllen, allerdings mit Linux als Betriebssystem und vielen Konfigurationsmöglichkeiten. Wir haben uns angesehen, wie gut das funktioniert.
Typische Ultrabook-Hardware mit breiter Auswahl
Das Infinitybook nutzt eine Dual-Core-CPU mit Hyperthreading-Unterstützung des Typs Intel Core i7-6500U mit einem Standardtakt von 2,5 GHz und 3,1 GHz im Turbo-Modus. Unser Testgerät verfügt zudem über 8 GByte Arbeitsspeicher sowie eine Samsung EVO 850 SSD mit 250 GByte Kapazität sowie eine Intel Wireless 3160 für IEEE 802.11ac/a/b/g/n und Bluetooth 4.0.
Der Grundpreis des Infinitybooks liegt bei 899 Euro. Anders als bei vielen anderen Anbietern kann die Hardware aber relativ frei nach eigenen Bedürfnissen konfiguriert werden(öffnet im neuen Fenster) , ohne dass bestimmte Ausstattungsmerkmale wie RAM und Festspeicher nur in bestimmten Kombinationen verfügbar wären. Die Extras unseres Testgeräts (8 statt 4 GByte RAM und die SSD statt einer 500-GByte-HDD) erhöhen den Preis auf 964 Euro.
Zusätzlich zu einer 2,5-Zoll-Festplatte, die per SATA-III angeschlossen wird, gibt es auch einen Steckplatz für eine M.2-SSD, die mit erworben werben kann. Für die Drahtloskommunikation kann zudem eine Karte vom Typ Intel Wireless 8260 genutzt werden. Eine Wahlmöglichkeit bei der CPU gibt es dagegen leider nicht.
Viele Anschlüsse im Aluminiumgehäuse
Der Rechner verfügt über ein komplett aus Aluminium gefertigtes Gehäuse, einen matten Full-HD-Bildschirm sowie über eine Webcam mit 1 Megapixel. Er ist 1,4 kg schwer, maximal 18 mm dick und macht einen recht hochwertigen Eindruck, auch wenn die Alternativen der großen Hersteller diesen deutlich übertreffen – etwa Dells XPS 13 mit seinem sehr dünnen Rand um das Display.
Hinsichtlich der Anschlüsse verfügt das Infinitybook über USB 3.1 Gen 1 in Type-C-Ausführung, einen USB-3.0- und einen USB-2.0-Port als Typ A, einen HDMI-1.4-Ausgang sowie einen integrierten 9-in-1-Kartenleser für SD- und MMC-Karten. Wie bei vielen Geräten dieser Klasse fehlt ein natives Ethernet.
Das Infinitybook kommt standardmäßig mit Linux
Linux-Notebooks, die lediglich ausgepackt und aufgeklappt werden müssen, gibt es nicht gerade viele. Auf dem Tuxedo Infinitybook befindet sich allerdings von Haus aus ein funktionsfähiges Linux. Beim Bestellen kann zwischen diversen Distributionen und Versionen gewählt werden. Unser Testgerät arbeitet mit Elementary OS "Freya" auf Basis von Ubuntu 14.04.
Nach dem ersten Start empfängt die Nutzer ein Einrichtungsassistent, über den ein Hostname für das Gerät vergeben und ein Benutzerkonto angelegt wird. Mehr muss nicht an der Konfiguration geändert werden, das Infinitybook ist nun voll einsatzbereit.
Auf der beleuchteten Chicklet-Tastatur lässt es sich gut tippen, statt der für einen Linux-Rechner wenig passenden Windows-Taste gibt es eine echte Tux-Taste. Sämtliche über Funktionstasten erreichbaren Bedienungsoptionen funktionieren ohne weitere Anpassungen, wie etwa die Lautstärke- und Helligkeitsregelung, die Tasten zur Kontrolle eines externen Monitors sowie die Umschalter für WLAN, Bluetooth und Touchpad.
Gute Leistung bei zu lautem Lüfter
Für alltägliche Aufgaben genügt der Intel Core i7 in der Praxis vollauf. Von der SSD startet das System in wenigen Sekunden, auch beim Aufruf komplexer Anwendungen wie LibreOffice oder Gimp halten sich die Wartezeiten in Grenzen. Die verbaute Intel-Grafikkarte lässt es allerdings beim Errechnen von 3D-Grafiken etwas gemütlicher angehen.
Im Heaven-Benchmark 4.0 von Unigine erreicht das Infinitybook unter Elementary OS mit Kernel 4.2.0 lediglich 5,8 fps im Mittel und einen Score von 147 Punkten. Mit dem besser auf den Skylake-Chipsatz optimierten Kernel 4.4 aus Ubuntu 16.04 steigt dieser Wert leicht auf 6,2 fps (Score 156). Für die grafischen Spielereien moderner Desktops genügt die Rechenleistung der GPU vollkommen. Zum Spielen ist jedoch ein Gerät mit dedizierter AMD- oder Nvidia-Grafikkarte besser geeignet.
In der Praxis zeichnet sich das Infinitybook durch einen weitgehend lautlosen Betrieb aus, wenn sich auch der Lüfter im Leerlauf nicht vollständig abschaltet. Alltagsarbeiten mit Office-Werkzeugen oder das Surfen im Netz mit Chrome oder Firefox bringen den Lüfter nicht zusätzlich auf Touren.
Unter Last, wie etwa mit dem Heaven-Benchmark, steigt die Lautstärke des Lüfters aber merklich an. Als Arbeitsmaschine zum stundenlangen Kompilieren eignet sich das Infinitybook daher weniger. Sinkt die Belastung wieder ab und fällt damit auch die CPU-Temperatur, steuert der Prozessorlüfter ohne große Verzögerung auf die niedrigste Drehzahl herunter.
Bessere WLAN-Karte ist ihr Geld wert
Die in unserem Gerät verbaute WLAN-Karte Intel Wireless 3160 ist eine durchschnittliche Wahl. Im 2,4-GHz-Band mit einer Fritzbox 7490 als Access-Point betrug die mit Iperf ermittelte Datenrate zu einem via Gigabit-Ethernet angebundenen Server im Schnitt nur etwa 36 MBit/s. Mit 802.11ac im 5-GHz-Band stieg die Übertragungsgeschwindigkeit auf knapp 200 MBit/s.
Zum Vergleich: Die ebenfalls dualbandfähige Intel-Wireless-8260-Karte bringt es unter identischen Konditionen(öffnet im neuen Fenster) auf bis zu 867 MBit/s. Diese WLAN-Karte gibt es zum Infinitybook als aufpreispflichtige Option für knapp 20 Euro – das Aufrüsten lohnt sich also.
Gute Akkulaufzeit und sehr gute Wartung
Während des ersten Akkudurchlaufs mussten Betriebssystem und Hardware einander noch kennenlernen. Das System zeigte ohne externe Stromversorgung durchweg eine Akkukapazität von 100 Prozent an, schaltete sich dann aber abrupt ab – weil der Akku leer war. Nach dem ersten Ladezyklus funktionierte die Ladestandsanzeige aber.
Von einem komplett entleerten Akku bis zu voller Ladung benötigte das Netzteil im laufenden Betrieb etwa fünf Stunden. Die Akkulaufzeit betrug unter Elementary OS (in einem AC-WLAN eingeloggt, Bluetooth aktiviert, Tastaturbeleuchtung auf Maximum, Displayabschaltung deaktiviert, Helligkeit bei 50 Prozent) mit leichter Office-Arbeit etwa sechs Stunden.
Der Hersteller Tuxedo gibt eine Laufzeit von bis zu 15 Stunden an, die ohne Funkverbindungen bei minimaler Helligkeit unter Elementary OS gemessen wurde. Der Akku weist 45 Wattstunden auf und ist wie bei anderen Geräten von Tuxedo austauschbar.
Für Wartung und Erweiterung des Laptops lässt sich der rückseitige Deckel mit zwölf Schrauben leicht lösen. Im Inneren sind direkt der Einschub für das 2,5-Zoll-Speichermedium, der M.2-Slot für einen weiteren Massenspeicher im Scheckkartenformat sowie der RAM-Slot zum Wechsel des Arbeitsspeichers erreichbar.
Linux im Mac-Kleid und Fazit
Das installierte Elementary OS "Freya" basiert im Kern auf Ubuntu 14.04 "Trusty", nutzt jedoch mit Pantheon eine eigene Desktop-Umgebung. Ein Blick in die Datei /etc/apt/sources.list zeigt, dass Elementary den Großteil seiner Software direkt von Ubuntu bezieht, inklusive Bugfixes und Sicherheitsupdates.
Lediglich Pantheon, Elementary-Eigenentwicklungen wie das E-Mail-Programm Geary, der Musikplayer Noise und der Editor Scratch sowie eine Reihe gepatchter Pakete stammen aus von Elementary betriebenen Paketquellen in Form zweier PPAs. Dadurch stehen unter Elementary OS die gleichen Programme zur Verfügung wie unter Ubuntu 14.04.
Das Erscheinungsbild von Elementary OS entlehnt unverhohlen viele Elemente bei Mac OS X, wobei unter der Haube zahlreiche Komponenten aus dem Baukasten der Gnome Shell stammen und oft nur leicht überarbeitet wurden. Die Wingpanel genannte Kopfleiste des Desktops stammt etwa aus der Gnome Shell, sie kann aber die von Ubuntu genutzten Indicator-Applets einbinden. Beim Bildbetrachter handelt es sich um ein erweitertes Eye of Gnome mit einfachen Bildbearbeitungsfunktionen.
Auch bei der Bedienung erinnert vieles an Mac OS X. Spürbar ist das etwa am mittlerweile Mac-typischen "natürlichen Scrollen", bei dem mit einer Zwei-Finger-Geste nach oben respektive unten das Dokument so bewegt wird, wie das auch auf einem Tablet gehandhabt wird. Dieses für einige ungewohnte Verhalten lässt sich in Elementary OS bei Bedarf über Systemeinstellungen | Maus und Touchpad | Natürlicher Bildlauf deaktivieren.
Ebenfalls wie bei der Oberfläche von Mac OS X oder anderen Linux-Desktops wird ein Ein-Klick-Prinzip umgesetzt. Die Navigation im Dateimanager erfolgt also mit einem einfachen Klick von Ordner zu Ordner, ebenso werden Dateien per Einfach-Klick direkt mit den verknüpften Anwendungen geöffnet. Dieses Verhalten lässt sich nicht über einen Einstellungsdialog ändern. Stattdessen muss es über die Kommandozeile mit folgendem Befehl deaktiviert werden werden:
gsettings set org.pantheon.files.preferences single-click false
Fazit
Das Infinitybook von Tuxedo schlägt sich in der Praxis recht gut. Von der SSD bootet das System in wenigen Augenblicken und arbeitet im (mobilen) Büroalltag flink und ohne Einschränkungen. Das Infinitybook glänzt zudem mit solider Verarbeitung sowie vollständigem Linux-Support samt stilechter Tux-Taste.
Vor allem im Vergleich mit anderen Geräten sind die mögliche einfache Wartung des Geräts und die damit ebenfalls verbundenen nachträglichen Aufrüstmöglichkeiten positiv hervorzuheben. Auch ein HDMI-Anschluss findet sich bei höherwertigen Ultrabooks mit Skylake-Plattform nicht mehr besonders häufig. Oft wird dafür einfach auf USB 3.1 Gen 1 in Verbindung mit USB-Typ C gesetzt, über den Displayport-Signale geschickt werden können.
Angenehme Kleinigkeiten wie eine mit geschlossenem Deckel ablesbare Power-LED mit Ladestandsanzeige würden das Gerät jedoch noch weiter abrunden. Auch hat es einen vergleichsweise breiten Displayrand und ist nicht besonders leicht.
Von Elementary OS als Betriebssystem ist eher abzuraten, was vor allem an dem alten Kernel liegt. Zu empfehlen ist ein Kernel ab Version 4.3, da erst dort die Unterstützung für Intels aktuelle Skylake-Reihe fest im Linux-Kern verankert wurde. Das aktuelle Ubuntu 16.04 mit Kernel 4.4 und einer Vielzahl an Backports unterstützt dagegen die Hardware des Infinitybooks ohne weitere Nacharbeiten in vollem Umfang.
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 05/16(öffnet im neuen Fenster) des Magazins Linux User, das seit September 2014 wie Golem.de zum Verlag Computec Media gehört.
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