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Tuxedo: Hardware muss für Linux angepasst werden

Cebit 2015
Probleme mit der Hardwareunterstützung gibt es bei Tuxedo kaum - auch weil der Anbieter seine Hardware so auswählt, dass sie mit Linux läuft. Genauso viel Sorgfalt steckt das Unternehmen in die komplette Unterstützung eines Rechners.
/ Jörg Thoma
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Das Innenleben des Highend-Notebooks von Tuxedo (Bild: Michael Wieczorek/Golem.de)
Das Innenleben des Highend-Notebooks von Tuxedo Bild: Michael Wieczorek/Golem.de

Funktioniert ein Rechner mit aktueller Hardware auch unter Linux? Diese Frage stellt sich bei Tuxedo(öffnet im neuen Fenster) nicht. Das Unternehmen bietet mit Linux vorkonfigurierte Laptops und Rechner an, deren Komponenten allesamt mit dem freien Betriebssystem funktionieren sollen. Denn das Unternehmen prüft nicht nur seine Hardware vorab, sondern konfiguriert sie notfalls auch selbst - und setzt auf Komponenten, deren Linux-Unterstützung sicher ist.

Linux-Notebooks von Tuxedo angesehen (Cebit 2015)
Linux-Notebooks von Tuxedo angesehen (Cebit 2015) (01:12)

Beispielsweise verbaut Tuxedo nur WLAN-Chips von Intel. Denn Intel sorge für eine rechtzeitige Unterstützung seiner Hardware unter Linux, sagte Tuxedo-Chef Herbert Feiler Golem.de auf der Cebit 2015. Für andere Hersteller von WLAN-Modulen wie Realtek oder Broadcom sei die Linux-Unterstützung zunächst zweitrangig. Und eine nachträgliche manuelle Installation von deren Treibern sei Tuxedos Geschäftskunden nicht zuzumuten. Bei Großaufträgen liefere Tuxedo deshalb gleich ein Installationsimage mit, das auf allen Rechnern sofort funktioniere.

Eigene Konfigurationen und Anpassungen

Tuxedo passt die Hardware seiner Geräte also eher an Linux an als umgekehrt, obwohl es selbst einige Änderungen an Treibern oder der Konfiguration vornehmen muss, damit auch wirklich jede Komponente funktioniert. Die von Tuxedo angegebenen Akkulaufzeiten werden beispielsweise erst nach der zusätzlichen Installation von den Laptop-Mode-Tools im Leerlauf bei minimaler Bildschirmhelligkeit gemessen. Er bevorzuge diese Tools, weil sie besser funktionierten als die vergleichbare Werkzeugsammlung TLP, sagte Feiler. Vergleiche zur Akkulaufzeit unter Windows gibt es aber nicht.

Bei Grafikkarten setzt Tuxedo entweder auf die Grafikchips von Intel, die ohnehin in die neuen Plattformen wie Haswell oder Broadwell integriert sind, oder auf Grafikchips von Nvidia samt proprietären Treibern für Geräte, die mehr Grafikleistung und Funktionen mitbringen sollen. Tuxedo bevorzuge die Grafikchips wegen der guten Treiberunterstützung, sagte Feiler. Die Open-Source-Lösung Bumblebee für das Umschalten zwischen integrierten Intel-Chips und den zusätzlich verbauten Nvidia-Grafikkarten funktioniere inzwischen gut. Anfangs habe es noch kleinere Konfigurationsfehler gegeben, etwa wenn Bumblebee den proprietären Treiber nicht habe finden können, weil dessen Installationsort von einer Version zu anderen gewechselt habe.

Eigene Treiber

Es gibt auch den unternehmenseigenen Treiber Tuxedo_Wmi, den wir auf einem der Laptops entdeckten. Den hat Tuxedo laut Feiler programmiert, damit auf den meisten Laptops der Flugzeugmodus richtig unterstützt wird - oder an diesem speziellen Laptop die Hintergrundbeleuchtung der Tastatur. Damit auf einigen Geräten die Beleuchtung der Rollentasten (Scroll Lock) läuft, passt Tuxedo sogar die Datei Xkeyboard an. Jedes Detail an den verkauften Geräten müsse funktionieren, sagte Feiler.

Ausgewählte Hardware

Bei der Auswahl der Kernkomponenten achtet Tuxedo darauf, dass sie ohne große Änderungen laufen und setzt dabei auf Standardhardware. Tuxedo arbeitet mit einem chinesischen Hersteller zusammen, der vorab Geräte nach Deutschland zum Testen schickt.

Müsse die Konfiguration nachgebessert werden, zeige sich der Hersteller meist kooperativ, sagte Tuxedo-Chef Herbert Feiler. Nur wenn die Auftragslage eines anderen Kunden größer sei als die von Tuxedo, müsse sein Unternehmen zurückstehen.

Fast frei konfigurierbar

Während die Kernkomponenten für Tuxedos Geräte aus China stammen, kauft Tuxedo Hardware auch selbst ein, etwa für Hardware-Erweiterungen, die es seinen Kunden anbietet, etwa eine größere SSD oder mehr Arbeitsspeicher. Bei Bedarf geht Tuxedo auch auf Kundenwünsche ein, etwa bei der Auslieferung spezieller Konfigurationen - aber immer unter der Prämisse, dass alles unter Linux funktioniert.

Seit zwei Jahren seien die Aufträge im Vergleich zu den Jahren seit der Gründung 2004 exponentiell angestiegen. Inzwischen seien es fast zur Hälfte Geschäftskunden. Die Auftragslage wachse vor allem, wenn alte Windows-Versionen ausgemustert würden, wie zuletzt bei Windows XP, aber auch mit jeder neuen Windows-Version, sagte Feiler.

Offene Datenbank soll Community helfen

Während die Entwickler bei Tuxedo auch mal Treiber selbst anpassen, sind sie bei der Integration eines brandneuen Kernels eher zurückhaltend. Die Unterstützung aktueller Linux-Distributionen mit Long Term Support (LTS) sei wichtig, und auch sie stattet Tuxedo selten mit einem aktuellen Kernel aus. Zuletzt passierte das mit Ubuntu 12.04 LTS, kurz bevor die nächste LTS-Version 14.04 erschien und der Kernel in Ubuntu 12.04 einfach nicht mehr genügend aktuelle Hardware unterstützte. Neben Ubuntu bietet Tuxedo auch Linux Mint oder Opensuse als Linux-Distribution an.

Anpassungen werden per Skript aufgespielt, eigene Treiber und zusätzliche Software stellt Tuxedo in einem eigenen Repository bereit. Ein Skript sei für Kunden transparenter und für Tuxedo leichter zu warten als ein komplettes Image. In einer frei zugänglichen Support-Datenbank mit Forum(öffnet im neuen Fenster) sammelt Tuxedo zudem sämtliche Änderungen, die es vornehmen musste. Einerseits sollen Kunden auch selbst Linux-Distributionen anpassen können, falls sie eine andere bevorzugen als die angebotenen. Andererseits soll die Datenbank der Community helfen, dass auch ihre Hardware korrekt unter Linux läuft.


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