Tutorial: Wie elektrifiziere ich eine Tiefgarage?

Am 1. Dezember 2020 tritt ein Rechtsanspruch auf eine Ladestelle in privaten Tiefgaragen in Kraft. Wie gehen Elektroautofahrer am besten vor?

Eine Anleitung von veröffentlicht am
Das Laden von Elektroautos in Tiefgaragen nimmt eine große rechtliche Hürde.
Das Laden von Elektroautos in Tiefgaragen nimmt eine große rechtliche Hürde. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Auf diese Gesetzesänderung haben Besitzer von Elektroautos lange warten müssen. Vom 1. Dezember 2020 an erhalten Wohnungseigentümer oder Mieter einen Anspruch darauf, eine Lademöglichkeit in einer privat genutzten Garage oder auf einem Parkplatz zu installieren.

Dem Gesetz zufolge kann künftig jeder Wohnungseigentümer "angemessene bauliche Veränderungen verlangen, die [...] dem Laden elektrisch betriebener Fahrzeuge [...] dienen". Über die Durchführung des Einbaus ist "im Rahmen ordnungsmäßiger Verwaltung zu beschließen". Auch Mieter können künftig vom Vermieter bauliche Veränderungen der Mietsache verlangen, die dem Laden von Elektroautos dienen.

Doch vom Anspruch bis zum tatsächlichen Einbau ist es ein weiter Weg, auf dem viele Fragen geklärt werden müssen.

Bereits im April 2017 haben wir ausführlich analysiert, wie bei der Elektrifizierung einer Tiefgarage am sinnvollsten vorgegangen werden sollte. Seitdem haben sich nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen verbessert. In den vergangenen dreieinhalb Jahren sind auch zahlreiche Anbieter auf den Markt gekommen, die verschiedene Arten von Lastmanagement und Steuerungslösungen entwickelt haben. Rein technisch ist es daher einfacher geworden, eine zukunftsfähige Installation zu finden und einbauen zu lassen. Doch es stellt sich die Frage, welche Lösung in welchem Fall die beste ist und worin die Unterschiede bestehen. Auch Förderungen sind möglich.

Lademöglichkeit darf nur mit Einwilligung eingebaut werden

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Der rechtliche Anspruch auf die "angemessenen baulichen Veränderungen" bedeutet nicht, dass Wohnungseigentümer oder gar Mieter mit Inkrafttreten des Gesetzes nun gleich einen Installateur beauftragen können, um eine Wallbox zu installieren. Denn diese Veränderungen müssen zunächst "beschlossen oder einem Wohnungseigentümer durch Beschluss gestattet werden". Allerdings heißt es in der Begründung des Gesetzes: "Die Eigentümerversammlung darf die Baumaßnahmen in der Regel nicht verwehren. Sie darf aber auf die Art der Durchführung der Maßnahme Einfluss nehmen und zum Beispiel beschließen, dass die Gemeinschaft die Baumaßnahme organisiert, damit diese den Überblick über den baulichen Zustand der Wohnanlage behält. Die Kosten der Maßnahme soll der begünstigte Wohnungseigentümer tragen."

Diese Formulierung bedeutet: Die Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) darf den bauwilligen Eigentümern bestimmte Vorgaben machen, die von diesen dann selbst bezahlt werden müssen.

Umsetzung als IG Elektromobilität

Rein rechtlich könnten sich diese Eigentümer beispielsweise zu einer Interessengemeinschaft (IG) Elektromobilität zusammenschließen, die dann von der WEG die Erlaubnis zum Aufbau und Betrieb der Ladeinfrastruktur erhält. Alle Nutzer müssen dann Mitglied der IG werden und sich an den Kosten beteiligen.

  • Der typische Aufbau einer Tiefgarageninstallation mit Lastmanagement (Grafik: Yourcharge)
  • Ein Lastmanagement lässt sich auch mit einfachen Wallboxen realisieren, wie das Konzept von EAutolader zeigt. (Grafik: EAutolader)
  • Bei der Elektrifizierung einer Tiefgarage können neutrale Dienstleister zwischen den verschiedenen Interessen vermitteln. (Grafik: Frequentum)
  • Elekroautopioniere können sich beispielsweise in einer Interessengemeinschaft (IG) organisieren. (Grafik: Frequentum)
  • Typische Komponenten einer Unterverteilung mit dynamischem Lastmanagement. (Foto: Stadtwerke München)
  • Für Multiparker gibt es ebenfalls Ladelösungen. (Foto: Stadtwerke München)
Elekroautopioniere können sich beispielsweise in einer Interessengemeinschaft (IG) organisieren. (Grafik: Frequentum)

Möglich sind auch Lösungen, bei denen beispielsweise die Grundinstallation inklusive Unterverteilungen und Lastmanagement von der gesamten WEG getragen wird, während die konkreten Nutzer zusätzlich die Kosten für den Anschluss von der Verteilung zu ihrem Stellplatz sowie für die Wallbox übernehmen. Die Reform ermöglicht in Paragraf 21 des Wohnungseigentumsgesetzes einen solchen Beschluss mit doppelt qualifizierter Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen und der Hälfte aller Miteigentumsanteile. Dann hätten alle Eigentümer einen Anspruch auf die Nutzung der Grundinstallation, müssten aber selbst dann dafür bezahlen, wenn sie dagegen gestimmt haben.

Diese Regelung kann der Gesetzesbegründung zufolge (PDF) dazu führen, "dass die individuelle Kostentragungspflicht erst nach der Beschlussfassung feststeht, wenn nämlich im Vorfeld nicht abgeschätzt werden kann, ob das Quorum erreicht wird". Das Problem kann laut Bundestag jedoch "durch eine geeignete Gestaltung des Abstimmungsverfahrens gelöst werden". Eine solche Baumaßnahme darf aber nicht mit "unverhältnismäßigen Kosten" verbunden sein. Dabei sind die Kosten "in das Verhältnis zu den Vorteilen zu setzen, die die bauliche Veränderung verspricht".

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Weiteres Modell: Vorleistung

Ein weiteres Modell, das weiter unten mit konkreten Zahlen beschrieben wird, könnte darin bestehen, dass die WEG mit der Grundinstallation finanziell in Vorleistung tritt und die tatsächlichen Nutzer dann in den Folgejahren die Kosten durch eine monatliche oder jährliche Gebühr zurückzahlen. Je mehr Nutzer eine Wallbox installieren, desto günstiger werden dann die Raten.

Ein solches Vorgehen erscheint auch deswegen sinnvoll, weil es am Anfang vermutlich nur wenige Eigentümer gibt, die auf die Elektromobilität umsteigen wollen. Diese müssten dann die vollen Kosten der Grundinstallation übernehmen. An der Grundinstallation sollte jedoch nicht gespart werden, um hohe Folgekosten zu vermeiden, wenn nach und nach mehr Eigentümer ihre Autos in der heimischen Garage aufladen wollen. Andererseits sollte die Grundinstallation auch nicht zu teuer sein, um die erforderliche Mehrheit der Eigentümer für eine Finanzierung erreichen zu können oder die Elektroautopioniere nicht finanziell zu überfordern.

Ein erster Schritt könnte für eine WEG auch darin bestehen, einen Installateur oder Berater mit einem Gutachten zu beauftragen, um anhand der konkreten Situation die beste Infrastruktur und Kostenvoranschläge zu ermitteln.

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Anforderungen an die Grundinstallation privater Ladestellen 
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Eheran 03. Dez 2020

Warum sollte eine Wallbox brennen? Aufgrund der extremen Verbreitung sowie oft billigst...

Fernando-05 02. Dez 2020

Ein E-Auto benoetigt keine Tausend Fabriken wie ein Diesel für die ganzen...

Oktavian 01. Dez 2020

Ich habe da immer die Empfindung, WEG kombiniert auf elegante Weise die Nachteile eines...

mj 01. Dez 2020

Ich würd wegen der Beschleunigung gern einen fahren. Hab überlegt nächstes Jahr hybrid...

Eheran 30. Nov 2020

Weniger Ladeleistung = weniger Strom = weniger Verluste.



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