Turtle-Entertainment-Übernahme: MTG Media investiert 78 Millionen Euro in E-Sport

Der schwedische Medienkonzern MTG Media erwirbt Mehrheitsanteile am Kölner Unternehmen Turtle Entertainment, einem der größten Veranstalter in der millionenschweren E-Sport-Szene. Dazu gehört unter anderem ESL, die weltweit größte E-Sport-Marke.

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Johan "n0tail" Sundstein bei der ESL One in der Frankfurter Commerzbank-Arena
Johan "n0tail" Sundstein bei der ESL One in der Frankfurter Commerzbank-Arena (Bild: Helena Kristiansson/ESL)

Wie bereits im Vorfeld vermutet, investiert der schwedische Medienkonzern Modern Times Group Media (kurz MTG Media) in den stark wachsenden E-Sport-Markt und erwirbt 74 Prozent der Anteile des Kölner Unternehmens Turtle Entertainment für 78 Millionen Euro. Das mit Abstand erfolgreichste Produkt von Turtle Entertainment ist die ESL. Unter ihrem Namen werden zahlreiche Ligen und Turniere veranstaltet, die mehr als eine Million Zuschauer gleichzeitig erreichen.

MTG Media betreibt in Skandinavien und Osteuropa eine Vielzahl an Free- und Pay-TV-Sendern, darunter auch Kanäle, die sich auf verschiedene Sportarten wie Eishockey oder Golf spezialisieren. Die Investition des Medienkonzerns ist Teil der Digitalisierungsstrategie und soll bisherige lineare und Video-on-Demand-Inhalte ergänzen. Sie ist allerdings nicht die erste Investition im E-Sport-Markt des Unternehmens: Die auf E-Sport spezialisierte Video- und Live-Stream-Plattform Viagame gehört ebenfalls zu MTG Media - denkbar wäre, dass ESL-Events zukünftig auch dort übertragen werden. Die Plattform würde das Angebot an Livestreams allerdings nur ergänzen, erklärt Ralf Reichert, Gründer und Geschäftsführer von Turtle Entertainment, Golem.de. Twitch solle weiterhin ein wichtiger Partner sein.

Der E-Sport-Markt gehört zu den am schnellsten wachsenden im Online-Entertainment. Laut einer Marktanalyse des Marktforschungsinstituts Newzoo sollen die Einnahmen im E-Sport in diesem Jahr auf 250 Millionen US-Dollar steigen, bis 2017 sollen sie sich auf 465 Millionen US-Dollar fast verdoppeln. Turtle Entertainment selbst soll in diesem Jahr seinen Gewinn um 50 Prozent steigern. Dabei verdient das E-Sport-Unternehmen mit Eintrittsgeldern, Übertragungsrechten von Turnieren und vor allem Sponsorings, die laut einem Marktbericht von Superdata Research rund 80 Prozent der Einnahmen ausmachen.

Die Übernahme dürfte Turtle weitere Expansionen erleichtern. Übertragungen im klassischen Fernsehen sind denkbar - in den skandinavischen Ländern gar nicht so unüblich. Außerdem soll die Übernahme nach Informationen von Golem.de dem Mitarbeiterstamm am Hauptsitz in Köln mehr Sicherheit bieten - die im wechselhaften Geschäft mit E-Sport selten gegeben ist. Die bisherige Geschäftsführung, bestehend aus Ralf Reicher und Heinrich Zetlmayer, sowie der ursprüngliche Gründer Jens Hilgers und der Erfinder der ESL-Play-Plattform, Jan-Philipp Reining, sollen Mitglieder des ESL-Management-Teams bleiben.

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