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Türkei: Bohrlochgestützte Erdbebenmessstation in Betrieb genommen

In der Nähe von Istanbul ist ein Mega-Erdbeben längst überfällig. Eine hochmoderne Messstation wurde nun in einem Bohrloch in Betrieb genommen.
/ Patrick Klapetz
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Symbolbild für ein Erdbeben (Bild: Pixabay)
Symbolbild für ein Erdbeben Bild: Pixabay

Ein Forschungsteam will die Bewegungen der Eurasischen und der Anatolischen Kontinentalplatten unterhalb des Marmarameeres mit modernster Messtechnik und bisher nicht erreichter Genauigkeit überwachen. Dafür wurde eine Multiparamenter-Bohrloch-Messstation auf der Halbinsel Kapıdağ in Betrieb genommen(öffnet im neuen Fenster) .

Eine solche Multiparamenter-Bohrloch-Messstation registriert sämtliche Deformationsprozesse über langsames Kriechen von Erdplatten bis hin zu klassischen Erdbeben sowie Porenfluiddruckdaten(öffnet im neuen Fenster) .  

Erdbebenforschung: türkisch-deutsche Zusammenarbeit

Gemeinsam mit dem türkischen Katastrophenschutz Afad betreibt das Deutsche Geoforschungszentrum GFZ seit vielen Jahren das bohrlochgestützte Observatorium Gonaf (Geophysical Observatory at the North Anatolian Fault) in der Istanbul-Marmararegion. Seit geraumer Zeit ist ein Megabeben der Magnitude 7 und größer in dieser Region zu erwarten.

Für die Türkei könnte ein solches Beben nicht nur für die Menschen enorme Folgen mit sich bringen. Auch wirtschaftlich könnte es eine Katastrophe verursachen, denn die Unternehmen und Arbeitsplätze in und um Istanbul machen etwa 40 Prozent der türkischen Wirtschaftskraft aus.

Megabeben längst überfällig: die Ruhe vor der Erschütterung?

Seit 2015 wurden am bestehenden Gonaf-Observatorium entlang der eurasisch-anatolischen Plattengrenze Erdbebenlücken registriert. Von einer Lücke sprechen Seismologen, wenn ein Bereich einer aktiven Plattengrenze oder geologischen Störung beim Aufbau von tektonischen Spannungen über Jahrzehnte ruhig bleibt. Je länger dieser Prozess dauert, desto mehr Energie wird aufgestaut, die sich dann auf einen Schlag entladen kann.

Im Fall der nordanatolischen Störung gibt es so eine Lücke unterhalb des Marmarameeres. Im östlichen Teil dieser Region unmittelbar südlich von Istanbul sind die Kontinentalplatten komplett verhakt. Dem gegenüber gleiten beide Erdplatten weiter westlich fast ungehindert aneinander vorbei.

Ständige Überwachung des Bodens unter der Türkei

Das Gonaf-Observatorium konzentrierte sich bisher mit insgesamt sieben Standorten auf die östliche Marmararegion. Die seismische Lücke, entlang derer sich das nächste Starkbeben mit hoher Wahrscheinlichkeit ereignen wird, erstreckt sich allerdings über das gesamte Marmarameer von Ost nach West zwischen den Epizentren der letzten beiden Megabeben der Region, dem Ganos-Erdbeben 1912 und dem Izmit-Erdbeben 1999. Istanbul liegt genau dazwischen.

In dem neuen, 120 Meter tiefen Bohrloch wurden diverse Messinstrumente installiert: Geophone, die neusten Breitband-Seismometer-Sensoren mit einer Bandbreite von 200 Hz bis 150 Hz Signalfrequenz, hochsensible Deformationsmessgeräte und Dilatometer zur Erfassung von Dehnungsprozessen.


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