Abo
  • Services:

Trusted Computing: Experten des Bundes warnen vor TPM 2.0 mit Windows 8

Windows 8 ist ein inakzeptables Sicherheitsrisiko für Behörden und Firmen, warnen Experten der Regierung nach Dokumenten, die Zeit Online vorliegen. Das sogenannte Trusted Computing sei eine Hintertür für die NSA. Das BSI dementiert.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Beuth/Zeit Online
Windows 8 darf in deutschen Behörden nicht eingesetzt werden, sagen IT-Experten.
Windows 8 darf in deutschen Behörden nicht eingesetzt werden, sagen IT-Experten. (Bild: Lucas Jackson/Reuters)

Wie vertrauenswürdig ist Microsoft? Für die Bundesverwaltung und alle deutschen Behörden, Unternehmen und Privatanwender, die auch in Zukunft mit dem Betriebssystem Windows arbeiten wollen, stellt sich diese Frage heute mehr denn je. Denn früher oder später müssten sie Windows 8 oder dessen Nachfolger verwenden. Aus Dokumenten, die Zeit Online vorliegen, geht aber hervor, dass die IT-Experten des Bundes Windows 8 für geradezu gefährlich halten. Das Betriebssystem enthält ihrer Ansicht nach eine Hintertür, die nicht verschlossen werden kann. Diese Hintertür heißt Trusted Computing und könnte zur Folge haben, dass Microsoft jeden Computer aus der Ferne steuern und kontrollieren kann. Und damit auch die NSA.

Inhalt:
  1. Trusted Computing: Experten des Bundes warnen vor TPM 2.0 mit Windows 8
  2. Die NSA unterstützt den neuen Standard
  3. Das BSI dementiert

Trusted Computing ist alles andere als ein neues Phänomen. Seit rund zehn Jahren ist die Technik auf dem Markt. Vereinfacht gesagt, geht es dabei um den Versuch, den Rechner vor Manipulationen durch Dritte zu schützen, zum Beispiel vor Viren und Trojanern. Der Benutzer soll sich dabei um nichts mehr kümmern müssen. Um das zu erreichen, braucht es erstens einen speziellen Chip, der Trusted Platform Module (TPM) genannt wird, und zweitens ein darauf abgestimmtes Betriebssystem. Zusammen regeln sie unter anderem, welche Software der Nutzer auf einem Computer installieren darf und welche nicht. Wie das genau funktioniert und welche Funktionen sonst noch zum Trusted Computing gehören, wird zum Beispiel hier und hier erklärt.

Die Art und Weise, wie der Chip und das Betriebssystem zusammenarbeiten, ist standardisiert. Die entsprechende Spezifikation wird von der Trusted Computing Group (TCG) festgelegt. Die TCG wurde vor zehn Jahren von Microsoft, Intel, Cisco, AMD, Hewlett-Packard und Wave Systems gegründet - allesamt US-Unternehmen.

Die bisherige TPM-Spezifikation wird demnächst durch eine neue ersetzt, sie heißt kurz TPM 2.0. Was in Smartphones, Tablets und Spielekonsolen längst üblich ist, wird durch die Kombination von TPM 2.0 und Windows 8 auch auf PCs und Notebooks zum Normalfall: Hardware und Betriebssystem sind aufeinander abgestimmt, und der Hersteller des Betriebssystems legt fest, welche Anwendungen auf einem Gerät installiert werden können und welche nicht. Anders gesagt: Trusted Computing ist ein Weg, ein Digital Rights Management (DRM) durchzusetzen.

Stellenmarkt
  1. I. G. Bauerhin GmbH, Gründau
  2. Schwarz Zentrale Dienste KG, Heilbronn

Microsoft könnte damit theoretisch bestimmen, dass kein Textverarbeitungsprogramm außer Microsoft Word unter Windows 8 funktioniert. Das kann wettbewerbsrechtlich problematisch sein. Es hat aber auch sicherheitsrelevante Folgen, eben weil der Nutzer keinen Einfluss auf das hat, was Microsoft erlaubt und was nicht. Drei Punkte sind dafür entscheidend: Erstens ist das TPM im Gegensatz zum bisherigen Standard künftig schon beim ersten Einschalten des Computers aktiviert. Wer den Computer in Betrieb nimmt, kann also nicht mehr selbst entscheiden, ob er die Trusted-Computing-Funktionen nutzen will (Opt-in). Zweitens ist künftig kein nachträgliches, vollständiges Deaktivieren des TPM mehr möglich (Opt-out). Drittens übernimmt das Betriebssystem die Oberhoheit über das TPM, im Fall eines Windows-Rechners also letztlich Microsoft.

Spätestens im Jahr 2015 wird praktisch jeder handelsübliche Computer mit Windows 8.x nach dem Standard TPM 2.0 funktionieren. Was Microsoft durch Aktualisierungen dann aus der Ferne mit dem System und damit dem ganzen Computer macht, ist für den Nutzer nicht vollständig zu überblicken.

Zusammengefasst verlieren die Nutzer eines Trusted-Computing-Systems die Kontrolle über ihren Computer. Das gehört zwar ein Stück weit zur Grundidee von Trusted Computing, wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hier sehr ausführlich erklärt. Das BIS empfiehlt Behörden, Unternehmen und Privatanwendern den Einsatz dieser Technik auch, sofern sie bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Zu diesen Voraussetzungen aber gehören die Optionen des Opt-in und des Opt-out - und die fallen künftig weg.

"Vertraulichkeit und Integrität nicht gewährleistet"

Stattdessen könnte Microsoft festlegen, welche Programme noch auf dem Computer installiert werden können, bereits eingerichtete Programme nachträglich unbrauchbar machen und Geheimdiensten helfen, fremde Computer zu kontrollieren. Die zuständigen Fachleute im Bundeswirtschaftsministerium, in der Bundesverwaltung und beim BSI warnen denn auch unmissverständlich vor dem Einsatz von Trusted Computing der neuen Generation in deutschen Behörden.

So heißt es in einem Papier aus dem Wirtschaftsministerium von Anfang 2012: "Durch den Verlust der vollen Oberhoheit über Informationstechnik" seien "die Sicherheitsziele 'Vertraulichkeit' und 'Integrität' nicht mehr gewährleistet". An anderer Stelle stehen Sätze wie: "Erhebliche Auswirkungen auf die IT-Sicherheit der Bundesverwaltung können damit einhergehen." Die Schlussfolgerung lautet dementsprechend: "Der Einsatz der 'Trusted-Computing'-Technik in dieser Ausprägung … ist für die Bundesverwaltung und für die Betreiber von kritischen Infrastrukturen nicht zu akzeptieren."

Die NSA unterstützt den neuen Standard 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. (Zugang für die ganze Familie!)
  2. 14,99€
  3. 519€
  4. (heute u. a. Dual DT 210 Plattenspieler 77,00€ statt 111,99€)

Rulf 28. Aug 2013

ausgestattet sein müssen heißt schon so gut wie eingeschaltet sein müssen...man streitet...

baltasaronmeth 26. Aug 2013

Mir dauert das zu lange, also möchte ich an dieser Stelle die Diskussion auf Apparmor...

baltasaronmeth 26. Aug 2013

Du sagst nicht genug um etwas falsches zu sagen. Dein Denkansatz ist aber nicht verkehrt...

baltasaronmeth 26. Aug 2013

Nur HTTP und FTP? Das ist wie in Urlaub Fahren und sich sicher fühlen, denn es steht ja...

KimDotMega 26. Aug 2013

Und in deinem Windowstaskmanager siehst du dann alle geladen Treiber und DLLs die geladen...


Folgen Sie uns
       


Sky Ticket TV-Stick im Test

Wir haben den Sky Ticket TV Stick getestet. Der Streamingstick mit Fernbedienung bringt Sky Ticket auf den Fernseher, wenn dieser den Streamingdienst des Pay-TV-Anbieters nicht unterstützt. Auf dem Stick läuft das aktuelle Sky Ticket, das im Vergleich zur Vorgängerversion erheblich verbessert wurde. Den Sky Ticket TV gibt es quasi kostenlos, weil dieser nur zusammen mit passenden Sky-Ticket-Abos im Wert von 30 Euro angeboten wird.

Sky Ticket TV-Stick im Test Video aufrufen
Pixel 3 und Pixel 3 XL im Hands on: Googles Smartphones mit verbesserten Kamerafunktionen
Pixel 3 und Pixel 3 XL im Hands on
Googles Smartphones mit verbesserten Kamerafunktionen

Google hat das Pixel 3 und das Pixel 3 XL vorgestellt. Bei beiden neuen Smartphones legt das Unternehmen besonders hohen Wert auf die Kamerafunktionen. Mit viel Software-Raffinessen sollen gute Bilder auch unter widrigen Umständen entstehen. Die ersten Eindrücke sind vielversprechend.
Ein Hands on von Ingo Pakalski

  1. BQ Aquaris X2 Pro im Hands on Ein gelungenes Gesamtpaket mit Highend-Funktionen

Neuer Echo Dot im Test: Amazon kann doch gute Mini-Lautsprecher bauen
Neuer Echo Dot im Test
Amazon kann doch gute Mini-Lautsprecher bauen

Echo Dot steht bisher für muffigen, schlechten Klang. Mit dem neuen Modell zeigt Amazon, dass es doch gute smarte Mini-Lautsprecher mit dem Alexa-Sprachassistenten bauen kann, die sogar gegen die Konkurrenz von Google ankommen.
Ein Test von Ingo Pakalski


    Shine 3: Neuer Tolino-Reader bringt mehr Lesekomfort
    Shine 3
    Neuer Tolino-Reader bringt mehr Lesekomfort

    Die Tolino-Allianz bringt das Nachfolgemodell des Shine 2 HD auf den Markt. Das Shine 3 erhält mehr Ausstattungsdetails aus der E-Book-Reader-Oberklasse. Vor allem beim Lesen macht sich das positiv bemerkbar.
    Ein Hands on von Ingo Pakalski

    1. E-Book-Reader Update macht Tolino-Geräte unbrauchbar

      •  /