Trunkenheit: Polizeigewerkschaft beklagt "Anarchie" von E-Scooter-Fahrern

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat vor dem Start des Verkehrsgerichtstags das Verhalten von E-Scooter-Fahrern im Straßenverkehr scharf kritisiert. "Mit dem Aufsteigen auf den E-Scooter blenden viele Verkehrsteilnehmende grundlegendste Regeln des sicheren Miteinanders im öffentlichen Verkehrsraum aus. Ampeln, Verkehrszeichen, Fahrtrichtungen: All dies scheint keine Rolle mehr zu spielen" , sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Mertens, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Fahrer von E-Scootern trügen "Wesenszüge der Anarchie in den Straßenverkehr" , hieß es zur Konferenz für Straßenverkehrsrecht in Goslar(öffnet im neuen Fenster) .
"Aus Zahlen der Unfallstatistik wird deutlich, dass Unfälle häufig durch die Nutzenden selbst verursacht werden. Alkoholkonsum und zum Beispiel das Fahren auf Gehwegen spielen dabei eine übergeordnete Rolle" , sagte Mertens. "Der einfach zu bedienende und überall verfügbare Scooter suggeriert eine Scheinlösung für einen schnellen Transport unter Alkoholeinfluss." Mertens beklagte zudem mangelnde Ressourcen bei der Verkehrsüberwachung.
E-Scooter spielen im Unfallgeschehen eine eher geringe Rolle
Offizielle Unfallzahlen(öffnet im neuen Fenster) für das Vorjahr teilte das Statistische Bundesamt im Juli 2022 mit.
Im Jahr 2021 wurden demzufolge insgesamt 325.691 Menschen im Straßenverkehr verletzt oder getötet, rund die Hälfte waren Pkw-Insassen, jeder Vierte war mit einem Fahrrad/E-Bike unterwegs, jede 14. Person mit einem Kraftrad mit amtlichen Kennzeichen wie dem Motorrad.
E-Scooter spielten dagegen laut den Angaben im Unfallgeschehen eine verhältnismäßig geringe Rolle. Weniger als jeder Sechzigste, der im Straßenverkehr getötet oder verletzt wurde, verunglückte mit einem E-Scooter. Natürlich ist die Anzahl der PKWs auch viel höher als die der E-Scooter. Laut Statistischem Bundesamt erreichte die Anzahl der in der Bundesrepublik gemeldeten Pkw am 1. Januar des Jahres 2022 mit rund 48,54 Millionen Fahrzeugen den höchsten Wert aller Zeiten. Rund zehn Millionen Menschen in Deutschland nutzten im Jahr 2022 E-Scooter-Sharing.
Im Jahr 2021 wurden 4.882 Menschen, die mit dem E-Scooter unterwegs waren, verletzt und fünf starben. Dabei seien E-Scooter-Unfälle ein Großstadtphänomen und Alkohol häufig eine Ursache, erklärte das Bundesamt.