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Trumpf: Vom Maschinenbauer zum besten IT-Arbeitgeber

Warum geht es IT-Profis in einem Maschinenbaukonzern so gut? CIO Thomas Speck gibt einen Einblick in die umfangreiche Arbeit bei Trumpf.
/ Oliver Nickel
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Lasertechnik ist ein Kerngeschäft bei Trumpf. Die IT ist dafür essenziell. (Bild: Trumpf)
Lasertechnik ist ein Kerngeschäft bei Trumpf. Die IT ist dafür essenziell. Bild: Trumpf

Im Jahr 1923 hätten sich Christian Trumpf und Partner sicher nicht vorstellen können, wo die Reise für die heute fast 15.000 Mitarbeiter zählende Trumpf-Gruppe(öffnet im neuen Fenster) hingeht. Das Unternehmen hat sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf Nibbelmaschinen zur Blechbearbeitung spezialisiert. Heute ist die Marke Trumpf für Werkzeugmaschinen und Lasertechnik bekannt und macht damit einen großen Teil des Umsatzes von zuletzt mehr als 3,5 Milliarden Euro.

Dabei sind es mittlerweile nicht mehr primär Ingenieure, die im Konzern gebraucht werden. Trumpf verfolgt seit einigen Jahren eine eigene IT-Strategie, von der Smart-Factory bis hin zu internen Projekten wie dezentralisierten Cloud-Plattformen. 350 IT-Profis, davon 250 am Stammsitz in Ditzingen, arbeiten für die Gruppe.

Offenbar behandelt das Unternehmen seine IT-Abteilungen gut. Nicht umsonst wurde die Gruppe mit Sitz im baden-württembergischen Ditzingen zum besten IT-Arbeitgeber 2021 gewählt – mit einem Gesamtscore von 8,63 aus 10 Punkten . Das Ergebnis stammt aus einer Umfrage von Golem.de in Kooperation mit Statista . Mehr als 9.000 IT-Experten haben dabei abgestimmt.

"Wir verkaufen seit Langem nicht mehr nur Maschinen, sondern auch Softwarelösungen, um diese Maschinen effizient zu betreiben und in der Praxis die komplette Produktion zu digitalisieren" , sagt Thomas Speck, Chief Information Officer (CIO) bei Trumpf, im Interview mit Golem.de. Für solche zusätzlichen Softwareprodukte und deren Betreuung ist die IT im Unternehmen unter anderem verantwortlich.

"Data Scientists im Unternehmen, die nicht direkt in der IT sitzen, können ihre Lösungen auf den von uns bereitgestellten Plattformen entwickeln" , sagt Speck. "Das ist der USP (Unique Selling Proposition) von uns als IT: Plattformen und Infrastruktur betreiben und betreuen." Wie viele IT-Abteilungen in anderen Unternehmen bestellt auch Specks Bereich diverse Hardware, wartet Server, leistet First- und Second-Level-Support und ist für die IT-Security verantwortlich. Zudem müssen Prozesssoftware wie SAP ERP, CRM-Systeme und andere Programme stets verfügbar sein. Sonst läuft die Arbeit bei Trumpf nicht.

"Für uns gibt es zusätzlich einen weiteren Bereich in der IT: Die Entwicklungsabteilung. Dort beschäftigen wir uns mit Data Management, Data Analytics und der Implementierung von Digitallösungen wie Mobile-Apps, Customer-Experience-Plattformen, E-Shops, Big-Data-Plattformen und mehr" , sagt Speck. Die vielen Aufgaben erfordern viele Experten, und die sucht Trumpf ständig. "Wir können gar nicht so organisch wachsen, wie wir wollen" , sagt der CIO. "Auf dem Markt fehlen Fachkräfte, deshalb müssen wir uns auch Hilfe von externen Partnern suchen, um unsere großen Projektinitiativen umsetzen zu können" .

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Große Projekte werden auch mit Risiko durchgeführt

Vor einigen Jahren wurde daher bereits eine Agenda formuliert, um die digitale Transformation des Unternehmens voranzutreiben. "Mich hat von Anfang an der Wille im Unternehmen überzeugt, auch gegen Widerstände in neue Technologien zu investieren. Ist man von einer Idee überzeugt, investiert Trumpf darin – auch wenn man zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht hundertprozentig weiß, ob sich die Idee in Zukunft auszahlen wird."

Als Beispiel nennt Speck die eigene Big-Data-Plattform, die vor drei Jahren eingeführt wurde. "Man wusste anfangs nicht mit Sicherheit, dass sich das am Ende des Tages auch auszahlt" , sagt er. Den Willen, in innovative Technologien zu investieren, setzte das Unternehmen offenbar auch während der Pandemiejahre fort. In dieser Zeit blieb Trumpf gut im Plus, verzeichnete aber nicht mehr ganz so starkes Wachstum, was theoretisch als Risikofaktor wahrgenommen werden kann.

Aktuell ist deshalb ein Fokus in der IT, diese initial hohen Investitionen in neue digitale Plattformen nun auch in einen finanziellen Erfolg umzumünzen. "Wir müssen noch mehr geschäftlichen Wert und Vorteile aus den Plattformen schöpfen, die wir in den letzten Jahren für sehr viel Geld eingeführt haben" , sagt Speck. Die Migration auf SAP S/4 und die Standardisierung von Geschäftsprozessen dürften dabei nicht vernachlässigt werden. "Dort suchen wir zur Zeit auch mit die meisten Fachkräfte: SAP-Berater mit S/4-Erfahrung, Projektleiter und Architekten."

Zudem befindet sich der Konzern derzeit im Umbau, er will On-Premises-Rechenzentren virtualisieren und in die Cloud migrieren. Ein Fokus liegt dabei klar auf IT-Security. "Gerade angesichts des Ukrainekrieges und der Drohungen durch Russland hat das Thema noch mal an Fahrt aufgenommen" , sagt der IT-Chef. "Wir müssen verschiedene Szenarien im Blick haben, um im Notfall reagieren zu können."

Da ist es klar, dass Trumpf viel tut, um geeignete Experten ins Team zu holen und diese auch zu halten. Die Konkurrenz ist nämlich recht groß.

Mitarbeiter ist Mittelpunkt der Veränderung

Speck schätzt an seinem Arbeitgeber vor allem die Offenheit und positive Haltung der Mitarbeiter untereinander. "Das ist etwas, das man sofort spürt" , sagt er. "Man kommt an der Pforte an und es passiert etwas mit einem – zumindest geht es mir jedes Mal so." Das Selbstvertrauen des Konzerns in die eigenen Fähigkeiten spielt für ihn eine große Rolle. Zudem werde Einsatz bei Trumpf stets belohnt. "Es gibt immer Möglichkeiten, weiterzukommen" , sagt Speck. Dabei könnten auch Menschen, die nicht in Führungspositionen arbeiteten, aktiv an strategischen Zielen mitarbeiten.

"Der Mitarbeiter ist Mittelpunkt der Veränderung" , diese Denkweise ist dem Unternehmen laut eigenen Aussagen wichtig. In der IT wurde dafür ein moderierter Change-Prozess eingeführt, bei dem Mitarbeiter direkt mit Vorgesetzten auf höheren Hierarchieebenen und Speck selbst reden können. Das kann wichtig sein, wenn Hierarchien über vier Ebenen aufgeteilt sind und so Kommunikation theoretisch lange dauern kann.

Speck führt als CIO mehrere Abteilungsleiter an, die wiederum Gruppenleiter betreuen. Die Gruppenleiter stehen den einzelnen Teams mit jeweiliger Teamleitung vor. Trotzdem sollen die Fachspezialisten auf allen Ebenen aktiv an Projekten mitentscheiden können.

Das Team in den Mittelpunkt zu stellen, bedeutet auch, dass die einzelnen Mitarbeiter sich weiterbilden können. Wenn es möglich ist, werden etwa Wettbewerbe und Hackathons zwischen Developern abgehalten.

Über einen internen Schulungskatalog und eine Lernplattform können sich Mitarbeiter fortbilden. "Mitarbeiter können auf Inhouse-Schulungen, externe Schulungen oder Messen gehen" , sagt Speck. Zudem helfen Mentoren, hier Paten genannt, neuen Mitarbeitern bei der Einarbeitung.

Homeoffice ohne Probleme

Derzeit sind in Ditzingen etwa 40 Stellen im Bereich IT ausgeschrieben. Die Mitarbeitersuche ist am Standort nicht einfach, in der Metropolregion um Stuttgart sitzen andere große Unternehmen, die ebenfalls attraktiv erscheinen, etwa der Mischkonzern Bosch und der Automobilhersteller Porsche.

Trumpf versucht sich an dieser Stelle selbst zu verbessern und noch attraktiver zu werden. Das fängt bei der Büroausstattung an – offene Büros und Arbeitsplätze mit moderner Technik – und geht bei der guten Bezahlung und den bereits genannten vielseitigen Weiterentwicklungsmöglichkeiten weiter.

Flexibel sein zu können, bedeutet einer großen Zahl Menschen ebenfalls viel: Der Wechsel ins Homeoffice durch die Pandemie war für den Konzern trotz dessen Größe anscheinend kein Problem. Teilweise wurde in lokalen Rechenzentren bereits davor viel online und über Videokonferenzen kommuniziert. Zum Zeitpunkt des Lockdowns wurden zusätzliche Ressourcen freigemacht und Projekte pausiert, um die Belegschaft möglichst schnell ins Heimbüro zu bekommen.

"Als der Lockdown kam, waren wir einen Tag später im Homeoffice" , versichert der CIO. "Wir haben die Bandbreite erhöht und Ressourcen umverteilt, um mehr über Microsoft Teams per Videotelefonie kommunizieren zu können."

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Agile Menschen passen zu Trumpf

Für Trumpf in der IT zu arbeiten, heißt für den CIO auch, eigenständig flexibel zu sein und sich auf neue Themen einzustellen. "Die Digitalisierung wird nie enden. Das bedeutet, offen und bereit für kontinuierliche Veränderung zu sein" , sagt Speck. "Immer kürzere Innovationszyklen, immer neue Themen bedeuten ein ständiges Sich-selbst-Erneuern – diese Grundeinstellung brauchen wir."

Das ist Speck sehr wichtig, weshalb er selbst in finalen Bewerbungsgesprächen dabei ist. "Ich möchte den Bewerber persönlich kennenlernen und schauen, wie gut die Person zu uns passt."

Denn: "Wir investieren viel in die Suche nach neuen Mitarbeitern. Wenn sie dann wenig später wieder abspringen würden, wäre das besonders schade" , sagt der CIO. "Deshalb müssen wir von Anfang an schauen, dass es auch passt."

Generell hat Trumpf wenig Mitarbeiterfluktuation und Menschen bleiben oft lange, wenn sie den Konzern kennenlernen. Das bestätigt die Umfrage, in der die Gruppe zum besten IT-Arbeitgeber 2021 gewählt wurde – trotz der Konkurrenz im Raum Stuttgart.


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