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Trump vs. Musk: Mögen die Machtspiele beginnen

Der eine hat Geld, der andere Macht. Mit welchen Mitteln sich Musk und Trump gegenseitig Schaden zufügen könnten.
/ Mike Faust
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Elon Musk und Donald Trump trennen sich im Streit. (Bild: Reuters)
Elon Musk und Donald Trump trennen sich im Streit. Bild: Reuters

Die Beziehung zwischen Elon Musk und Donald Trump stand von Anfang an unter keinem guten Stern . Nach Musks Ausstieg aus dem Regierungsgeschäft äußert er nun harsche Kritik an Trumps sogenanntem Big Beautiful Bill und sieht seine eigene Arbeit in der Regierungsbehörde Doge dadurch sabotiert.

Zunächst reagierte Trump noch zurückhaltend auf die Kritik und erklärte sie mit Musks Frust über den "Verlust des Glamours" , den die Regierungsarbeit mit sich bringe. Nachdem der Multimilliardär aber nicht aufhörte, eskalierte es zwischen den beiden – im Form von harschen Beiträgen auf der jeweils eigenen Social-Media-Plattform.

Während Trump damit drohte, Musks Firmen die Subventionen zu entziehen, schoss dieser zurück und drohte mit der Stilllegung des Dragon-Transporters. Neben der Sabotage des US-Raumfahrtprogramms hätte Musk aber auch weitere Möglichkeiten, dem US-Präsidenten Schaden zuzufügen.

Musk hat Algorithmen in der Hand

Die Offensichtlichste ist sein Vermögen, das er einsetzte, um Donald Trump in seinem Präsidentschaftswahlkampf zu unterstützen . Dass man mit Geld nicht unbedingt jede Wahl kaufen kann, merkte Musk zwar spätestens, als eine demokratische Kandidatin für einen Richterposten gewählt(öffnet im neuen Fenster) wurde, obwohl er die Gegenseite finanziell unterstützte.

Würde er nun aber in großem Stil Kampagnen gegen Trump, die Republikaner und deren Verbündete fahren, könnte das eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse in der US-Politik bewirken.

Tief in die Taschen zu greifen und große Kampagnen zu starten, ist aber vielleicht gar nicht nötig, denn so, wie Musk auf X dafür sorgte, dass sich Falschinformationen, Halbwahrheiten und Verschwörungstheorien im Namen der Meinungsfreiheit ungehindert verbreiten konnten, könnte er auch die ihm zur Verfügung stehenden Algorithmen mit geringem Aufwand gegen Trump und seine Anhänger richten.

Dass er in der Lage ist, Informationen zu manipulieren, wurde besonders deutlich, als der auf X verfügbare KI-Chatbot Grok unvermittelt und ungefragt Behauptungen über einen angeblichen Genozid in Südafrika einstreute. Auch mit Insiderinformationen könnte Musk Trump gefährlich werden, wie er bereits mit einem X-Beitrag zu den Epstein-Akten(öffnet im neuen Fenster) zeigte.

Was bei Musk das Geld ist, ist bei Trump die Macht des Amtes. Als Präsident der USA stehen ihm Mittel und Wege zur Verfügung, die das Leben für Elon Musk deutlich schwerer machen könnten.

SpaceX enteignen

Zum SpaceX-Streit zwischen Trump und Musk schrieb zum Beispiel der Trump-Vertraute und Musk-Kritiker Steve Bannon(öffnet im neuen Fenster) , dass der US-Präsident in diesem Fall einfach das gesamte Unternehmen mit einer Durchführungsverordnung beschlagnahmen könne. Das ist in den USA zwar möglich, laut dem fünften Verfassungszusatz muss die Regierung dem Eigentümer aber eine angemessene Entschädigung zahlen. Im Jahr 2024 wurde der Wert von SpaceX auf 350 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Stellt man diesem Wert Trumps Drohung gegenüber, dass er allen Musk-Firmen die Regierungsaufträge entziehen werde, beträfe das circa 100 Verträge mit 17 Regierungsbehörden. Der Gesamtwert dieser Verträge liegt bei 3 Milliarden US-Dollar.

Ein Ende der Verträge mit SpaceX würde der Nasa allerdings die derzeit einzige Möglichkeit nehmen, Versorgungsflüge zur ISS durchzuführen. Musks Raumfahrtunternehmen hält zudem den Vertrag, um die ISS im Jahr 2030 kontrolliert aus ihrem sicheren Orbit zu holen , und ist ein kritischer Bestandteil der Mondlandemission Artemis.

Konkurrenzlos schnell und günstig

Zwar ist auch Blue Origin ein Teil der Mondmission und ebenfalls mit der Entwicklung von Lösungen für den Flug zum Mond, die Landung von Astronauten auf dem Erdtrabanten und die Rückholung der Raumfahrer beauftragt. Es ist aber bislang fraglich, ob das Unternehmen in diesen Bereichen mit SpaceX konkurrieren kann.

Für das US-Militär ist das Unternehmen einer von zwei Auftragnehmern, die wichtige Frachten für die nationale Sicherheit der USA in den Orbit befördern sollen. Der Wettbewerber, United Launch Alliance, hat allerdings Schwierigkeiten, seine neue Vulcan-Rakete durch den Zertifizierungsprozess zu bringen. Das führte bereits dazu, dass die US Space Force mehr und mehr Aufträge zu SpaceX mit seinen Raketen Falcon 9 und Falcon Heavy verlagert.

Das US-Militär hat das Satelliteninternet Starlink von SpaceX außerdem bereits zu einem essenziellen Bestandteil seiner Kommunikationsstrategie gemacht und eine proprietäre Version der Starlink-Satelliten unter dem Label Starshield in sein zukünftiges Satellitenkommunikationsprogramm aufgenommen.

Trump fragte sich(öffnet im neuen Fenster) , warum der frühere US-Präsident Joe Biden die Verträge mit Musks Firmen nicht aufgekündigt habe. Zumindest im Fall von SpaceX ist die Antwort, dass von diesem Unternehmen Dienstleistungen im Bereich der Raumfahrt deutlich schneller und zu niedrigeren Kosten angeboten werden, als es der Konkurrenz möglich ist.

Während die Regierungsverträge zwischen den USA und Tesla in den Jahren 2008 bis 2024, gemessen an der Unternehmensgröße, mit 42 Millionen US-Dollar vergleichsweise gering ausfallen, würde die von Trump geforderte Streichung der Subventionen den Autobauer härter treffen.

Musk für Drogen hinter Gitter?

Die US-Steuerbehörde gewährt im Rahmen des Clean Vehicle Act einen Steuernachlass von 7.500 US-Dollar beim Kauf eines neuen Elektroautos. Auch neu geleaste Tesla-Fahrzeuge fallen unter diese Regelung. Da die Verträge mit Musks Firmen aber letztendlich auch der US-Regierung zugutekommen, könnte Trump einen größeren Schaden anrichten, wenn er die Regulierungsbehörden dafür einsetzt.

Ganz vorne steht dabei die für Straßen- und Fahrzeugsicherheit zuständige National Highway Traffic Safety Administration, die Tesla bei der Entwicklung vollständig autonom fahrender Fahrzeuge blockieren könnte. Die US-Bundesluftfahrtbehörde Federal Aviation Administration könnte zudem das Starship-Programm von SpaceX zum Stillstand bringen und den Ausbau der Anlagen für Raketenstarts verhindern.

Steve Bannon wiederum erklärt immer wieder, Elon Musk sei kein legitimer Staatsangehöriger der USA und befinde sich illegal im Land. Bei Trumps derzeitiger Einwanderungspolitik spielt der Status aber ohnehin kaum eine Rolle. Auf Befehl von Trump würde die US-Einwanderungsbehörde ICE sehr wahrscheinlich einen Grund finden, um den gebürtigen Südafrikaner Elon Musk abzuschieben.

Der Doge-Sündenbock

So weit müsste der US-Präsident aber gar nicht gehen, denn Musk bietet einen weiteren Angriffspunkt. In der Vergangenheit war der Tesla-Chef immer wieder mit Gerüchten über einen ausufernden Drogenkonsum konfrontiert. Würden ernsthafte Ermittlungen in diese Richtung durchgeführt, könnte das zu einer langen und rechtssicheren Haftstrafe führen.

Einen besonderen Trumpf könnte zudem Musks Zeit als besonderer Regierungsangestellter sein. Die Trump-Regierung tat sich von Anfang an schwer damit, gegenüber der Öffentlichkeit darzustellen, mit welchen Befugnissen Musk während seiner Arbeit im Department of Government Efficiency (Doge) ausgestattet war.

Der US-Präsident könnte daher nicht nur Musks Lieblingsprojekt zur Kosteneinsparung in US-Regierungsbehörden fallen lassen, sondern ihn auch für Entscheidungen zur Rechenschaft ziehen, die zu Massenentlassungen von Regierungsangestellten , der Schließung und drastischen Reduzierung von Regierungsbehörden sowie großem Unmut auch unter Trump-Anhängern geführt haben.


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