Trotz Prime-Abo: Washington D.C. verklagt Amazon wegen langsamer Lieferungen

Der District of Columbia, die US-amerikanische Hauptstadt Washington, verklagt Amazon wegen angeblich absichtlicher langsamer Belieferung von zwei Stadtbezirken. Die traditionell einkommensschwächeren Bezirke 20019 und 20020 östlich des Anacostia-Flusses mit einem hohen Anteil afroamerikanischer Bevölkerung sollen seit 2022 wissentlich und absichtlich von Amazon langsamer beliefert werden als andere Stadtbezirke.
Der Klageschrift(öffnet im neuen Fenster) (PDF) zufolge soll Amazon seit Mitte 2022 die Lieferzeit für Prime-Kunden in den Stadtteilen drastisch verlängert haben, ohne dies zu kommunizieren. Während die Quote für Zwei-Tages-Lieferungen im Jahr 2021 noch bei 73 Prozent lag, sank sie bis 2023 auf nur noch 24,5 Prozent. Im restlichen Gebiet des District of Columbia stieg die Zwei-Tages-Lieferrate in der gleichen Zeit auf 75 Prozent.
Die langsameren Lieferzeiten würden sich aus dem Umstand ergeben, dass Amazon in den beiden Gebieten weniger eigene Fahrer einsetze und stattdessen mit der US-amerikanischen Post (USPS) und UPS versende. In den beiden Vierteln sollen rund 50.000 betroffene Kunden leben. Diese bezahlten laut der Klage weiterhin den vollen Prime-Preis, ohne zu wissen, dass Amazon Produkte langsamer ausliefere. Auch beim Abschluss von neuen Abos soll Amazon darauf nicht hingewiesen haben.
Amazon spricht von Sicherheitsbedenken
Amazon begründet den Schritt, weniger eigene Fahrer einzusetzen, mit Problemen bei deren Sicherheit. Die klagende Behörde erkennt an, dass jedes Unternehmen derartige Schutzmaßnahmen für die eigenen Mitarbeiter vornehmen darf; dabei dürfe man aber der Kundschaft nicht verschweigen, dass sie für Dienste zahlten, die sie nicht erhielten.
Der Klage zufolge sind vor allem die Bewohner der beiden betroffenen Viertel auf schnelle Lieferungen von online bestellten Gütern angewiesen, da es vor Ort weniger Einkaufsmöglichkeiten als im restlichen Gebiet des District of Columbia gebe.



