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Trotz Preisexplosion: Speicherhersteller wollen DRAM-Produktion nicht ausweiten

Aus Angst vor Überkapazitäten stellen Samsung und SK Hynix weniger DRAM her, als sie verkaufen könnten. Besserung erwarten sie frühestens 2027.
/ Johannes Hiltscher
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Speicher-Chips von SK Hynix auf einem Wafer. (Bild: SK Hynix)
Speicher-Chips von SK Hynix auf einem Wafer. Bild: SK Hynix

Die Speicherpreise kennen aktuell nur eine Richtung, und zwar nach oben: Binnen eines Monats sind die Preise für DDR5-Speicher um 50 bis 90 Prozent gestiegen .

Daran wird sich auch langfristig nichts ändern, denn die Hersteller haben daran wenig Interesse. Wie die südkoreanische Wirtschaftszeitung Korea Economic Daily (kurz Hankyung) berichtet(öffnet im neuen Fenster) , wollen Samsung und SK Hynix den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten nicht beschleunigen, um auf die hohe Nachfrage zu reagieren.

Beide zusammen machen rund 70 Prozent des DRAM-Markts aus. Die Zeitung zitiert aus einem Investorengespräch, laut dem Samsung eine langfristige Profitabilität des DRAM-Geschäfts sicherstellen und Überkapazitäten vermeiden will.

Der Speichermarkt hat sich historisch als sehr volatil erwiesen. Kapazitätsausbauten in Boomphasen konnten bereits kurze Zeit später zu Überkapazitäten führen und so die Bilanz ruinieren. Noch vor gut zwei Jahren machten volle Lager als Spätfolge der Coronapandemie den Herstellern Probleme .

Wie Samsung will auch SK Hynix seine Produktion nicht deutlich ausweiten. Der zweite südkoreanische DRAM-Hersteller will 2026 zwar rund die Hälfte seiner Fertigungskapazität auf den aktuellen 1c-Prozess umstellen und dafür 30 Prozent seines Umsatzes investieren. Bis sich Auswirkungen zeigen, dauert es allerdings – SK Hynix erwartet frühestens im ersten Halbjahr 2027 eine Entspannung der Nachfragesituation. Ein Ende des aktuellen Booms wird erst 2028 erwartet.

Kurzfristig bleibt eine Lücke

Wie angespannt die Situation ist, verdeutlicht Korea Economic Daily anhand von Samsung: Der Hersteller könne aktuell nur rund 70 Prozent der Nachfrage decken. Der Grund hierfür ist insbesondere die hohe Nachfrage nach KI-Hardware – insbesondere in Form von High Bandwidth Memory (HBM). Samsung steigerte hier seinen Absatz(öffnet im neuen Fenster) dank Googles TPUs zuletzt deutlich.

Aufgrund der hohen Nachfrage wollen Samsung und SK Hynix zudem weniger langfristige Verträge eingehen. An denen sind Kunden zwar interessiert, um Preissicherheit zu haben, den Herstellern nehmen sie aber die Möglichkeit, von weiter steigenden Preisen zu profitieren. Zumindest SK Hynix erklärte offen, dass man für die kommenden Jahre weitere Preissteigerungen erwarte.

Auch die übrigen Speicherhersteller werden die Lücke kurzfristig nicht schließen können: Micron erweiterte zwar seine milliardenschweren Expansionspläne in den USA im Juni 2025 noch einmal(öffnet im neuen Fenster) . Bis davon etwas zu spüren ist, wird es allerdings dauern.

Der chinesische Speicherhersteller CXMT könnte versuchen, von der aktuellen Knappheit zu profitieren. Da dem Unternehmen allerdings der Kauf von Immersions- und EUV-Belichtern verwehrt ist, sind seine Möglichkeiten zum Kapazitätsausbau beschränkt. CXMT steigt aus diesem Grund wie die anderen großen Hersteller größtenteils aus der DDR4-Fertigung aus(öffnet im neuen Fenster) , um sich auf DDR5-Speicher zu konzentrieren.

Aber auch in der Volksrepublik wächst die Nachfrage nach HBM, den das Land aufgrund von US-Exportbeschränkungen nicht mehr offiziell importieren kann . Entsprechend läuft auch hier eine eigene Fertigung hoch, die viele Speicher-Dies benötigt.


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