Trotz DSGVO: Whatsapp teilt nun massenhaft Nutzerdaten mit Facebook

Der Messengerdienst Whatsapp hat seine Ankündigung wahr gemacht: Zahlreiche persönliche Nutzerdaten werden nun mit Mutterkonzern Facebook geteilt. Hamburgs Datenschützer Johannes Caspar findet das "alarmierend", doch er kann es nicht mehr stoppen.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Die umstrittenen Datenschutzregeln von Facebook
Die umstrittenen Datenschutzregeln von Facebook (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)

Entgegen einschlägigen Gerichtsurteilen teilt Whatsapp inzwischen personenbezogene Nutzerdaten mit dem Mutterkonzern Facebook und "vertrauenswürdigen Drittanbietern". Das geht zwar nicht aus der aktualisierten Datenschutzrichtlinie des Messengerdienstes hervor, findet sich aber in zusätzlichen Erläuterungen unter dem Titel "So arbeiten wir mit den Facebook-Unternehmen zusammen". Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar findet dieses Vorgehen "alarmierend" und sieht darin einen eindeutigen Verstoß gegen die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Inhalt:
  1. Trotz DSGVO: Whatsapp teilt nun massenhaft Nutzerdaten mit Facebook
  2. Datenweitergabe laut Caspar nicht zulässig

Der Streit um die Datenweitergabe zwischen Whatsapp und Facebook beschäftigt Datenschützer schon seit deren Ankündigung im August 2016. Anfang März 2018 hatte das Oberverwaltungsgericht Hamburg Caspars Anordnung bestätigt, wonach Facebook nicht massenhaft Daten seiner Tochterfirma Whatsapp für eigene Zwecke nutzen darf. Das gelte nicht nur für Zwecke wie die Reichweitenmessung und die Werbungsoptimierung, sondern auch für die Plattform- und Nutzersicherheit, die Facebook als Grund für die geplante Datenweitergabe zumindest angegeben hatte. Whatsapp hatte im März 2018 angekündigt, die Daten künftig nur "in voller Übereinstimmung" mit der DSGVO weiterzuleiten.

Zahlreiche Verwendung der Daten

Nun heißt es jedoch bei Whatsapp: "Derzeit teilt Whatsapp nur wenige Informationskategorien mit den Facebook-Unternehmen. Dazu gehören die Telefonnummer, die du bei der Registrierung für Whatsapp verifiziert hast, einige Geräteinformationen (Gerätekennung, Betriebssystemversion, App-Version, Plattforminformation, Ländervorwahl der Mobilnummer, Netzwerkcode sowie Markierungen, die es erlauben, deine Zustimmung zu Aktualisierungen und Steuerungsoptionen nachzuverfolgen) und einige deiner Nutzungsinformationen (wann du Whatsapp zum letzten Mal genutzt hast, wann du deinen Account registriert hast, sowie die Art und Häufigkeit deiner Nutzung von Features)."

Den Angaben zufolge will Whatsapp mit der Datenweitergabe an Facebook-Unternehmen und "vertrauenswürdige Drittanbieter" unter anderem herausfinden, wie Personen "die Whatsapp Dienste im Vergleich zu anderen Apps oder Diensten der Facebook-Unternehmen nutzen. Und das wiederum trägt dazu bei, dass Whatsapp mehr Möglichkeiten hat, sich mit potenziellen Funktionen auseinanderzusetzen oder Produktverbesserungen zu fördern". Zudem will Facebook mit dem Datenabgleich besser gegen Spam vorgehen oder Nutzer identifizieren, "der gegen unsere Nutzungsbedingungen verstößt oder ein Sicherheitsrisiko für andere darstellt".

Einziger Ausweg: Kontolöschung

Stellenmarkt
  1. IT Manager (m/w/d) Digitalisierung
    Loba GmbH & Co. KG, Ditzingen
  2. SAP Basis Berater (m/w/x)
    über duerenhoff GmbH, Raum Hamburg
Detailsuche

Dabei werden nicht nur die Daten von Whatsapp-Nutzern weitergeleitet, die einen Facebook-Account haben, "da wir in der Lage sein müssen, Informationen zu all unseren Benutzern zu teilen, um nützliche Dienste von den Facebook-Unternehmen in Anspruch nehmen und die wichtigen Ziele erfüllen zu können", wie es heißt. Zumindest werden die Whatsapp-Kontakte der Nutzer nicht mit Facebook geteilt. Das sei auch nicht geplant. Die einzige Möglichkeit für Whatsapp-Mitglieder, die Datenweitergabe zu unterbinden, besteht in der Löschung des Accounts. "Wenn du es ablehnst, dass deine Informationen mit anderen Mitgliedern der Facebook-Unternehmen für die in den Nutzungsbedingungen und der Datenrichtlinie beschriebenen Zwecke geteilt werden, hast du die Möglichkeit, diesen Dokumenten nicht zuzustimmen und den Whatsapp Dienst nicht zu benutzen", heißt es lapidar.

Die einzige Einschränkung besteht darin, dass Facebook die Whatsapp-Daten nicht nutzt, "um deine Produkterlebnisse auf Facebook zu verbessern oder dir interessantere Facebook-Anzeigen zu zeigen". Dies sei "das Ergebnis von Diskussionen mit dem Leiter der irischen Datenschutzbehörde (Data Protection Commissioner) und anderen Datenschutzbehörden in Europa". Weiter heißt es: "Falls wir uns zukünftig entscheiden, solche Daten zu diesem Zweck mit den Facebook-Unternehmen zu teilen, erfolgt das nur dann, wenn der Leiter der irischen Datenschutzbehörde einem Mechanismus zustimmt, der eine solche Nutzung ermöglicht."

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Datenweitergabe laut Caspar nicht zulässig 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anonymer Nutzer 25. Jun 2018

Es bringt wohl wenig zu widersprechen und die Services weiter zu nutzen. Ich habe den...

gloeckle 30. Mai 2018

Das alles macht die Masse niemals mit. Deshalb spreche ich von dem "Gleichgewicht". Aber...

against 28. Mai 2018

Danke! Endlich mal jemand der mich versteht und mir nicht erzählen will, ich wäre...

gloeckle 28. Mai 2018

Weil eine Firma, ganz gleich welche, auf gar keinen Fall mächtiger sein darf als die...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Polizei NRW
Palantir-Software verteuert sich drastisch

Nordrhein-Westfalen muss deutlich mehr Geld für eine Datenbanksoftware ausgeben. Doch es sollen damit schon Straftaten verhindert worden sein.

Polizei NRW: Palantir-Software verteuert sich drastisch
Artikel
  1. Festnetz/Mobilfunk: Netzbetreiber wollen wegen Energiekosten die Preise erhöhen
    Festnetz/Mobilfunk
    Netzbetreiber wollen wegen Energiekosten die Preise erhöhen

    Die Festnetz- und Mobilfunkbetreiber wollen die Endkundenpreise erhöhen, wenn sie wegen der Energiekosten keine Steuergeschenke bekommen. Die Ministerpräsidentenkonferenz soll reagieren.

  2. Star Wars: Lego bringt großes Set der Razor Crest aus The Mandalorian
    Star Wars
    Lego bringt großes Set der Razor Crest aus The Mandalorian

    Aus fast 6.200 Teilen besteht das große Lego-Set der Razor Crest. Sie ist teuer, nicht aber für ein Star-Wars-Set.

  3. Creative Commons, Pixabay, Unsplash: Rechtliche Fallstricke bei Gratis-Stockfotos
    Creative Commons, Pixabay, Unsplash
    Rechtliche Fallstricke bei Gratis-Stockfotos

    Pixabay, Unsplash, CC ermöglichen eine gebührenfreie Nutzung kreativer Werke. Vorsicht ist dennoch geboten: vor Abmahnmaschen, falschen Quellenangaben, unklarer Rechtslage.
    Eine Analyse von Florian Zandt

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • AMD Ryzen 7000 jetzt bestellbar • CyberWeek: PC-Tower, Cooling & Co. • Günstig wie nie: Asus RX 6700 XT 539€, Acer 31,5" 4K 144 Hz 899€, MSI RTX 3090 1.159€ • AMD Ryzen 7 5800X 287,99€ • Xbox Wireless Controller 49,99€ • MindStar (Gigabyte RTX 3060 Ti 522€) [Werbung]
    •  /