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Ungereimtes aus den Asservaten

Nachdem die Ermittlungen im Fall Tron abgeschlossen waren, holten 2002 dessen Eltern die Kleidungsstücke und andere Gegenstände zum Fall von der Berliner Polizei ab. Die Stücke, die ihnen übergeben wurden, warfen schnell neue Fragen auf(öffnet im neuen Fenster) . So war der Gürtel, an dem sich Tron erhängte, wohl nicht seiner: Gebrauchsspuren legten einen Taillenumfang von 96 cm nahe, im engsten Loch war dieser immer noch 93 cm weit. Trons Taillenumfang aber betrug nur 76 cm.

Ein anderer Gürtel war am Tatort nicht gefunden worden, obwohl Trons Handy sich in einer Gürteltasche am Fundort auf dem Boden befand. Gemeinsam mit einer kleinen Werkzeugtasche mit Gürtelschlaufe. Wo also war der passende Gürtel? Und wem gehörte der viel zu große? Eine Frage, die niemand beantworten konnte.

Die Staatsanwaltschaft lehnte den Antrag zur Wiederaufnahme dennoch ab (PDF)(öffnet im neuen Fenster) : "Dass die Möglichkeit besteht, auch mit einem fremden Gürtel Selbstmord zu begehen, liegt auf der Hand."

Prozess gegen Rupert Murdochs News Corp

In einem Wired-Artikel aus dem Jahr 2008(öffnet im neuen Fenster) , in dem es um einen Prozess gegen die britisch-israelische Firma NDS geht, die laut Anklage die Pay-TV-Smartcards von rivalisierenden Anbietern hacken ließ, fällt der Name Boris F.

NDS, eine Tochter von Rupert Murdochs News Corporation, wird in dem Artikel als die Firma identifiziert, die Tron versucht hat anzustellen – aber auf Ablehnung stieß. Wired berichtet, dass es trotz offizieller Einordnung als Suizid "genügend Details" gab, "um Verdacht zu erregen" .

So seien Trons Füße auf dem Boden gewesen, als er erhängt gefunden wurde. So liege der Verdacht nahe, der Körper könne dort nach dem Tod platziert worden sein.

Am Sonntag gab es Spaghetti

Den letzten bekannten Kontakt vor seinem Tod hatte Tron mit seiner Mutter. Es gab Spaghetti mit einer Basilikumsoße nach Familienrezept. Bei seiner Obduktion (PDF)(öffnet im neuen Fenster) wurde eben das als Mageninhalt gefunden – in einem Zustand, der auf etwa viereinhalb Stunden Verdauung hinwies. Laut Obduktion war Tron aber erst einen bis anderthalb Tage, höchstens zwei Tage vor seinem Auffinden verstorben, was als frühesten Sterbezeitpunkt den 20. Oktober 1998 zulässt – drei Tage nach der Mahlzeit.

Wenn es kein Suizid war, wer könnte es dann gewesen sein? Diese Frage markiert den Punkt, an dem die reine Spekulation beginnt. Und zugleich den Punkt, an dem sie kritisch eingeordnet werden muss. Denn sie entspringt weniger gesicherten Beweisen als einem Bündel aus Zweifeln, Ungereimtheiten und dem historischen Kontext, in dem Tron lebte und arbeitete.

Gerade weil sein Tod früh, überraschend und in einem politisch wie technisch aufgeladenen Umfeld erfolgte, entstand rasch das Bedürfnis nach alternativen Erklärungen.


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