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Konflikt gegensätzlicher Logiken

Dabei spielte auch eine Rolle, dass viele der vorgebrachten Zweifel auf Bewertungen und Deutungen beruhten, nicht auf überprüfbaren Fakten. Vermutungen über mögliche Täter, staatliche Interessen oder verdeckte Operationen blieben spekulativ. Für die Strafverfolgungsbehörden sind solche Annahmen ohne belastbare Anhaltspunkte nicht verwertbar.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Ermittlungen lassen sich nur an dem messen, was dokumentiert und überprüfbar ist. Subjektive Eindrücke, auch wenn sie aus einem engen persönlichen Umfeld stammen, haben vor Gericht nur begrenztes Gewicht. In diesem Spannungsfeld prallten im Fall Tron zwei Logiken aufeinander: die juristische Logik der Beweisbarkeit und die politische oder emotionale Logik einer Szene, die sich selbst als potenziell bedroht wahrnahm.

Der Fall zeigt damit auch die Grenzen strafrechtlicher Aufarbeitung. Ermittlungen können Zweifel nicht auflösen, die nicht mit Fakten unterfüttert sind. Sie können nur feststellen, ob ein strafrechtlich relevanter Verdacht besteht. Im Fall Tron verneinten die Behörden diese Frage – und hielten auch Jahre später an dieser Einschätzung fest.

Die Monate nach Trons Tod

Neben der in der Datenschleuder veröffentlichten Presseerklärung zu Trons Tod vom 24. Oktober 1998 war noch zu lesen, dass man sich nach dieser Veröffentlichung erst einmal nicht weiter äußern wolle. "Auch wenn es nicht Stil des CCC ist, Informationen zurückzuhalten, ist es dieses Mal in unserem Interesse, zunächst einmal die Hintergründe zu klären, warum er nicht mehr lebt" , schrieb man dort.

Dies aber galt offensichtlich nicht mehr Ende Dezember, als auf dem 15. Kongress des Chaos Computer Clubs(öffnet im neuen Fenster) – dem ersten in Berlin – Trons Tod Thema Nummer eins war. CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn und viele andere Clubmitglieder wollen sich mit den Ermittlungen der Polizei nicht abfinden.

"Vor seinem Verschwinden gab es mehrere Anwerbeversuche" , berichtete Müller-Maguhn. Wie das mit Trons Tod zusammenhängen sollte, ließ er offen. Er benannte auch die Firmen oder die Firma nicht, die versuchte, Tron unter Vertrag zu nehmen. Es sei aber auch denkbar, dass das Pay-TV jemanden geschickt habe, um die wenigen Leute abzuschrecken, die sich damit befassten. "Vielleicht hat aber auch jemand mit einer Maschinenpistole hinter ihm gestanden."

Es bleibt ungeklärt, ob dieser Auftritt Müller-Maguhns der Auslöser für die diversen Theorien zu Trons Tod war.


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