Trojaner-Hersteller: Finfisher ist pleite und aufgelöst

Nach einer Strafanzeige durch Menschenrechtsorganisationen hat Finfisher Insolvenz angemeldet und die Geschäfte eingestellt.

Artikel veröffentlicht am , Lennart Mühlenmeier
Trojanisches Pferd mit Hackerzahlen
Trojanisches Pferd mit Hackerzahlen (Bild: Jorge Láscar (Collage durch Golem.de)/CC-BY 2.0)

Das Geschäft des Münchener Herstellers von Staatstrojanern Finfisher ist wohl beendet. Dies melden Menschenrechtsorganisationen und Netzpolitik.org unter Berufung auf den Insolvenzverwalter. Finfisher hatte eine Trojaner-Suite hergestellt und unter anderem an das Bundeskriminalamt (BKA) vertrieben. Vorangegangen war eine Strafanzeige durch das Medium, die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und Reporter ohne Grenzen (RSF). Infolgedessen hat die Staatsanwaltschaft München die Konten der Unternehmen Finfisher GmbH, Finfisher Labs GmbH und Raedarius m8 GmbH gepfändet.

Stellenmarkt
  1. Product Owner (m/w/d) Website & Digital Business
    Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH DEW21, Dortmund
  2. IT & Technik
    Bezirkskliniken Schwaben, alle Standorte
Detailsuche

Die Insolvenz der drei Firmen kann für die beteiligten Organisationen als Erfolg gewertet werden. Ein leitender Angestellter bestätigte das gegenüber Netzpolitik.org: "Finfisher ist geschlossen und bleibt es auch. Ihr habt euer Ziel erreicht." Alle 22 Mitarbeiter wurden demnach entlassen. Sarah Lincoln, Juristin der GFF, erklärte in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Organisationen, dass die Insolvenz ein "direkter Erfolg unserer Strafanzeige" ist. Miriam Saage-Maaß, Legal Director beim ECCHR, hofft, dass es "zeitnah zur Anklage und Verurteilung der verantwortlichen Geschäftsführer" kommt.

Illegaler Export an Regime wie Ägypten

GFF, ECCHR und RSF erklärten zudem, warum sie im Jahr 2019 Strafanzeige gegen Finfisher erstattet hatten. Exporte von Überwachungssoftware seien genehmigungspflichtig und Verstöße strafbar. Seit 2015 habe die Bundesregierung keine solchen Genehmigungen mehr erteilt. Trotzdem habe man die Trojaner Finfishers mit aktuellen Versionen in Ländern wie der Türkei, in Ägypten und Myanmar entdecken und nachweisen können.

Bereits Mitte Dezember 2021 berichteten Medien (auch Golem.de) von der Pleite - und einer Umbenennung. Damals wurde noch davon ausgegangen, dass die Geschäftsführer die Produkte unter neuem Namen weiter vertreiben wollen. Diese Annahme scheint nun widerlegt.

Golem Karrierewelt
  1. Cloud Competence Center: Strategien, Roadmap, Governance: virtueller Ein-Tages-Workshop
    06.10.2022, Virtuell
  2. AZ-104 Microsoft Azure Administrator: virtueller Vier-Tage-Workshop
    07.-10.11.2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Finfisher hatte im Zuge der Berichterstattung über die Strafanzeige Netzpolitik.org abgemahnt. Die Firma war mit diesem Vorwurf der Verdachtsberichterstattung im Jahr 2020 vor dem Landgericht Berlin auch erfolgreich.

Wir haben das BKA als Kunde von Finfisher um eine Stellungnahme zu der Insolvenz gebeten. Update von 15:45 Uhr: Wir fragten, welche Konsequenzen das BKA aus dem Insolvenzverfahren ziehen werde und ob die Produkte in der Vergangenheit eingesetzt wurden. Zudem fragten wir, wie das BKA damit umgehen werde, dass die Produkte nun nicht mehr vom Hersteller unterstützt werden können. Ein Pressesprecher des BKA teilte daraufhin mit, dass die Fragen nicht beantwortet werden könnten, weil der "angefragte Vorgang als Verschlusssache eingestuft ist".

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


d4k0 29. Mär 2022

Bereits im Dezember 2021 wurde die Vilicius Holding GmbH als Nachfolger...

gaym0r 29. Mär 2022

Ich glaube nicht, dass man remote für die arbeiten kann/darf.

hackgrid 29. Mär 2022

Keine Sorge, es geht weiter...

gadthrawn 29. Mär 2022

Die Hauptgesellschaft als Fachgesellschaft der drei Unternehmen wurde ja in Vilicius...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Die große Umfrage
Das sind Deutschlands beste IT-Arbeitgeber 2023

Golem.de und Statista haben 23.000 Fachkräfte nach ihrer Arbeit gefragt. Das Ergebnis ist eine Liste der 175 besten Unternehmen für IT-Profis.

Die große Umfrage: Das sind Deutschlands beste IT-Arbeitgeber 2023
Artikel
  1. Monitoring von Container-Landschaften: Prometheus ist nicht alles
    Monitoring von Container-Landschaften
    Prometheus ist nicht alles

    Betreuer von Kubernetes und Co., die sich nicht ausreichend mit der Thematik beschäftigen, nehmen beim metrikbasierte Monitoring unwissentlich einige Nachteile in Kauf. Eventuell ist es notwendig, den üblichen Tool-Stack zu ergänzen.
    Von Valentin Höbel

  2. Philips Hue mit über 100 Euro Rabatt bei Amazon
     
    Philips Hue mit über 100 Euro Rabatt bei Amazon

    Viele verschiedene Produkte von Philips Hue sind bei Amazon im Angebot. Darunter Deckenleuchten, Leuchtmittel und Bewegungssensoren.
    Ausgewählte Angebote des E-Commerce-Teams

  3. Smartphone: Xiaomi 12T Pro mit 200-Megapixel-Kamera kostet 800 Euro
    Smartphone
    Xiaomi 12T Pro mit 200-Megapixel-Kamera kostet 800 Euro

    Xiaomis neues Oberklasse-Smartphone hat eine hochauflösende Kamera und Qualcomms stärkstes SoC. Außerdem gibt es ein neues Wearable und Tablet.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • 3 Spiele für 49€ • Saturn Gutscheinheft • Günstig wie nie: LG OLED 48" 799€, Xbox Elite Controller 2 114,99€, AOC 28" 4K UHD 144 Hz 600,89€, Corsair RGB Midi-Tower 269,90€, Sandisk microSDXC 512GB 39€ • Bis zu 15% im eBay Restore • MindStar (PowerColor RX 6700 XT 489€) [Werbung]
    •  /