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Trends für 2017: Der Computer wird sinnlich

Schmeckende, riechende, sehende und hörende Computer: IBM-Forscher glauben, dass Computer künftig sinnlich wahrnehmen können werden. Nach ihrer Prognose wird es im Jahr 2017 so weit sein.
/ Werner Pluta
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IBM Five-in-Five: fünf Techniktrends für die kommenden fünf Jahre (Bild: IBM)
IBM Five-in-Five: fünf Techniktrends für die kommenden fünf Jahre Bild: IBM

In den kommenden fünf Jahren soll der Computer menschlicher werden: Er werde denken, fühlen, sehen, schmecken und riechen, sagt das Unternehmen IBM in seiner diesjährigen Prognose "Five-in-Five".

Five-in-Five – Intro – IBM
Five-in-Five – Intro – IBM (01:26)

Cognitive Systems nennt IBM diese Computer. Diese zeichneten sich dadurch aus, dass sie lernfähig seien und aus Daten selbst Schlüsse zögen. Außerdem werden die Systeme nach IBMs Ansicht über einfache sensorische Fähigkeiten verfügen. Das erste Cognitive System war laut IBM der Computer Watson(öffnet im neuen Fenster) , der im vergangenen Jahr bei der Spielshow Jeopardy! gegen menschliche Kontrahenten antrat und gewann .

Fühlen

Nutzer sollen künftig "durch das mobile Endgerät hindurch" berühren und fühlen können. Über ein Objekt auf ihrem Gerät sollen sie nicht nur etwas lesen oder sich ein Bild davon anzeigen lassen können. Sie sollen es auch ertasten und so einen Eindruck von seiner Beschaffenheit erhalten können.

Five-in-Five – Computer mit Gefühl – IBM
Five-in-Five – Computer mit Gefühl – IBM (01:13)

Bei Spielen gebe es schon seit Jahren Systeme, die ein haptisches Feedback liefern. Dies geschehe aber in einem fest umrissenen Umfeld, sagen die IBM-Entwickler(öffnet im neuen Fenster) . Sie glauben, dass es in den nächsten fünf Jahren möglich werde, dass Nutzer etwa beim Onlinekauf eines Kleidungsstückes dieses zuvor anfassen können. Eine Möglichkeit sei, Texturen durch Vibrationen zu simulieren. So könne der Käufer beispielsweise Informationen über die Qualität des Produktes erhalten.

Sehen

Computer sollen zudem Bilder erkennen lernen. Sie könnten dann Bilder nicht mehr nur als eine Ansammlung von Pixeln betrachten, sondern verstehen, was sie darstellen und Schlüsse daraus ziehen.

Five-in-Five – Computer sehen – IBM
Five-in-Five – Computer sehen – IBM (01:48)

So könnten sie einem Computer etwa beibringen, Gegenstände zu erkennen, indem sie ihm viele Bilder davon vorlegen, erklären die Forscher(öffnet im neuen Fenster) . Der Computer extrahiere Merkmale – bei einem Meeresstrand etwa Farbverläufe, Texturen oder Kanten – und wende diese dann auf andere Bilder an.

Dadurch könne er einen Strand von einer Stadt unterscheiden. Auf dieser Grundlage könne aufgebaut werden: Computer könnten lernen, welchen Aktivitäten an Stränden die Besucher nachgingen und schließlich sogar unterscheiden, wo sich der abgebildete Strand befinde.

Wichtiges Anwendungsgebiet: Medizin

Eine wichtige Anwendung sei die Medizin: So könnten Computer Bilder etwa von Röntgengeräten, Computertomographen oder anderen Bildgebern analysieren. Unregelmäßigkeiten, die auf Geschwüre oder Blutgerinnsel hindeuteten, könnten so erkannt werden.

Hören

Spracheingaben verstehen Computer schon heute. IBM will aber weitergehen und auch nichtartikulierte akustische Eingaben für Computer verständlich machen. Ausgangspunkt ist ein bereits patentiertes System, das Babyschreie entschlüsselt und das IBM-Forscher um Dimitri Kanevsky entwickelt haben.

Five-in-Five – Computer hört – IBM
Five-in-Five – Computer hört – IBM (02:04)

Sie hätten Geräusche von Babys aufgenommen und gleichzeitig die Aktivität von Gehirn, Herz und Lunge gemessen, um herauszufinden, wie es dem Kind gehe, erklärt Kanevsky(öffnet im neuen Fenster) . Künftig kann eine Mutter also mit Hilfe eines Smartphones entschlüsseln, woran es ihrem Kind gerade fehlt.

Eine Anwendung dafür könnten akustische Sensoren sein, die in der Umwelt ausgebracht werden. Sie könnten anhand der Geräusche, die ein Baum im Sturm von sich gebe, erkennen, ob er umstürzen wird. Die Feuerwehr könnte dann rechtzeitig Anwohner warnen oder den Baum vorher fällen.

Außerdem könnte eine erweiterte Audioverarbeitung Hörgeräte und Telefone verbessern: Die Geräte könnten Hintergrundgeräusche erkennen und unterdrücken, so dass Sprache besser zu verstehen ist.

Schmecken

Schmeckt's? Künftig wird der Computer das wissen – und die richtigen Ratschläge für das Feiertagsmenü geben. IBM-Entwickler arbeiten an einem System, das Aromen in Speisen erkennt(öffnet im neuen Fenster) .

Vorlieben und Abneigungen

Es analysiert die chemische Struktur der Zutaten bis auf die Molekülebene und passt sie den Vorlieben von Menschen bei Geschmack und Geruch an. Anhand dieser Daten versucht das System zu verstehen, warum Menschen manche Gerichte lieber mögen als andere.

Five-in-Five – Computer mit Geschmack – IBM
Five-in-Five – Computer mit Geschmack – IBM (01:51)

Auch hier geht es wieder um Mustererkennung: Der Computer vergleicht diese Daten mit vorhandenen Kochrezepten und versucht, diese zu verbessern oder neue Gerichte zu kreieren. Dabei soll das System gesunde Gerichte, die nicht gut schmecken, so variieren können, dass sie der weniger gesunden Kost vorgezogen werden.

Riechen

Künstliche Nasen gibt es heute schon – Sensoren, die bestimmte Schadstoffe erkennen. In der Zukunft sollen solche Sensoren aber noch viel mehr Stoffe erkennen können: Aromen, Biomarker, Krankheitserreger oder gar Moleküle.

Five-in-Five – Computer kann riechen – IBM
Five-in-Five – Computer kann riechen – IBM (01:08)

IBM-Forscher glauben(öffnet im neuen Fenster) , dass künftig solche Riechsensoren in Smartphones eingebaut werden. Sie könnten den Atem des Besitzers untersuchen und feststellen, wie gesund er ist: Findet der Sensor Erreger, bahnt sich möglicherweise eine Erkältung an. Andere Biomarker im Atem hingegen könnten Hinweise auf Erkrankungen der Leber oder der Nieren geben.

Seit 2006 veröffentlicht IBM jeweils kurz vor Jahresende seine Five-in-Five(öffnet im neuen Fenster) – also fünf technische Trends für die kommenden fünf Jahre. Diese seien, das geben die IBM-Vordenker zu, oft recht zugespitzt. Die Prognosen bezögen Entwicklungen des Marktes, gesellschaftliche Trends sowie die Arbeiten in den eigenen Entwicklungsabteilungen mit ein.


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