Treffen mit Musk: Laschet lügt sich Wasserstoff-Frage zurecht

Kanzlerkandidat Laschet wirft einer "wildgewordenen Twittergemeinde" vor, sein Treffen mit Elon Musk falsch darzustellen. Doch das trifft nicht zu.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Musk ist laut Laschet ein "lockerer Typ".
Musk ist laut Laschet ein "lockerer Typ". (Bild: Patrick Pleul/Pool via Reuters)

Hat Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet wirklich Tesla-Chef Elon Musk gefragt, ob Wasserstoff- oder Elektroantrieb die Zukunft der Autos sind? Während ein ungeschnittenes Video des Besuchs in Grünheide dies offensichtlich belegt, behauptet der CDU-Politiker nun, eine "wildgewordene Twittergemeinde" habe dieses Gerücht in die Welt gesetzt. In Wirklichkeit sei es nur eine "nette Übersetzung" einer Journalistenfrage gewesen, sagte er am Dienstag auf einer Veranstaltung mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) in Warnemünde (Video ab 21.38).

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Doch Laschets Behauptung entspricht nicht der Wahrheit. Seiner am vergangenen Freitag auf Englisch gestellten Frage an Elon Musk: "Was ist die Zukunft von Autos: Wasserstoff oder elektrisch?" ging in der Tat die Frage eines Journalisten voraus. Dieser fragte den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, ob er weiterhin der Ansicht sei, dass das Elektroauto keine Zukunft habe. Dabei bezog sich der Journalist auf ein Interview Laschets mit dem Handelsblatt vom Mai 2021 (Paywall).

Laschet im Mai: Elektroautos sind nicht die Zukunft

Darin hatte Laschet auf die Frage geantwortet, ob es einen Komplettumstieg auf Elektroautos geben wird: "Ich glaube nicht, dass dies die Mobilitätsform der nächsten 30 Jahre sein wird, auch wenn ich selbst ein Elektroauto fahre. Es gibt auch dort ökologische Auswirkungen etwa bei der Batterieerzeugung und der Gewinnung der Rohstoffe. Wir werden noch viele technologische Sprünge erleben."

An der Tesla-Baustelle in Grünheide wollte Laschet die Frage, ob er der Elektromobilität weiterhin keine Zukunftschancen einräumt, jedoch nicht selbst beantworten. Stattdessen reichte er sie an Elon Musk weiter (Video ab 3:25). Daher hat er die Frage nicht "übersetzt", zumal der Journalist den Begriff Wasserstoff gar nicht erwähnt hatte.

Journalist hat nicht Musk gefragt

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Nun sagte Laschet auf der RND-Veranstaltung auf die Frage, warum er Musk auf das Thema Wasserstoff angesprochen habe: "Ich habe ihn nicht darauf angesprochen. Es fragt einer ihrer Kollegen, was sagen Sie denn zu Wasserstoff, und wir haben vorher diese Frage erörtert untereinander. Was ist eigentlich die Zukunft von Wasserstoff und wie sieht das bei Lkws aus." Laschet verwies weiter darauf, dass Musk ein "Interessenvertreter seines Unternehmens" sei, es aber viele in Deutschland gebe, die sich für Wasserstoff engagierten.

Laschet fuhr fort: "Ihr Kollege fragt es, aus Nettigkeit, weil wir in dieser Stunde ein gutes Verhältnis gewonnen haben, übersetze ich ihm das auf Englisch, und daraus macht dann eine wildgewordene Twittergemeinde: 'Laschet fragt allen Ernstes Elon Musk, ob er Wasserstoff oder Elektromobilität für richtig hält'. Das ist ja eine absurde Frage. Er ist ja der Pionier der Elektromobilität. Völlig bescheuert ist man ja nicht, wenn man ihm eine Frage stellt. Also es war eine nette Übersetzung, das wird dann im Netz zusammengeschnippelt, alle erregen sich. Zehn Minuten später kommt dann der ganze Ausschnitt. So war die Story."

CDU biegt sich Wahrheit zurecht

Die von Laschet nun vorgetragene Version scheint jedoch eher die "Story" zu sein, die sich die CDU-Führung zurechtgelegt hat, um das Image ihres Spitzenkandidaten zu retten. Zumindest muss man sich die Gesprächssituation extrem zurechtbiegen, um aus der Journalistenfrage an Laschet eine "nette Übersetzung" für Musk zu machen. Damit wird eher das Image befeuert, wonach "Laschet lügt, sobald er ein Fernsehinterview gibt" (taz). Wenn Laschet ein "speziales [sic!] Klima der Desinformation" beklagt, sollte er nicht selbst dazu beitragen.

Wasserstoff in der Fahrzeugtechnik: Erzeugung, Speicherung, Anwendung (ATZ/MTZ-Fachbuch)

Auch eine andere Szene des Grünheide-Besuchs versuchte Laschet nun in ein besseres Licht zu rücken. Dabei ging es um Äußerungen Musks, wonach die Sorgen der Anwohner um eine Wasserknappheit in der Umgebung der Gigafactory "lächerlich" seien. Laschet behauptete zunächst unzutreffenderweise, dass sich darüber niemand empört habe. Dabei haben sich Anwohner und Umweltverbände umgehend entsetzt gezeigt.

Laschet bekennt sich zu E-Mobilität

Anschließend verteidigte er Musk mit den Worten: "Das zeigt aber, was für ein lockerer Typ er ist." Nach Ansicht Laschets dürfe man aber über die Anliegen der Anwohner nicht lachen, sondern müsse diese prüfen.

Zu guter Letzt bekannte sich der Kanzlerkandidat dann aber doch noch zur Elektromobilität und bezeichnete sie "als das Beste und Schnellste, um vom CO2-Ausstoß bei Benzinern und Diesel überzugehen in eine neue Mobilitätsform". Hätte er dies gleich in Grünheide auf die Frage des Journalisten geantwortet, wären ihm die gewundenen Erklärungsversuche sicherlich erspart geblieben.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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cubie2 22. Aug 2021

Jein. Pispers sagte sinngemäß "wir wählen alle 4 Jahre den Lokomotivführer, verlegen...

Knuspermaus 21. Aug 2021

Nein, Laschet hat ein RWE freundliches Gesetz auf den Weg gebracht, er ist ein Top Mann!

koelnerdom 20. Aug 2021

Danke! Ich hab das auch schon so oft gefragt. Ich find hier sicherlich auch nicht alles...

Weitsicht0711 20. Aug 2021

Sicher das immer nur zukünftig Werte genommen werden und nicht auch Werte von 2021...



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