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Travelers Box: Münzgeld am Flughafen tauschen

Wer viel reist, hat in der Regel ziemlich viel Kleingeld dabei, das nichts weiter als ein Souvenir ist. Die Travelers Box soll das Problem der überschüssigen Münzen lösen. Wir haben uns das System in Tokio angeschaut.
/ Andreas Sebayang
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Geldwechselsystem für Münzen (Bild: Travelers Box)
Geldwechselsystem für Münzen Bild: Travelers Box

Mit der Travelers Box(öffnet im neuen Fenster) versucht ein kleines Unternehmen, weltweit überschüssige Münzen einzusammeln, die Touristen in der Regel nur als Souvenir mit nach Hause nehmen. Wir haben uns die Box auf dem Flughafen Tokio-Narita demonstrieren und erklären lassen, wie sie das Grundproblem mit dem Kleingeld zumindest teilweise löst.

Die meisten Wechselstuben nehmen keine Münzen entgegen. Das Kleingeld landet deswegen nach einer Reise bestenfalls in Spendenboxen oder wird beim nächsten Mal wieder mitgenommen. Oft bleiben die Münzen aber auch für immer daheim in irgendeiner Kiste. So wird mitunter teuer produziertes Geld aus dem Verkehr gezogen und muss ersetzt werden. Denn die meisten Länder brauchen Kleingeld, und sei es nur für die im Handel beliebten Schwellenpreise.

Münzdigitalisierer

Die Kioske von Travelers Box nehmen auch Münzen an, allerdings wird das Geld nicht direkt umgetauscht. Vielmehr wird der Wert "digitalisiert" , wie das Unternehmen es nennt. Zur Auswahl stehen dabei unter anderem Paypal, iTunes und Skype. Das sind die für Europäer interessantesten Angebote. Da es sich um ein System für möglichst viele Touristen handelt, werden aber auch andere Guthaben-Systeme unterstützt.

Travelers Box - Trailer
Travelers Box - Trailer (02:04)

Chinesische Touristen deponieren ihr Geld beispielsweise gerne im Baidu Wallet oder auf Prepaid-Kreditkarten von Visa oder Master Card. Die beiden anderen großen Kreditkartensysteme JCB und Union Pay werden jedoch trotz des derzeitigen Fokus auf asiatische Touristen noch nicht unterstützt.

Die Bedienung der Travelers Box ist recht simpel. Der Nutzer muss nur das Geld einwerfen und eine E-Mail-Adresse angeben. Ein öffentliches Login in seine Zugänge findet nicht statt, was aus der Sicherheitsperspektive begrüßenswert ist. Man benötigt aber durchaus Vertrauen zum Dienstleister, denn eine Quittung gibt es nicht. Die eigentlichen Informationen kann sich der Anwender als QR-Code abfotografieren. Per E-Mail gibt es weitere Details, um das Geld auf ein virtuelles Konto zu transferieren. Das setzt natürlich voraus, dass der Anwender beim Eintippen der E-Mail-Adresse keinen Fehler macht.

Verlorenes Geld kann wiedergefunden werden

Laut Travelers Box kümmert sich der Kundenservice um solche menschlichen Fehler. In der Regel lässt sich anhand der Währung und der Summe ein Kunde zuordnen, der einen Fehler gemacht hat. Zudem weiß Travelers Box ja, wer bereits die Anleitungsschritte per E-Mail nachvollzogen hat.

Geld verdient Travelers Box durch einen fixen Anteil von 7 Prozent. Laut Travelers Box ist es damit günstiger als die Wechselstuben im Flughafen, was allerdings aufgrund der Masse an Flughäfen und Wechselstuben je Flughafen schwer kontrollierbar ist. Wer wirklich nur Kleinbeträge loswerden will, den wird das aber nicht unbedingt interessieren. Er ist froh, eine Option zu haben und einen Teil seines Geldes zurückzuerhalten.

Nicht alle Münzen werden angenommen

Wer hofft, sämtliches Kleingeld bei den Automaten loszuwerden, wird allerdings enttäuscht. Wirklich kleine Münzen wird man auch dort nicht los. Dafür aber prinzipiell mehrere Münztypen einer Rundreise. In Narita beispielsweise werden zwar vier Währungen entgegengenommen, aber die 1- und 5-Yen-Stücke wird man dort nicht los. Selbiges gilt für Euro, ausgeschlossen sind hier 1-, 2 und 5-Cent-Münzen, US-Dollar (ab dem Quarter) und chinesische RMB/CNY, bei dem die kleinste Einheit verweigert wird.

Die Anzahl der Währungen und auch, welche Währungen ein Automat entgegennimmt, bestimmt übrigens das Umfeld. In Japan, wo derzeit nur ein einzelner Automat als Pilotprojekt aufgestellt wird, geht man beispielsweise auch von Touristen aus, die China mitbesuchen oder in den USA waren. In Singapur, wo ebenfalls Boxen aufgestellt sind, sollen es mittelfristig mehr und andere Währungen werden. Gerade dieser Stadtstaat nimmt zahlreiche Gäste aus sehr vielen Ländern auf, die entsprechend viele Währungen mit sich führen.

Mit der Technik ist es aber nicht möglich, einen einzigen Einwurfschacht für alle Währungen anzubieten. In Narita haben die Automaten deswegen zwei Einwurfschächte für jeweils zwei Währungen. Zudem nimmt der Automat auch Scheine an. Der Hintergedanke hier ist wahrscheinlich, dass Touristen höhere Summen loswerden, so dass Travelers Box nicht nur an Kleinbeträgen verdient. Auch hier gibt es Einschränkungen. Die äußerst seltene 2.000-Yen-Banknote nimmt der Automat beispielsweise nicht an.

Die Travelers Box ist noch selten

Weltweit gibt es bisher nur 75 Automaten, verteilt auf sieben Länder; wo, ist hier nachzulesen(öffnet im neuen Fenster) . Gemessen an der Anzahl der Flughäfen und Länder, die es gibt, ist das natürlich sehr wenig - noch. Das System befindet sich im Aufbau. Die Macher müssen mit unterschiedlichen Gepflogenheiten der Länder umgehen, zudem gelten die Flughäfen als Verhandlungspartner als nicht einfach. Plätze dort sind begehrt, und es gibt natürlich auch Sicherheitsbedenken zu berücksichtigen.

Der Einsatz in Japan ist exemplarisch für die Komplexität der Aufgabe, denn dort wird das Pilotprojekt auch von den japanischen Flughäfen erst einmal kritisch betrachtet. Laut Travelers Box wird dort aufmerksam beobachtet, wie zufrieden die Besucher sind. In einem Land, in dem Technik und deren Qualität wichtig und technische Ausfälle kaum je sichtbar sind, darf nichts ausfallen; die Japaner würden unzuverlässige Automaten nicht akzeptieren.

Die Installation in Japan ist deswegen auch ein Sonderfall samt der ungewöhnlichen Position des Automaten. Der ist nämlich landseitig auf dem Flughafen aufgestellt. Sprich: vor der Sicherheitskontrolle. Normalerweise werden die Automaten auf der Luftseite installiert, was für Touristen besser ist. Wer zum Flughafen fährt, hat erst einmal das Gepäck abzugeben, guckt nervös auf die Uhr und will zumindest alle Hürden zum Abflug meistern. Im Sicherheitsbereich entspannt sich der Fluggast, geht auf Einkaufstour - und findet dabei zufällig so einen Automaten.

In den nächsten Jahren sollen noch mehr der Kioske von Travelers Box aufgestellt werden. 2017 werden beispielsweise die ersten Automaten in China erwartet. Auf welchen Flughäfen, wollte man uns nicht sagen. Wir gehen aber davon aus, dass Shanghai und Peking recht weit oben auf der Liste sind. China hat zwar Dutzende Millionenstädte, doch diese beiden gehören zu den bekanntesten.


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