Transport: DLR plant Testfeld für autonome Schiffe in Brandenburg
Autonome Systeme brauchen einen Ort, an dem sie getestet werden können. In Bayern oder Baden-Württemberg beispielsweise gibt es Testfelder für selbstfahrende Autos. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) will jetzt eines für Schiffe einrichten.
Das digitale Testfeld für Binnenschiffe soll an der Spree-Oder-Wasserstraße zwischen den Häfen Königs Wusterhausen und Eisenhüttenstadt in Brandenburg entstehen. Der Baubeginn ist für das kommende Jahr geplant. "Dort haben wir die Möglichkeit, einzelne Basistechnologien zu testen, die das Binnenschiff Schritt für Schritt weiter automatisieren", sagt Ralf Ziebold(öffnet im neuen Fenster) vom DLR-Institut für Kommunikation und Navigation in Neustrelitz(öffnet im neuen Fenster).
Die Spree-Oder-Wasserstraße sei dafür gut geeignet, weil dort nur wenige Binnenschiffe unterwegs seien und dadurch eine geringe Kollisionsgefahr herrsche, vor allem mit Gefahrguttransporten. Zudem gebe es dort wichtige Infrastrukturen wie Häfen und Schleusen.
Schiffe sollen selbstständig in die Schleuse fahren
Ein wichtiges Element für die autonome Schifffahrt ist der Einsatz von Satellitennavigationssystemen, allen voran das europäische System Galileo. Forscher arbeiten auch schon an Assistenzsystemen für Schiffe: Ziebold und sein Team entwickeln etwa derzeit die Technik, mit der Schiffe automatisch in eine Schleuse ein- und ausfahren können. Diese und vergleichbare Systeme könnten in Zukunft auf dem Testfeld ausprobiert werden.
Viel Güterverkehr wird derzeit über die Straße abgewickelt. Ziel der Politik ist, das zu ändern. "Der Bundesverkehrswegeplan sieht vor, dass bis zum Jahr 2030 der Güterverkehr mit Binnenschiffen um 23 Prozent wachsen soll. Dazu müssen wir diesen Verkehrsträger wettbewerbsfähiger machen", sagt Ziebold.
Systeme für autonome Navigation seien ein wichtiger Punkt, erklärte Ørnulf Jan Rødseth von der norwegischen Forschungsgesellschaft Sintef (Stiftelsen for industriell og teknisk forskning). Autonome Schiffe seien "eine neue Art von Transportsystem", das aber eher für neue Akteure attraktiv sei, sagte er im Gespräch mit Golem.de. Weiterer Vorteil der autonomen Schiffe: Sie brauchen einfache und zuverlässige Maschinen. Verbrennungsmotoren seien da weniger geeignet. "Deshalb werden diese Schiffe saubere Kraftstoffe einsetzen, das heißt Gasöl, Flüssigerdgas oder eben Akkus", sagte er.
Das britische Unternehmen Rolls Royce entwickelt seit einigen Jahren Systeme für ferngesteuerte und autonome Schiffe und hat diese auch schon getestet. In Norwegen wird derzeit die Yara Birkeland gebaut, das erste elektrisch angetriebene, autonome Frachtschiff.
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