Transparentes Notebook im Hands-on: Lenovos wunderlicher Durchguck-Laptop

Lenovo hat auf der Mobilfunkmesse MWC 2024 sein transparentes Laptop-Konzept vorgestellt. Das Gerät hat ein 17,3 Zoll großes Micro-LED-Display, das auf einem durchsichtigen Träger aufgebracht ist. Im ausgeschalteten Zustand oder bei dunklen Hintergründen ist der Bildschirm entsprechend transparent. Golem.de konnte sich den Konzept-Laptop bereits anschauen.
Die uns präsentierten Geräte hatten das Display auf volle Helligkeit voreingestellt - laut Lenovo sind das 1.000 cd/m². Entsprechend ließen sich die Inhalte in den nicht besonders hell beleuchteten Präsentationsräumen sehr gut erkennen. Bei weißen oder hellen Bildschirminhalten war die volle Bildschirmhelligkeit deutlich zu stark, längere Zeit lässt es sich so nicht arbeiten.
Wie gut es sich bei geringerer Bildschirmhelligkeit mit dem transparenten Display arbeiten lässt, konnten wir leider nicht ermitteln. Die Prototypen ließen sich nicht auf eine geringere Helligkeit einstellen. Bei den uns gezeigten Geräten konnten wir aber problemlos alltägliche Arbeiten erledigen - etwa Browsing oder auch Videos anschauen.
Auflösung mit 720p nicht besonders hoch
Videos sehen auf dem Micro-LED-Display recht beeindruckend aus Gehen wir aber zu nah ran, erkennen wir die relativ geringe 720p-Auflösung. Das fällt vor allem bei Inhalten mit Schrift auf. Auch die Farben sind mitunter eigenwillig: Auf allen uns gezeigten Geräten wurde Grau stets mit einem starken Magenta-Stich angezeigt. Das Panel stammt wahrscheinlich von AUO, die ein transparentes Display mit den gleichen technischen Daten im Angebot haben.

Schwarze Bildschirmhintergründe erscheinen komplett transparent. Entsprechend schwierig stellen wir uns die Nutzung mit derartigen Programmen vor, wenn die Umgebungshelligkeit sehr hoch ist. Lenovo sieht als einen Nutzungszweck die Arbeit von Architekten, die mit dem transparenten Display Entwürfe in der Realität anzeigen lassen sollen - quasi Augmented Reality ohne Headset. Über eine auf der Rückseite verbaute Kamera soll der transparente Laptop dank KI auch Dinge erkennen können - in unserem Fall eine Sonnenblume.
Gesamte Tastatur dient als Wacom-Tablet
Zeichnen können wir auf der kompletten Oberfläche der Tastatureinheit mithilfe eines Wacom-Stifts. Die Übertragung erfolgt im Verhältnis 1:1, was gewöhnungsbedürftig ist, die Bedienung als Mausersatz aber sehr vereinfacht. Schwebt der Stift über der Tastatureinheit, wird uns eine Art Mauszeiger angezeigt - wir wissen also immer, wo wir uns gerade auf dem Bildschirm befinden.
Entfernen wir den Stift von der Tastatureinheit, erscheint die Tastatur wieder. Wegen der Wacom-Einheit konnte Lenovo keine physische Tastatur verbauen, stattdessen wird diese eingeblendet. Tippen wir Texte auf dem transparenten Lenovo-Laptop, schlagen unsere Finger also immer auf eine Glasfläche, was nicht besonders angenehm ist. Zudem ist die Genauigkeit bei unseren Versuchen nicht besonders hoch gewesen. Unter der Tastatur ist ein Touchpad eingebaut, das nicht sehr präzise ist.
Bildschirminhalte sind aufgrund des transparenten Panels komplett von hinten sichtbar. Sollte das Konzept irgendwann mal zur Serienreife kommen, müsste sich Lenovo irgendetwas einfallen lassen, um zu verhindern, dass jeder die Inhalte sehen kann. Das Notebook hat USB-C-Anschlüsse, zu Hardwaredetails hat Lenovo keine Angaben gemacht. Bei dem Konzept geht es in erster Linie um das Display und die Tastatur.
Fazit
Lenovos transparentes Notebook ist ein interessantes Konzept. Wir stellen uns aber die Frage, wofür man das Gerät brauchen könnte. Transparente Displaytechnologie verfügt immer über einen gewissen Wow-Faktor, im Alltag sehen wir aber zahlreiche Probleme.










Das wesentliche Problem ist für uns Privacy: Jeder, der uns gegenübersitzt, kann alle Inhalte auf dem Laptop erkennen. Im Alltag wäre für uns ein derartiges Gerät entsprechend nicht nutzbar. Zudem halten wir das Notebook nicht für Arbeiten, in denen akkurate Farben wichtig sind, geeignet.
Die AI-Funktionen sind interessant. Inwieweit diese für Nutzer im Alltag aber wichtig sein werden, ist die Frage. Grundsätzlich dürfte ein transparenter Laptop eher ein Nischengerät sein - sofern das Notebook überhaupt auf den Markt kommt. Informationen zu einem Veröffentlichungszeitpunkt hat Lenovo noch nicht geteilt.



