Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Trainingsmaterial: Indische Fabrikarbeiter filmen sich für KI-Roboter

Unternehmen zapfen indische Fabriken als Datenquelle für humanoide Roboter an. Die Arbeiter liefern die Aufnahmen – und wissen oft nicht, warum.
/ Andreas Donath
8 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Ein Optimus-Roboter von Tesla - hier noch ferngesteuert (Bild: X / Screenshot: Golem.de)
Ein Optimus-Roboter von Tesla - hier noch ferngesteuert Bild: X / Screenshot: Golem.de

Nach einem Bericht des britischen Guardian(öffnet im neuen Fenster) haben einige indische Fabrikarbeiter kleine Kameras zusammen mit der Anweisung erhalten, sich diese vor Schichtbeginn an die Stirn zu schnallen.

Indische Fabrikarbeiter liefern Trainingsdaten für Roboter

Die Bewegungsabläufe werden als sogenannte egozentrische Daten erfasst. Damit sind Aufnahmen menschlicher Arbeit aus der Ich-Perspektive gemeint, die Robotern beibringen sollen, wie sie in der realen Welt funktionieren sollen. Sprachmodelle lernen aus Texten im Netz, humanoide Roboter brauchen echte Aufnahmen menschlicher Arbeit, um Bewegungen zu verstehen und nachzuahmen. Indien ist dabei zu einem zentralen Lieferanten dieser Daten geworden, wie der Guardian berichtet.

Firmen wie Egolab, Humyn AI, FPV Labs, Objectways und Scale AI beteiligen sich an dem Geschäft. Egolab nennt beispielsweise Tesla als Kunden. Tesla-Chef Elon Musk prophezeite schon vor längerer Zeit, dass humanoide Roboter künftig rund 80 Prozent des Unternehmenswertes ausmachen könnten.

Fabriken bekommen Geld, Arbeiter bekommen nichts

Während Datenerfassung in den USA rund 30 US-Dollar pro Stunde koste, lasse sich vergleichbare Arbeit in Indien für weniger als ein Sechstel davon erledigen, so ein Unternehmer gegenüber dem Guardian. Fabriken werden dafür bezahlt, dass sie Zugang gewähren. Arbeiter hingegen werden in vielen Fällen gar nicht separat vergütet.

Einwilligung über den Chef ist keine echte Einwilligung

Mehrere beteiligte Unternehmen erklärten, dass sie Zustimmung über das Fabrikmanagement einholen, nicht direkt von den Beschäftigten. Forscher und Arbeitnehmervertreter bezweifeln, dass das als informierte Einwilligung gelten kann, vor allem dort, wo Arbeitsverhältnisse unsicher sind oder über Subunternehmer laufen. Hinzu kommt: Die Aufnahmen wurden offenbar nicht nur für Robotertraining genutzt. Dokumente, die Scroll.in vorliegen, deuten darauf hin, dass einige Unternehmen aus denselben Aufnahmen Produktivitätsberichte erstellen und Leerlaufzeiten sowie Interaktionen zwischen Beschäftigten auswerten.


Relevante Themen