Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Trade Republic in der Kritik: Kunden beklagen lange Wartezeiten bei Depotübertragungen

Etliche Banken werfen Trade Republic vor, Depotübertragungen zu langsam durchzuführen. Eine Bank fordert ein Einschreiten der Bafin.
/ Ingo Pakalski
1 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Trade Republic lässt sich laut Kunden bei Depotüberträgen viel Zeit. (Bild: Trade Republic)
Trade Republic lässt sich laut Kunden bei Depotüberträgen viel Zeit. Bild: Trade Republic

Immer wieder finden sich in Foren und sozialen Netzwerken Schilderungen von Trade-Republic-Kunden, die sich über lange Wartezeiten bei Depotübertragungen beklagen. Die Wirtschaftswoche(öffnet im neuen Fenster) hat sich derartige Probleme von etlichen anderen Banken und Brokern bestätigen lassen. Andere Geldinstitute bemerkten hingegen keine auffälligen Verzögerungen bei Trade Republic.

Die Zeitung fand etliche Schilderungen Betroffener, die sich beklagen, dass sie zum Teil seit Monaten darauf warten, dass ein Depot von Trade Republic zu einem anderen Institut übertragen wird. Die Bankenaufsicht Bafin fordert, dass ein Depotwechsel nicht länger als drei Wochen dauern sollte.

Zum Teil ärgern sich die Betroffenen, dass sie von Trade Republic keine Hilfe erhalten und lediglich standardisierte KI-Antworten erhalten, die das Problem nicht lösen können. Gerade Probleme mit dem Support von Trade Republic sind schon länger bekannt .

Banken und Broker kritisieren Trade Republic

Etliche Institute wie DKB, Smartbroker, SBroker, die Consorsbank und ein nicht näher spezifiziertes Fondshaus berichten der Wirtschaftswoche, dass es immer wieder Verzögerungen gebe, wenn ein Depot von Trade Republic übertragen werden soll. Dabei werde die Bafin-Vorgabe oft überschritten.

Übereinstimmend verweisen sie darauf, dass die Probleme mit Trade Republic größer als mit anderen Anbietern seien. Dies wurde der Wirtschaftswoche von anderen Finanzinsidern bestätigt. Nach Beobachtung der Zeitung dominiere Trade Republic mittlerweile große Teile des Brokermarktes und dürfte daher mehr Depotwechsel abwickeln müssen als andere Wettbewerber.

Die Zeitung konnte Zahlen der Deutschen Wertpapierservice Bank (DWP Bank) einsehen. Sie gilt als zentrale Abwicklungsstelle für Wertpapiertransaktionen. Demnach kam es 2024 bei 2,1 Prozent der etwa 2,5 Millionen Depotüberträge zu Verzögerungen. Aktuellere Zahlen sind nicht bekannt.

Trade Republic widerspricht

Trade Republic widerspricht den Schilderungen der Wettbewerber. "In neun von zehn Fällen dauert ein Depotübertrag unsererseits weniger als fünf Tage" , sagte eine Sprecherin. Ob und wann die Wertpapiere im neuen Depot des Kunden verbucht würden, hänge von den anderen Brokern ab, die dann dafür verantwortlich seien.

Andere Geldinstitute wie die Berliner Volksbank und Scalable Capital stellten hingegen keine auffälligen Probleme speziell mit Trade Republic fest. Neben Klagen zu Problemen bei der Depotübertragung gibt es im Internet auch Schilderungen, dass alles bei Trade Republic reibungslos nach wenigen Tagen übertragen gewesen sei.

Nach Angaben der Wirtschaftswoche gab es im März 2025 eine Prozessumstellung bei Trade Republic, die in der Brokerszene kritisiert wurde. Wer ein Depot zu einem anderen Anbieter übertragen wolle, muss das in der App anstoßen. Konkurrenten geben an, dass von ihnen initiierte Depotüberträge ignoriert würden.

Trade Republic automatisiert Depotübertragung

Meistens müssen wechselwillige Kunden ein PDF-Formular ausfüllen, das dann von Mitarbeitern manuell bearbeitet und überprüft wird. Bei Trade Republic hingegen soll nun alles automatisiert laufen. Die Konkurrenz kritisiert, dass es nicht funktioniere, wie es Trade Republic mache. Kunden müssten seitdem alle Angaben selbst eintragen, etwa auch zur Depotbank. "Dies führt naturgemäß zu Mehraufwand und Rückfragen auf Kundenseite" , kommentiert ein Flatex-Sprecher.

Ein SBroker-Sprecher konstatiert, dass "mit Trade Republic teilweise zusätzliche Anforderungen und Abstimmungen notwendig" seien, "was in einigen Fällen zu einem erhöhten Bearbeitungsaufwand" führe. Ein Sprecher der Consorsbank berichtet: "Bei anderen Finanzdienstleistern war die Kommunikation und Abstimmung schneller umsetzbar."

Trade Republic bestreitet dies und betont: "Wir sind erreichbar und haben den Anspruch, Depotwechsel so schnell wie möglich durchzuführen." Der neue Prozess mache Depotüberträge nicht fehleranfälliger, heißt es, das Gegenteil sei der Fall.

Smartbroker verlangt Einschreiten der Bafin

"Beim automatisierten Prozess unterlaufen deutlich weniger Fehler, weil die Angaben nicht manuell übertragen werden" , meint die Sprecherin. Kunden würden direkt in der App darauf hingewiesen, falls etwa eine falsche Depotnummer angegeben wurde.

Thomas Soltau, Chef von Smartbroker, kritisiert Trade Republic ebenfalls: Der neue Übertragsprozess bei Trade Republic sei "eine nicht hinnehmbare Praxis zum Nachteil vieler Kundinnen und Kunden" . Er verlangt von der Bafin, sich die Angelegenheit genauer anzusehen.


Relevante Themen