Tracking im U-Bahn-Tunnel: Überwachung per Beschleunigungsmesser

Wer dachte, er sei im U-Bahn-Tunnel vor Spionen sicher, muss umdenken: Chinesische IT-Sicherheitsforscher haben Bewegungsprofile mit Hilfe des Beschleunigungsmessers in Smartphones erstellt(öffnet im neuen Fenster) . Dazu wird weder ein GPS-Signal, eine WLAN-Verbindung noch eine Verbindung zum Funkturm benötigt.
Jede U-Bahn-Strecke weltweit ist einmalig, sie bestehen aus exakten unveränderbaren Wegstrecken. Die darauf fahrenden U-Bahnen beschleunigen bis zur Höchstgeschwindigkeit und bremsen dann vor der nächsten Station wieder ab. Diese eindeutigen Beschleunigungsprofile lassen sich mit den Messungen vergleichen, die eine Spionagesoftware auf dem Smartphone über den Beschleunigungsmesser übermittelt. Da U-Bahnen meist eine konstantere Beschleunigung haben, lassen sich deren Bewegungsdaten von denen in Autos oder Bussen deutlich unterscheiden.
Hohe Trefferquote
In ihren Tests haben die Forscher an der Nanking-Universität eine Trefferquote zwischen 70 und 92 Prozent erzielt. Eine derartige Spionagesoftware könne auch weitgehend unbemerkt auf dem Gerät eines Opfers installiert werden, schreiben die Forscher. Für den Zugriff auf den Beschleunigungsmesser benötigen Apps keine besonderen Berechtigungen. Und anders als bei Funkverbindungen wird der Zugriff darauf auf Smartphones nicht angezeigt. Smartwatches und Fitnessarmbänder haben ebenfalls Beschleunigungsmesser integriert.
Die Wegstrecken der U-Bahnen – selbst weltweit – lassen sich in vergleichsweise kleinen Datensätzen erfassen und ein Abgleich mit entsprechender Hardware und Big-Data-Software vermutlich schnell erzielen. So könnte beispielsweise ein Treffen zweier Personen in den öffentlichen Verkehrsmitteln entdeckt werden, auch wenn diese an unterschiedlichen Stationen ein- und aussteigen.
Hoher Akkuverbrauch verrät die Spionage-App
Um eine solche Überwachung zu entdecken, müssten Nutzer auf Unregelmäßigkeiten im Akkuverbrauch ihres Geräts achten, denn der stete Zugriff auf den Beschleunigungsmesser benötige auffallend viel Leistung.
Erst kürzlich hatten Forscher an der Universität Stanford und dem staatlichen israelischen Rüstungsunternehmen Rafael die Trackingmethode Powerspy beschrieben, die ebenfalls ohne GPS oder eine überwachte WLAN- oder Mobilfunkverbindung auskam. Sie nutzten dafür die Leistungsaufnahme des Modems eines Smartphones und verglichen sie ebenfalls mit Profilen von zuvor erfassten Wegstrecken.



