Abo
  • IT-Karriere:

Tracking: Google und Facebook tracken auch auf vielen Pornoseiten

Forscher haben mehr als 22.000 Pornowebseiten auf Trackingdienste untersucht - und dort auch Google und Facebook gefunden. Diese geben jedoch an, die Daten nicht zu verwenden.

Artikel veröffentlicht am ,
Offline-Pornos - sicher vor Google.
Offline-Pornos - sicher vor Google. (Bild: Spencer Platt/Getty Images)

Google und Facebook schauen Internetnutzern in einem Großteil des Netzes über die Schulter und erfassen, was diese so treiben - auch wenn sie sich Pornowebseiten im Inkognito-Modus des Browsers anschauen. In einer Studie wurden 22.484 Pornowebseiten auf Tracker untersucht. 93 Prozent der Seiten sendeten Daten an durchschnittlich sieben Drittparteien. In 74 Prozent der Fälle war Google eingebunden. Dies berichtete zuerst die New York Times.

Stellenmarkt
  1. Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Esslingen am Neckar
  2. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden

"Die Pornoseiten müssen mehr darüber nachdenken, wie sie mit den Daten umgehen, und dass diese ähnlich sensibel wie Gesundheitsinformationen sind", sagte Hauptautorin Elena Maris von Microsoft Research der New York Times. Der Schutz dieser Daten sei für die Sicherheit der Besucher entscheidend. Gemeinsam mit Timothy Libert von der Carnegie Mellon Universität und Jennifer Henrichsen von der Universität Pennsylvania scannte Maris die Pornowebseiten mit dem Open-Source-Tool WebXray nach Inhalten von Drittseiten. Auf drei von vier Webseiten entdeckten sie Tracker von Google oder dessen Tochterunternehmen, Oracle bekam Daten von 24 Prozent der untersuchten Seiten, Facebook war auf jeder zehnten integriert. Ironischerweise ist auf Facebook Nacktheit strikt tabu.

Die meisten Tracker arbeiteten mit Cookies, manche setzten auf Tracking-Pixel. Dabei hatten nur 17 Prozent der untersuchten Webseiten eine Datenschutzerklärung vorzuweisen. Diese seien allerdings ohne eine zweijährige College-Ausbildung nicht zu verstehen gewesen, schreiben die Autoren der Studie. Ebenfalls nur 17 Prozent der Pornoseiten setzten eine Transportverschlüsselung ein.

Facebook und Google wollen die Daten nicht verwenden

Was die Unternehmen mit den gesammelten Informationen machen, ist weitgehend unbekannt. Oracle gehört zu den großen Datenhändlern, die mit dem Verkauf detaillierter Profile von Menschen und ihren Interessen Geld verdienen. Auf eine Nachfrage der New York Times antwortete Oracle nicht.

Google gibt an, die Daten nicht zu verwenden: "Wir erlauben keine Google-Werbung auf Websites mit Inhalten für Erwachsene und verbieten personalisierte Werbung und Werbeprofile, die auf den sexuellen Interessen eines Nutzers oder damit verbundenen Aktivitäten im Internet basieren." Was das Unternehmen ansonsten mit den erhobenen Daten macht, bleibt unklar. Fakt ist, dass Google in einen Großteil der Pornoseiten integriert wurde und die entsprechenden Daten erhält.

Facebook äußerte sich gegenüber der New York Times ähnlich. Ein Sprecher betonte, dass die Community-Richtlinien des Unternehmens eine Verwendung der hauseigenen Trackingtools auf Pornoseiten verbieten würden. Der Sprecher deutete an, dass Facebook die Tracker blockiere, wenn es von einer solchen Verwendung erfahre.

Allein die meisten URLs verraten den Inhalt

Doch selbst wenn die Unternehmen die Trackingdaten von Pornowebseiten tatsächlich nicht verwendeten, reichten oft schon die URLs, die auch auf anderen Wegen in den Logs der Tracking-Unternehmen landen können. Google wertet beispielsweise den Verlauf des hauseigenen Chrome-Browsers aus, wenn die Nutzer dessen Syncing-Dienst aktiviert haben. Laut der Studie legen knapp 45 Prozent der untersuchten URLs den Inhalt der Website offen oder deuten ihn stark an. Hieraus lassen sich wiederum Rückschlüsse auf die sexuelle Identität oder Orientierung des Betrachters ziehen.

Dabei wissen die Nutzer üblicherweise nicht, dass sie beobachtet werden. "Wie bei jeder sexuellen Interaktion darf Schweigen nicht mit Zustimmung verwechselt werden", sagt Maris. Auch sollten den Nutzern die Machtdynamiken klar sein. "Sie haben hier einige der mächtigsten Unternehmen der Welt." Gegen diese habe der Konsument kaum eine rechtliche Handhabe, wenn die Daten in die falschen Hände gelangen sollten.



Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. Smartphones, TVs, Digitalkameras & Tablets reduziert)
  2. 139,99€ (Bestpreis - nach Abzug 20€-Coupon)
  3. 749,00€
  4. 199,00€

Abendschnee 04. Aug 2019

So weiss zB Facebook nicht nur die Telefonnummer über WhatsApp sondern auch gleich alle...

trinkhorn 22. Jul 2019

Das WLAN und GPS ausgeschaltet sind ab dem Tag wo man, irgendwo im Wald, das Tablet das...

Apfelbaum 21. Jul 2019

Was erregt dein Gemüt entsprechend, dass du das hier teilen musst?

azeu 20. Jul 2019

Der Gedanke mag uns heute etwas schrecklich erscheinen in Bezug auf all unsere Sci-Fi...

marcel151 20. Jul 2019

Ist ja schön und gut, dass man es veranschaulichen will, aber muss es gleich ein Bild mit...


Folgen Sie uns
       


Nokia 6.2 und 7.2 - Hands on

Das Nokia 6.2 und das Nokia 7.2 sind zwei Android-Smartphones im Mittelklassesegment. Beide sind Teil des Android-One-Programms und dürften entsprechend schnelle Updates erhalten.

Nokia 6.2 und 7.2 - Hands on Video aufrufen
WLAN-Kameras ausgeknipst: Wer hat die Winkekatze geklaut?
WLAN-Kameras ausgeknipst
Wer hat die Winkekatze geklaut?

Weg ist die Winkekatze - und keine unserer vier Überwachungskameras hat den Dieb gesehen. Denn WLAN-Cams von Abus, Nest, Yi Technology und Arlo lassen sich ganz einfach ausschalten.
Von Moritz Tremmel

  1. Wi-Fi 6 Router und Clients für den neuen WLAN-Standard
  2. Wi-Fi 6 und 802.11ax Was bringt der neue WLAN-Standard?
  3. Brandenburg Vodafone errichtet 1.200 kostenlose WLAN-Hotspots

Gemini Man: Überflüssiges Klonexperiment
Gemini Man
Überflüssiges Klonexperiment

Am 3. Oktober kommt mit Gemini Man ein ambitioniertes Projekt in die deutschen Kinos: Mit HFR-Projektion in 60 Bildern pro Sekunde und Will Smith, der gegen sein digital verjüngtes Ebenbild kämpft, betreibt der Actionfilm technisch viel Aufwand. Das Seherlebnis ist jedoch bestenfalls komisch.
Von Daniel Pook

  1. Filmkritik Apollo 11 Echte Mondlandung als packende Kinozeitreise

Rohstoffe: Lithium aus dem heißen Untergrund
Rohstoffe
Lithium aus dem heißen Untergrund

Liefern Geothermiekraftwerke in Südwestdeutschland bald nicht nur Strom und Wärme, sondern auch einen wichtigen Rohstoff für die Akkus von Smartphones, Tablets und Elektroautos? Das Thermalwasser hat einen so hohen Gehalt an Lithium, dass sich ein Abbau lohnen könnte. Doch es gibt auch Gegner.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Wasserkraft Strom aus dem Strom
  2. Energie Wie Mikroben Methan mit Windstrom produzieren
  3. Erneuerbare Energien Die Energiewende braucht Wasserstoff

    •  /