Tracking: Der verräterische Fingerabdruck des Browsers

Ein Student erforscht, ob er Internetnutzer anhand der Informationen, die ihr Browser preisgibt, wiedererkennen kann. Er kann. Die Spuren zu verwischen, ist schwierig.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Beuth/Zeit Online
Der Browser verrät viel.
Der Browser verrät viel. (Bild: Screenshot Golem.de)

Henning Tillmann sammelt Daten. Daten über Browser. Für seine Diplomarbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin untersucht der Informatikstudent, ob er Internetnutzer - beziehungsweise Endgeräte - auch ohne den Einsatz von Cookies wiedererkennen kann. So viel vorweg: Er kann. Schuld sind die Informationen, die der Browser preisgibt, ohne dass der Nutzer etwas davon mitbekommt. Browser-Fingerprinting nennt Tillmann sein Projekt - er nimmt digitale Fingerabdrücke.

Stellenmarkt
  1. IT-Specialist Operations (m/w/d)
    über Hays AG, Springe
  2. Fachinformatiker (w/m/d) Schwerpunkt Microsoft Client, Server
    Computacenter AG & Co. oHG, verschiedene Standorte
Detailsuche

Um eine möglichst aussagekräftige Datenbasis zu bekommen, stellt Tillmann unter bfp.henning-tillmann.de sein Projekt vor und bittet um zwei Klicks. Einen für die Einwilligung, dass Daten erhoben und ausgewertet und später zusammen mit allen anderen Daten der Diplomarbeit in anonymisierter Form veröffentlicht werden - einen Klick für die Teilnahme.

Anschließend bekommt jeder Teilnehmer zu sehen, was sein Browser über ihn und seinen Computer verrät. Mehr als zwei Dutzend Datenkategorien - darunter IP-Adresse, Betriebssystem, Bildschirmauflösung, Sprache, Farbtiefe, Plug-ins und installierte Schriftarten - ergeben den Fingerabdruck.

Insbesondere die Schriftarten können verräterisch sein, sagt Tillmann. Wer zusätzlich zu seinem Standardpaket noch weitere Schriftarten installiert, sei schon anhand von insgesamt drei bis vier Datentypen wiedererkennbar. Abgesehen davon "sind, wenn man sich zum Beispiel die Schriftart einer bestimmten Partei installiert, auch persönliche Vorlieben erkennbar".

Golem Akademie
  1. Terraform mit AWS: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    14.–15. Dezember 2021, Virtuell
  2. Jira für Systemadministratoren: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    9.–10. Dezember 2021, virtuell
Weitere IT-Trainings

Tillmann ist nicht der Erste, der diese digitalen Fingerabdrücke untersucht. Die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hatte bereits Anfang 2010 auf das Problem der verräterischen Browser hingewiesen.

Bislang kaum erforscht

Ansonsten ist das Phänomen aber kaum erforscht. Tillmann möchte herausfinden, wie verlässlich die Identifizierung über den Browser funktioniert. Geht es auch noch, wenn jemand Änderungen an seinem System vornimmt, ein Update beispielsweise? Wie eindeutig sind bestimmte Konfigurationsmerkmale? Und wie kann sich der Nutzer vor dieser Möglichkeit des Trackings schützen?

Denn natürlich wissen längst auch Spezialisten für Onlinewerbung, dass sie Nutzer auf diesem Wege wiedererkennen könnten. Bislang setzen sie auf Cookies - kleine Textdateien, die beim Besuch einer Website auf dem Rechner des Nutzers abgelegt werden und diesen zweifelsfrei wiedererkennen, wenn er die Seite noch einmal aufruft. Aber einen Cookie zu löschen oder gar nicht erst zu akzeptieren, ist leicht. Dafür bietet jeder Browser die entsprechenden Einstellungsmöglichkeiten.

Die sogenannten Super-Cookies, also zum Beispiel Flash-Cookies, zu löschen, ist schon aufwendiger. Hier können aber Add-ons wie Betterprivacy helfen. Wenn aber irgendwann die E-Privacy-Richtlinie der Europäischen Union - auch Cookie-Richtlinie genannt - dazu führt, dass mehr und mehr Nutzer Cookies ablehnen, dann könnten Websitebetreiber versucht sein, auf das Browser-Fingerprinting auszuweichen.

Um den Fingerabdruck des Browsers zu verwischen, müsste ein Nutzer Flash und Java sowie Javascript deaktivieren, sagt Tillmann. Denn dann lassen sich besonders signifikante Daten wie die Schriftarten und Plug-ins nicht mehr auslesen. Weil aber viele Websites ohne Flash und Javascript nur eingeschränkt nutzbar sind, kommt diese Lösung für viele nicht infrage.

Die EFF empfiehlt, den TorButton einzusetzen, der mittlerweile Teil des sogenannten Tor Browser Bundles ist. Dieses Programmpaket aus einem modifizierten Firefox-Browser, dem Anonymisierungsdienst Tor und eben dem TorButton sollte jeder installieren, der sich anonym im Netz bewegen will. Der TorButton deaktiviert aber ebenfalls Javascript und das Flash-Plug-in. Der Preis für die Anonymität ist deshalb ein Verlust an Bequemlichkeit.

Das Projekt von Tillmann läuft noch bis zum 15. Dezember. Die gesamte Arbeit mit den ermittelten - aber anonymisierten - Daten wird im Anschluss nach Open-Science-Prinzipien öffentlich zugänglich sein.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


f:kc 10. Dez 2012

:-) Und die RFID-Chips in deinen Schuhen zerstörst du mit einem RFID-Killer? Irgendwie...

NeverDefeated 08. Dez 2012

Tja, das kommt dabei heraus, wenn man sich mal etwas Tipparbeit spart, weil man davon...

Lala Satalin... 07. Dez 2012

Wenn ich mir jetzt ein Monitor mit > FullHD kaufe, ist mein Browser ja bereits Unique...

emkay443 07. Dez 2012

Wie bitteschön willst du mit den Informationen über seinen Browser, OS, Java, Flash...

S-Talker 06. Dez 2012

Fingerabdruck: Ein (A) relativ eindeutiges und (B) nur schwer veränderliches Merkmal und...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Kursabsturz
Teamviewer-Chef spricht über schwere hausgemachte Fehler

Die vielen neuen Mitarbeiter seien nicht richtig eingearbeitet worden. Und die Ziele von Teamviewer seien zu hochgesteckt gewesen, sagt Oliver Steil.

Kursabsturz: Teamviewer-Chef spricht über schwere hausgemachte Fehler
Artikel
  1. Amazon-Go-Konkurrenz: Rewe eröffnet ersten kassenlosen Supermarkt
    Amazon-Go-Konkurrenz
    Rewe eröffnet ersten kassenlosen Supermarkt

    Kameras und Sensoren überwachen Kunden in Rewes kassenlosem Supermarkt. Bezahlt wird mit dem Smartphone.

  2. NDR und Media Broadcast: Fernsehen über 5G wird breit ausgestrahlt
    NDR und Media Broadcast
    Fernsehen über 5G wird breit ausgestrahlt

    Fernsehen kann auch über 5G laufen. Auf 578 MHz kann das jetzt ausprobiert werden. NDR und Media Broadcast machen es möglich.

  3. Smartphone-Tarife: Tchibo bietet Jahres-Tarif mit 72 GByte
    Smartphone-Tarife
    Tchibo bietet Jahres-Tarif mit 72 GByte

    In diesem Jahr stehen drei unterschiedliche Jahres-Tarife für Tchibo-Kunden zur Wahl.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Speicherprodukte von Sandisk & WD zu Bestpreisen (u. a. Sandisk SSD Plus 2TB 140,99€) • Sapphire Pulse RX 6600 497,88€ • Epos H3 Hybrid Gaming-Headset 144€ • Apple MacBook Pro 2021 erhältlich ab 2.249€ • EA-Spiele für alle Plattformen günstiger • Samsung 55" QLED 699€ [Werbung]
    •  /