Trackday Hypercar: McMurtry zeigt kopfüber fahrendes E-Auto

Der englische Supercar-Hersteller McMurtry Automotive hat den weltweit ersten Fahrversuch durchgeführt, bei dem sich ein Auto durch Aerodynamik aus eigener Kraft kopfüber an der Decke hält(öffnet im neuen Fenster) . Das dafür verwendete E-Hypercar Spéirling ist mit einem elektrischen Ventilator ausgestattet, der bis zu zwei Tonnen Abtrieb generieren kann, rund das Doppelte des Fahrzeuggewichts inklusive Fahrer.
Weil der Abtrieb (Downforce) unabhängig von der Geschwindigkeit des Autos erzeugt wird, braucht es keinen langen Tunnel oder eine vergleichbare Teststrecke. Eine einfache Rampe mit einem drehbaren Straßenabschnitt genügt. Das Risiko bei einem Ausfall ist gering, das Auto würde nur wenige Zentimeter auf den Boden fallen.
Firmen-Mitgründer Thomas Yates steuerte den Spéirling bei der ersten Fahrt auf die Testplattform und aktivierte dort den elektrischen Lüfter, der das 980 Kilogramm schwere Fahrzeug an den Boden saugt. Abzüglich Fahrzeuggewicht und Fahrer bleibt rund eine Tonne an Bodenhaftung übrig. Eine Drehung auf den Kopf und eine Fahrt von ein paar Zentimetern verliefen problemlos, mehr gab die Länge der Testplattform nicht her.
E-Autos haben große Vorteile für Stunts dieser Art
Die Idee, mit einem Rennwagen kopfüber zu fahren, ist nicht neu. Ein Formel-1-Auto könnte theoretisch ebenfalls kopfüber fahren, in der Praxis gibt es aber gleich mehrere Gründe(öffnet im neuen Fenster) , die einen solchen Stunt fast unmöglich machen.
Genügend Abtrieb erzeugen diese Fahrzeuge nur bei hoher Geschwindigkeit. Lange Tunnel gibt es zwar, eine ebene und gleichmäßige Fahrbahn jedoch auch dort nur am Boden. An den Seiten und der Decke gibt es Notausgänge, Schilder, Beleuchtung, Belüftung und teilweise unsanfte Übergänge zwischen Tunnelsegmenten.
Der Abtrieb muss außerdem das Fahrzeuggewicht überwinden und zusätzlich genügend Bodenhaftung für eine stabile Fahrt erzeugen. Bereits kleine Unebenheiten, die am Boden keine Probleme bereiten, könnten durch die geringe Bodenhaftung bei einer Kopfüberfahrt zum Kontrollverlust und damit zum Absturz führen. Es bleibt also nur die Konstruktion einer speziell für den Versuch ausgelegten Teststrecke.
Leistung und Abtrieb in jeder Lage
Verbrennungsmotoren aus dem Automobilbereich sind außerdem weitgehend ungeeignet für eine solche Fahrt, da sie nicht lageunabhängig sind. Gerade im Rennsport sind die Aggregate zwar auf hohe Fliehkräfte ausgelegt, auf dem Kopf funktioniert aber insbesondere die Ölversorgung nicht mehr richtig, es bräuchte hierfür spezielle Anpassungen. Das gilt besonders, weil der Motor nicht nur lauffähig sein, sondern in dieser Phase auch volle Leistung liefern muss.
Der Spéirling hat diese Probleme nicht. Als reines Trackday-Auto ist das Fahrzeug für den Freizeiteinsatz auf Rennstrecken ausgelegt. Da es keiner Rennserie angehört, ist der Abtrieb durch einen Ventilator erlaubt. In Rennserien wie der Formel 1 wurde das Konzept verboten, offiziell aus Sicherheitsgründen. Inoffiziell spielte wohl die Fairness eine Rolle, denn bei dessen einzigem Renneinsatz mit Niki Lauda am Steuer(öffnet im neuen Fenster) war das Auto unschlagbar.
Hohen aerodynamischen Abtrieb unabhängig von der Geschwindigkeit erzeugen zu können, erlaubt bessere Beschleunigung aus dem Stand sowie deutlich höhere Kurvengeschwindigkeiten in langsamen Bereichen, in denen herkömmliche Aerodynamik mangels schnellem Luftstrom kaum einen Effekt hat.