Abo
  • Services:

Tourismus-Studie: Autonome Autos werden zu fahrenden (Stunden-)Hotels

Welche Auswirkungen haben autonome Autos auf den Tourismus? Eine Studie widerspricht verbreiteten Annahmen über einen Rückgang des Verkehrs und eine Entlastung der Städte.

Artikel veröffentlicht am ,
Wie werden sich autonome Autos auf den Tourismus auswirken?
Wie werden sich autonome Autos auf den Tourismus auswirken? (Bild: Daimler)

Während manche Experten die Entlastung von Städten durch selbstfahrende Autos erwarten, rechnen andere sogar mit mehr Verkehr durch eine komfortablere Nutzung der Fahrzeuge. Zu einer ähnlich gespalteten Einschätzung kommen auch Wissenschaftler der britischen Universitäten Oxford und Surrey, die die möglichen Auswirkungen autonomer und vernetzter Autos auf den Tourismus untersucht haben. Auch wenn vieles davon Spekulation bleiben muss, können demnach die Folgen der neuen Technik weit über den eigentlichen Transportsektor hinausgehen.

Stellenmarkt
  1. HMS Technology Center Ravensburg GmbH, Ravensburg
  2. TeamBank AG, Nürnberg

Wie die Pläne der Google-Schwesterfirma Waymo zeigen, können autonome Autos durchaus schon in absehbarer Zeit auf öffentlichen Straßen kommerziell im Einsatz sein. In ihrer zehnseitigen Studie gehen die Forscher schon im Jahr 2025 von einem Massenmarkt in Asien, den USA und Europa aus.

Für Touristen könnte die Nutzung der autonomen Autos im Vergleich zu bisherigen Mietwagen etliche Vorteile bringen. So könnten sie das Fahren sicherer machen, da die Gefahren durch Übermüdung wegen des Jetlag und durch Unkenntnis der lokalen Verkehrsregeln wegfielen. Zudem könnten auch ältere oder behinderte Menschen einen besseren Zugang zu einem individuellen Transportmittel bekommen. Ebenfalls wichtig: Die Fahrtzeit im Auto wird "nützlicher", weil selbst die Fahrer im Reiseführer schmökern oder gar ein Nickerchen machen können.

Autos suchen Parkplatz selbst

Dies alles kann weitreichende Auswirkungen haben. Hotels am Stadtrand oder gar außerhalb werden attraktiver, wenn die Touristen sich bequem in die Stadtmitte chauffieren lassen können. Selbst um die Parkplatzsuche muss man sich nicht mehr kümmern, da das Auto einfach ins Hotel zurückfahren könnte. Die weitverbreitete Nutzung selbstfahrender Autos könnte sogar dazu führen, dass sich die Passagiere nachts lieber im Auto zu ihrem Ziel fahren lassen, als in einem Hotel zu übernachten.

Auf den Autobahnen wären dann nachts "fahrende Motels" unterwegs, und nicht nur schwere Lkw. Individuelle Fahrten zwischen Städten würden generell attraktiver, was zulasten des Zug- und Flugverkehrs ginge. Das sogenannte Platooning zwischen Autos könnte dabei die Fahrten sicherer und günstiger machen.

Doch nicht nur normale Hotels wären von der neuen Technik betroffen. "Stundenhotels werden vermutlich durch selbstfahrende Autos ersetzt, was sich auf Städtetourismus auswirken wird, da Sex eine zentrale Rolle bei vielen Tourismuserfahrungen spielt", heißt es in der Studie. Wegen der Überwachung der Insassen würden dazu vermutlich keine autonomen Taxidienste genutzt, sondern eher Fahrzeuge in Privatbesitz oder mit deaktivierter Überwachung.

Mehr Verkehr statt weniger

Doch ebenso wie bei anderen disruptiven Angeboten, beispielsweise Airbnb, könnte die neu gewonnene Mobilität der Touristen auch negative Folgen für die Städte haben. So könnte die bequeme Nutzung der Autos dazu führen, dass die Straßen eher zusätzlich verstopft als entlastet würden. Dazu könnten auch personalisierte Stadtrundfahrten beitragen, die die traditionellen Sightseeing-Busse ersetzen. Viele Beschäftigte im Transportsektor könnten ihre Arbeit verlieren, vor allem Bus- und Taxifahrer. Der Alkoholkonsum der Touristen könnte steigen, zudem würden Partys sich vermutlich nicht mehr nur auf bestimmte Ausgehmeilen konzentrieren.

Die Auswirkungen auf den Tourismus hängen nach Ansicht der Forscher auch davon ab, welche Geschäftsmodelle die Hersteller autonomer Autos und Anbieter autonomer Taxi-Dienste verfolgen. Sollten die Fahrzeuge vor allem von Mitfahrdiensten genutzt werden, könnte damit der Verkehr eher reduziert werden. Allerdings ist laut Studie unklar, ob dieser enge Kontakt zwischen Touristen und Einheimischen in einem fahrerlosen Taxi immer gewünscht sei. Denkbar seien daher unterschiedliche Angebote für Touristen und Einheimische.

Für den Urlaub auf dem Land kämen selbstfahrende Autos bei vielen Touristen vermutlich nicht so schnell in Frage. Schließlich spiele es bei vielen Reisenden noch eine wichtige Rolle, selbst am Steuer eines Autos ein Land zu erkunden, heißt es in der Studie. Es seien noch weitere Forschungen nötig, wie der nicht-rationale Spaß am Fahren den selbstfahrenden Autos im Tourismus im Weg stehen könne.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 1.299,00€
  2. täglich neue Deals bei Alternate.de

amagol 13. Nov 2018 / Themenstart

Du musst dir das autonome Auto ja eben nicht kaufen. Falls die Flotte gross genug ist...

chipfire 13. Nov 2018 / Themenstart

Nein, das passiert, wenn Menschen denken, alle Probleme durch Technik lösen zu können...

itse 13. Nov 2018 / Themenstart

warum muss ich gerade an den prius aus der komödie 'die etwas anderen cops' denken ... mfg

Truster 13. Nov 2018 / Themenstart

Wie kann der Verkehr im Fahrenden Stundenhotel abnehmen? SCNR

Blade 13. Nov 2018 / Themenstart

Seh ich genauso. Der Mercedes GLC F-Cell sieht z.B. technologisch interessant aus...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Apple iPad Pro 2018 - Fazit

Mit dem neuen iPad Pro 12.9 hat Apple wieder ein großes Tablet vorgestellt, das sehr leistungsfähig ist und sich deshalb für eine große Bandbreite an Aufgaben einsetzen lässt. Im Test stellen wir aber wie bei den Vorgängern fest: Ein echtes Notebook ist das Gerät immer noch nicht.

Apple iPad Pro 2018 - Fazit Video aufrufen
Yuneec H520: 3D-Modell aus der Drohne
Yuneec H520
3D-Modell aus der Drohne

Multikopter werden zunehmend auch kommerziell verwendet. Vor allem machen die Drohnen Luftbilder und Inspektionsflüge und vermessen. Wir haben in der Praxis getestet, wie gut das mit dem Yuneec H520 funktioniert.
Von Dirk Koller


    IT: Frauen, die programmieren und Bier trinken
    IT
    Frauen, die programmieren und Bier trinken

    Fest angestellte Informatiker sind oft froh, nach Feierabend nicht schon wieder in ein Get-together zu müssen. Doch was ist, wenn man kein Team hat und sich selbst Programmieren beibringt? Women Who Code veranstaltet Programmierabende für Frauen, denen es so geht. Golem.de war dort.
    Von Maja Hoock

    1. Software-Entwickler CDU will Online-Weiterbildung à la Netflix
    2. Job-Porträt Cyber-Detektiv "Ich musste als Ermittler über 1.000 Onanie-Videos schauen"
    3. Bundesagentur für Arbeit Ausbildungsplätze in der Informatik sind knapp

    IMHO: Valves Ka-Ching mit der Brechstange
    IMHO
    Valves "Ka-Ching" mit der Brechstange

    Es klingelt seit Jahren in den Kassen des Unternehmens von Gabe Newell. Dabei ist die Firma tief verschuldet - und zwar in den Herzen der Gamer.
    Ein IMHO von Michael Wieczorek

    1. Artifact im Test Zusammengewürfelt und potenziell teuer
    2. Artifact Erste Kritik an Kosten von Valves Sammelkartenspiel
    3. Virtual Reality Valve arbeitet an VR-Headset und Half-Life-Titel

      •  /