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Total War Saga im Test: Kampf um den Thron!

Die PC-Strategieserie Total War bekommt einen Ableger: Im ersten Saga-Spiel verteidigen die britischen Königreiche sich gegen Wikinger – und tragen Machtkämpfe untereinander aus. Thrones of Britannia ist zwar kompakter als die Hauptserie, taugt aber trotzdem für monatelange Beschäftigung.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Total War Saga: Thrones of Britannia (Bild: Creative Assembly)
Artwork von Total War Saga: Thrones of Britannia Bild: Creative Assembly

Es regnet – gar nicht gut, weil wir so keinen Zugriff auf Feuerpfeile haben, und feindliche Gebäude entsprechend schwerer in Brand setzen können. In Total War Saga: Thrones of Britannia regnet es leider ziemlich oft, schließlich kämpfen wir in dem Strategiespiel als eine von acht Fraktionen auf den britischen Inseln gegen Wikingerstämme, die sich im Osten festgesetzt haben. Zwar können wir als Angreifer unsere Offensive dreimal verschieben, aber irgendwann müssen wir unsere Armeen halt doch in die Schlacht schicken, egal wie schlecht das Wetter dann ist. Die resultierenden taktischen Nachteile gehören wohl einfach dazu.

Saga ist ein Ableger der Strategiespiel-Reihe Total War. Das Entwicklerstudio Creative Assembly(öffnet im neuen Fenster) will sich damit stärker als in der Hauptserie auf überschaubare historische Abschnitte beschränken. Thrones of Britannia beginnt im Jahr 878 und reicht ungefähr bis ins Jahr 1066. Es geht zum einen darum, unter der Führung von Alfred dem Großen zuerst die Wikinger aus Großbritannien zu vertreiben. Zum anderen sollen wir die Machtkämpfe zwischen den Königen von England, Irland, Schottland und Wales beenden und das zerstrittene Land so gut es geht zusammenführen.

Total War Saga – Thrones of Britannia (Alfred der Grosse)
Total War Saga – Thrones of Britannia (Alfred der Grosse) (01:50)

Am grundsätzlichen Spielaufbau hat sich wenig geändert: Auf der Kampagnenkarte verschieben wir unsere Armeen, bauen Städte aus und unsere Armeen auf – das alles geschieht wie immer in Total War rundenweise. Wenn es dann zum Kampf kommt und wir uns entscheiden, das Ergebnis nicht vom Computer innerhalb weniger Augenblicke berechnen zu lassen, sondern wir unsere Truppen selbst in die Schlacht führen wollen, machen wir das in Echtzeit.

Das Spielgebiet umfasst zwar ein für Total-War-Verhältnisse relativ überschaubares Areal, nämlich England sowie Wales, Schottland und Irland sowie die dazugehörigen Inseln. Allerdings ist die Kampagnenkarte mit über 60 Provinzen sehr detailliert ausgearbeitet, selbst einige kleine Buchten sind gut erkennbar. Die Provinzen tragen schöne, aber für die meisten Spieler wohl eher nichtssagende Namen wie Scrobbesburg, Bathanceaster, Torfness und Vedrafjordr – es ist durchaus herausfordernd, sich da zurechtzufinden und die Landstriche nicht ständig zu verwechseln.

In jeder Provinz gibt es eine Hauptstadt mit Verteidigungsanlagen und einer Garnison. Dazu kommen kleinere Siedlungen, die ohne Mauern und Wachtürme auskommen müssen. Entsprechend schnell sind sie in der Saga einnehmbar, was sie gelegentlich zum heiß umkämpften Zankapfel zwischen verfeindeten Fraktionen machen kann. Der Bau von Gebäuden ist im Vergleich zu den bisherigen Total- War-Spielen generell stark eingeschränkt. Beispielsweise ist es nicht möglich oder gar nötig, eine Kaserne aus dem Boden zu stampfen.

Truppen werden innerhalb der Siedlungen rekrutiert – das ist zwar etwas einfacher, dauert aber auch seine Zeit, schließlich müssen die Soldaten erst gemustert und dann angeheuert werden. Dafür steht lediglich ein globales Kontingent, das sich nur langsam erholt; Söldner gibt es nicht. Mit diesen Designentscheidungen ist das Entwicklerteam nach eigenen Angaben den historischen Gegebenheiten gefolgt; natürlich nehmen die Kampagnen darauf Rücksicht.

Verfügbarkeit und Fazit

Eine weitere größere Designänderung gegenüber den etablierten Standards in Total War: Um die Kampagnen zu gewinnen, können wir zwar weiterhin eine vorgegebene Anzahl von Provinzen erobern, wir können aber auch bestimmte Regionen – etwa zehn Häfen und die Stadt Dublin – einnehmen. Als dritte Siegvorgabe können wir unseren Ruhm bis zu einem bestimmten Wert erhöhen, indem wir den Einfluss unseres Anführers steigern, Gebäude errichten oder Siedlungen besetzen. Diese Bedingungen gibt es in unterschiedlichen Ausbaustufen, dazu kommt ein "Ultimativer Sieg", bei dem wir am Ende eine Invasion der Wikinger zurückschlagen.

Die insgesamt zehn Kampagnen-Feldzüge werden zwar durch schick gemachte Intros eröffnet, sie sind dann aber wie immer in der Reihe nicht wirklich handlungsbasiert. Zu Beginn sollen wir es in den meisten Fällen mit Rebellen aufnehmen, dann haben wir aber weitgehende Freiheit und können ganz nach Lust und Laune etwa Bündnisse schließen oder unsere Nachbarn angreifen; nur gelegentlich gibt es kurze Questreihen, bei denen wir etwa bestimmte Gegenstände finden sollen.

Total War Saga – Thrones of Britannia (Schlachten)
Total War Saga – Thrones of Britannia (Schlachten) (03:45)

Neben diesen Änderungen gibt es noch eine Reihe weiterer Details, in denen sich Thrones of Britannia von seinen Vorgängern unterscheidet. So müssen die Forschungsbäume nun erst durch das Erfüllen von Bedingungen freigeschaltet werden (etwa eine bestimmte Anzahl von Soldaten), und bei den diplomatischen Optionen gibt es Vereinfachungen wie automatisch abschließbare Handelsabkommen. Beim Spielen sind uns keine signifikanten Fehler aufgefallen. Die KI hat zwar immer noch ab und zu Schwierigkeiten, erledigt ihren Job aber sonst gut und auch auf der Kampagnenkarte relativ zügig.

Total War Saga: Thrones of Britannia erscheint am 3. Mai 2018 für Windows-PC und kostet 40 Euro. Versionen für MacOS und Linux sollen schnellstmöglich folgen, Termine dafür gibt es noch nicht. Das Programm erscheint vollständig lokalisiert, die deutsche Sprachausgabe wirkt professionell. Die mutmaßlich in schönen englischen Dialekten gehaltene Originalsprachausgabe ließ sich in unserer Testversion leider nicht aktivieren, eigentlich sollte das aber möglich sein. Neben dem Solomodus gibt es auch Multiplayerkampagnen und -geplänkel, die wir nicht ausprobiert haben. Das Programm hat von der USK eine Freigabe ab 12 Jahren erhalten.

Fazit

Wer bei Thrones of Britannia angesichts der Beschränkung auf einen kürzeren historischen Zeitabschnitt eine Art Total War Light befürchtet hatte, kann beruhigt aufatmen: Unterm Strich erinnern Spielgefühl und Umfang dieser ersten Saga an ein ganz reguläres Total War. Langjährige Kenner der Serie müssen bei einigen Details allerdings teils ganz schön umlernen, etwa wenn es um die Rekrutierung von Einheiten oder die Bauoptionen geht. Die meisten Änderungen sind sinnvoll an die historischen Gegebenheiten angepasst.

Das Szenario rund um die Engländer und Wikinger wirkt zumindest aus deutscher Sicht zunächst uninteressant, entpuppt sich aber später als gut ausgewählt: Die einheimischen Fraktionen auf der britischen Insel ergänzen sich prima und bieten Abwechslung, während die Wikinger für Konflikte sorgen. Wenn man sich ein bisschen mit diesem Abschnitt der Geschichte beschäftigt, entdeckt man recht bald einige wissenswerte Aspekte.

Das Entwicklerstudio Creative Assembly sollte aber aufpassen, dass es die Fans seiner Spiele nicht mit zu vielen Serienteilen und Ablegern überfordert, sondern wieder etwas mehr Aufwand in die allgemeine Aufbereitung und die Technik seiner Werke investieren. Viele Menüs und Statistiken wirken lieblos aufbereitet. Und wer Wert auf eine halbwegs schicke Grafik legt, hat im Schlachtenmodus wegen der angestaubten Optik wenig Spaß, seinen Armeen beim Kämpfen zuzuschauen.


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