Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Tot oder untergetaucht?: Der Fall der Cryptoqueen von Onecoin

Ruja Ignatova war das Gesicht des als Kryptowährung getarnten Schneeballsystems Onecoin. Sie ist seit Jahren untergetaucht und viele halten sie für tot.
/ Elke Wittich
23 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Das FBI-Fahndungsplakat (Bild: Federal Bureau of Investigation (FBI), Public domain, via Wikimedia Commons)
Das FBI-Fahndungsplakat Bild: Federal Bureau of Investigation (FBI), Public domain, via Wikimedia Commons

Sie machte aus dem kompliziert und dröge wirkenden Kryptowährungsgeschäft ein glamouröses Abenteuer für alle: Ruja Ignatova, jung und elegant gekleidet, war das Gesicht und die Stimme der Kryptowährung Onecoin und wurde zu Zeiten des größten Hypes um Kryptowährungen und Blockchain auch außerhalb der Szene als "Cryptoqueen" bekannt.

Vor genau zehn Jahren, im Juni 2014, hatte der Onecoin-Schwindel – ein gigantisches Ponzi- und Pyramidensystem – offiziell mit der Registrierung der Domain onecoin.eu für OneCoin Limited begonnen. Auf Sky startet am 27. Juni eine dreiteilige Doku über den Schwindel – und den Verbleib der Cryptoqueen. Wer war (oder ist) diese Frau, die hier die tragende Rolle spielte? Wie kam es dazu, dass sie nicht nur einen Platz in der Führungsriege der organisierten Kriminalität und der Top-10-Fahndungsliste des FBI hatte? Und wo ist sie jetzt, wenn sie überhaupt noch lebt?

In der bulgarischen Stadt Russe geboren, zieht Ruja Ignatova, als sie zehn ist, mit ihrer Familie in die baden-württembergische Kleinstadt Schramberg. Obwohl sie zunächst kein Deutsch kann, erweist sie sich schnell als sehr gute Schülerin, die sogar zweimal Klassen überspringen kann.

In der vierteiligen WDR-Dokumentation Die Kryptoqueen(öffnet im neuen Fenster) aus dem Jahr 2022 liest einer ihrer Lehrer aus seiner Beurteilung für die Konrad Adenauer-Stiftung vor, in der er das Mädchen als Spitzenschülerin bezeichnete – und aus einem Text, den sie über sich für die Abiturzeitung verfasste. Selbstironisch schreibt sie über ihre Ziele: eine sehr erfolgreiche Rechtsanwältin zu werden, einen reichen Mann zu heiraten, Kinder zu bekommen und ihren Lebensabend auf "meiner Karibikinsel zu verbringen."

Keine besonders ungewöhnlichen Träume vielleicht, die Mittel, mit denen sie diese umsetzen will, sind es aber durchaus, wie sich nach ihrem Jurastudium zeigt. 1999 beginnt sie mit diesem Studium an der Uni Konstanz und promoviert 2005 zum Thema "Art. 5 Nr. 1 EuGVO – Chancen und Perspektiven der Reform des Gerichtsstands am Erfüllungsort."

Nebel im Lebenslauf von Dr. Ruja Ignatova

Ignatovas Lebenslauf wird später ihren Ruf als seriöse Person stärken. Allerdings konnte nie verifiziert werden, ob sie tatsächlich Jura in Oxford und Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Hagen studierte und nach der Promotion in Konstanz für McKinsey einen der größten Vermögenverwaltungs-Fonds in Bulgarien leitete.

Dafür fehlt ein wichtiger Punkt in ihrem Lebenslauf: 2010 kaufte sie gemeinsam mit ihrem Vater ein Gusswerk. Der im allgäuischen Waltenhofen ansässige Betrieb hatte zuvor Insolvenz angemeldet, entsprechend freuten sich die Beschäftigten, dass ihre Arbeitsplätze wohl erhalten bleiben würden. In der WDR-Dokuserie erinnert sich jedoch ein Mitarbeiter, dass es Ungereimtheiten gab, die neuen Inhaber fast jeden Tag in anderen Luxusautos erschienen seien, während die Rechnungen für den laufenden Betrieb offenkundig bald nicht mehr bezahlt wurden.

2012 wird das Werk heimlich an einen Strohmann verkauft, der umgehend erneut Insolvenz anmeldet. Zuvor, so stellt der Insolvenzverwalter fest, wurde gezielt Geld aus dem Unternehmen gezogen. Dazu wurden die Produktionsanlagen abgebaut, wohl mit dem Ziel, sie weiterzuverkaufen. Im letzten Moment kann der Abtransport einer Alugussanlage nach Bulgarien verhindert werden.

Der Beginn einer kriminellen Karriere

160 Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze, Ruja Ignatova wird 2016 wegen Insolvenzverschleppung, Betrug und Verletzung der Buchhaltungspflicht zu 14 Monaten auf Bewährung verurteilt. Ignatova ficht diese Verurteilung nicht an und die Öffentlichkeit erfährt kaum etwas davon.

Rückblickend kann dieser Betrug als der Beginn einer kriminellen Karriere gesehen werden, angetrieben von dem Ziel Reichtum anzuhäufen – mit welchen Mitteln auch immer.

Außerhalb Chinas kaum bekannt: Der Bigcoin-Betrug

Ignatova ist zu dem Zeitpunkt längst mit Größerem beschäftigt und auf dem Weg, zur gefeierten Cryptoqueen zu werden. Sie wirbt inzwischen weltweit auf Veranstaltungen für Investments für ihre angebliche Cryptowährung Onecoin.

Zwischen Ignatovas Gusswerk-Aktivitäten und Onecoin liegt ein weiterer wichtiger Zwischenschritt in ihrer Karriere: Sie war an dem in Europa kaum bekannten Multi-Level-Marketing-Betrug Bigcoin beteiligt(öffnet im neuen Fenster) .

Bigcoin war eine Kryptowährung, die im Jahr 2013 von John Ng in China gegründet wurde, mit dem sehr üblichen Marketingslogan, das nächste große Ding nach Bitcoin zu sein. Nach der Gründung – der genaue Zeitpunkt ist bisher unbekannt, es war aber noch im selben Jahr – kam die Firma Prosper Ltd mit an Bord. Hinter Prosper Ltd steckten Ruja Ignatova, Sebastian Greenwood, Ronnie Skold und Nigel Allen – jene Gruppe, die später Onecoin gründen sollte. Fotos belegen, dass Igntova bereits bei Bigcoin als Sprachrohr auftrat.

BigCoin implodierte im Jahr 2014, nachdem die Kryptowährung in den öffentlichen Handel überführt wurde – etwas, was sich nicht vermeiden ließ, da die Macher hinter Bigcoin ihre eigentlich wertlosen Token ja irgendwie zu echtem Geld machen wollten.

Von Bigcoin zu Onecoin

Interessanterweise fand die Domain-Registrierung für Onecoin schon vor dem Bigcoin-Kollaps statt. Bigcoin und Onecoin waren nach dem gleichen Prinzip angelegt, selbst die Marketing-Slogans unterschieden sich nur minimal: aus The Future of Money (BigCoin) wurde The Future of Payments (OneCoin).

Bei beiden konnte angeblich auf zwei Arten Geld verdient werden: der eine Weg, Sponsor genannt, war das eigentliche Schneeballsystem, der andere, Invest, der versprochene Handel mit den Krypto-Tokens – und Ignatova stand zur Promotion mit Mikrophon auf internationalen Bühnen.

Heute wird Bigcoin als der fehlgeschlagene Probelauf für Onecoin gesehen. Der Unterschied ist lediglich, dass der Eintritt in den öffentlich zugänglichen Handel mit den Tokens bei Onecoin weit nach hinten verschoben war und erst stattfinden sollte, wenn 80 Prozent der Tokens generiert sein würden – mit einem Script, bei dem dies viele Jahre dauern würde.

Der andere Unterschied ist, dass Bigcoin fast ausschließlich in China stattfand und im Rest der Welt erst viel später Beachtung fand. Diese Verzögerung machte das große Geschäft mit Onecoin wohl erst möglich.

Die Attraktivität von Onecoin

Sieht man sich Videos der Onecoin-Events an, erkennt man schnell Ignatovas Ausstrahlung, die auf potenzielle Investoren ihre Wirkung gehabt haben dürfte: Eloquent und witzig spricht die stets perfekt geschminkte und elegant gekleidete Ignatova zum Publikum, das von ihr dazu aufgefordert wird, "Teil der finanziellen Revolution" zu werden.

Als "ein sehr interessantes Individuum, sehr charmant, sehr höflich und sehr gebildet" bezeichnet ihr ehemaliger Büroleiter Gary Gilford die nunmehr weltweit gesuchte Betrügerin. Sie habe "es geliebt, reich zu sein" und es außerdem geliebt, "andere Leute wissen zu lassen, dass sie reich ist."

Warum weltweit so viele Menschen auf das leere Versprechen eines schnellen Reichtums hereinfielen, weiß man nicht. Bis zum Jahr 2017 sollen die Onecoin-Betreiber nach Angaben des FBI mindestens vier Milliarden US-Dollar eingesammelt haben; insgesamt dürften mindestens eine Million Menschen in allen Erdteilen zu Opfern der Betrugsmasche geworden sein.

Keine Kryptowährung, sondern ein Pyramidenspiel

Gab es keine Möglichkeit für die Betrogenen festzustellen, dass Onecoin die klassischen Merkmale einer Kryptowährung fehlten? Dass es keine Blockchain, also kein elektronisches Kassensystem gab, das dezentral und ohne Möglichkeit von außen einzugreifen, finanzielle Transaktionen speichert?

Geblendet wurden die späteren Anleger sicher von den Erfolgsgeschichten derjenigen, die ganz früh ihr Geld in Onecoin angelegt hatten. Wie bei Pyramidensystemen üblich sind das die – wenigen – Gewinner der Betrugsmasche.

Dass das laut Onecoin eigentliche Firmengeschäft entgegen der Werbung auf den Events im Verkauf von Lernmaterialien zum Thema Wertpapierhandel bestand, die je nach finanziellen Ressourcen der Mitglieder zwischen 100 und 250.000 Euro kosteten, wäre in Börsengeschäften geübteren Investoren sicher aufgefallen – zumal der Lernstoff nicht originär zusammengestellt, sondern aus diversen Quellen zusammenkopiert war.

Für die Kunden waren diese Lehrmaterialien die einzige Möglichkeit, Onecoins zu erhalten, denn je nach dem Umfang ihrer Investitionen erhielten sie darin sogenannte Tokens, durch die die angebliche Kryptowährung mittels Mining generiert werden sollte.

Mit dem Ankauf von einem Starterpaket plus mindestens einer weiteren Lernmaterialie erhielten die Kunden Zugang zum Onecoin-Exchange, wo die Kryptos in Euros getauscht werden konnten und dann in einem virtuellen Portemonnaie aufbewahrt wurden. Der Umtausch war jedoch stark limitiert. 2017 wurde die Onecoin-Exchange plötzlich geschlossen.

Ignatova habe bewusst auf Menschen abgezielt, "die sich möglicherweise nicht vollständig mit den Besonderheiten von Kryptowährungen auskannten, aber von Ignatovas beeindruckendem Lebenslauf und den von Onecoin verwendeten Marketingstrategien beeindruckt waren," schreibt das FBI in seiner Fahndung.

Zumindest am Anfang halfen auch Medien kräftig, wenn auch nicht immer freiwillig, bei der Vermarktung der "schönen Cryptoqueen," die sich schon optisch so stark von den eher langweilig wirkenden Crypto-Bros abhob. Vielleicht überprüfte auch deswegen niemand den Wahrheitsgehalt der Onecoin-Werbung, die unter anderem aus gefälschten Titelgeschichten großer Magazine und Seriosität vortäuschenden gefakten Qualifikationen von Ignatova bestand.

Opfer schweigen oft aus Scham

Ein gutes Beispiel, wie leicht arglose Besitzer kleinerer Vermögen um alles gebracht wurden, ist die Geschichte der Tochter eines schottischen Bergmanns, die von Ruja und ihren Komplizen um das Erbe ihres Vaters – umgerechnet 10.000 Euro – betrogen wurde. Jennifer McAdam hatte in einer Werbeanzeige für Onecoin ein Bild von Ignatova auf dem Titel des renommierten Forbes-Magazins entdeckt, im Artikel wurden deren (teilweise wahrscheinlich gefakten) Qualifikationen gefeiert.

Titelbild und Artikel waren aber gefälscht. "Es war alles so überzeugend, ich war begeistert" erinnerte sich die Frau; auch in ihrem Freundeskreis galt Onecoin plötzlich als Geheimtipp zum Reichwerden. Damals waren die Zeitungen voll mit Berichten über sensationelle Kurssteigerungen zum Beispiel von Bitcoins, über praktisch über Nacht zu Millionären gewordene Menschen.

Nicht erst seit dem Onecoin-Skandal ist die Geldgier unbedarfter Kleinanleger ein beliebtes Thema hämischer Witze. Mitleid für diejenigen, die endlich auch mal am schönen, finanziell sorglosen Leben teilhaben wollen, gibt es eher selten. Das passt gut ins Kalkül von Betrügern, die damit rechnen können, dass ihre Opfer lange nicht glauben wollen, einem Scam aufgesessen zu sein – und dann aus Scham auch oft schweigen.

Ihr Onecoin-Konto war leer

2017 erkannte McAdam nach einem Warnanruf des Kaliforniers Timothy Curry den Betrug. Ihr Geld hatte sich nicht wie angenommen verzehnfacht – ihr Onecoin-Konto war leer.

Auch Jennifer McAdam schämte sich, wurde dann aber aktiv, gründete eine Unterstützergruppe für Onecoin-Opfer und schrieb ein mittlerweile auch ins Deutsche übersetztes Buch über ihre Erfahrungen. In Allein gegen die Cryptoqueen: Wie ich in den OneCoin-Skandal geriet und mich nicht unterkriegen ließ schildert sie, wie sie trotz Morddrohungen, Schikanen und Belästigungen für Gerechtigkeit sorgen will. Und warnt: "Wenn man keine Ahnung von Kryptowährungen hat, sollte man die Finger von solchen Investitionen lassen. Denn das, was aussieht wie Zucker, könnte sich als Salz herausstellen."

Das Verschwinden der Cryptoqueen

Das FBI geht davon aus, dass Ignatova einen Tipp über die internationalen Ermittlungen gegen sie bekam und sich umgehend absetzte. Am 25. Oktober 2017 reiste sie in Begleitung eines als Bodyguard posierenden Mannes, den sie anschließend nach Bulgarien zurückschickte, mit einem Ryanair-Flug vom bulgarischen Sofia nach Athen, wo sich ihre Spur verliert.

Eine Theorie lautet, dass Ignatowa seither einen gefälschten deutschen Pass benutzt, mit dem sie in den Vereinigten Arabischen Emiraten und osteuropäischen Ländern unterwegs sein könnte. Ihr Aussehen könnte sie mit Hilfe von Schönheitschirurgen massiv verändert haben, für ihren Schutz könnten exklusive Securityfirmen sorgen.

Wurde Ruja Ignatova ermordet?

Ein Rechercheteam des britischen Senders BBC kam zu einem anderen Ergebnis(öffnet im neuen Fenster) : Ihren Recherchen zufolge könnte Ruja Ignatova schon vor geraumer Zeit ermordet worden sein.

Genauer: auf Befehl von Hristoforos Nikos Amanatidis, kurz Taki, der übereinstimmenden Aussagen zufolge eine der Schlüsselfiguren der bulgarischen Unterwelt sei. Ignatova und Taki kannten einander bereits vor 2017, wie geleakte Ermittlungsdokumente von Europol belegen. Unter anderem waren sie in dubiose Immobiliendeals verstrickt. Außerdem war Taki der Mann, der sie als Bodyguard auf ihrer letzten dokumentierten Reise nach Athen begleitete.

Angeblich, so berichtete unter anderem die BBC, hatte ein Schwager von Ignatova betrunken erzählt, dass sie Ende 2018 auf Takis Befehl hin umgebracht und ihre zerstückelte Leiche von einer Yacht aus ins Ionische Meer geworfen worden sei.

Über Taki äußerte sich ein stellvertretender Minister der bulgarischen Regierung, Ivan Hristanov, in der BBC-Doku sehr eindeutig über Taki. Taki, der mittlerweile Ermittlungen zufolge in Dubai lebt, sei "Chef der Mafia in Bulgarien."

Hristanov schildert Umgangsformen, wie man sie sonst nur aus Actionfilmen kennt. "Man sieht ihn nie, man hört nur von ihm. Man kann nicht mit ihm sprechen, er spricht durch andere Leute mit einem. Wenn man nicht hört, verschwindet man vom Erdboden." Laut bulgarischen Journalisten kontrolliert Taki den Drogenhandel im Land.

Zusammenhang mit Morden in Südafrika?

Bulgarische Crime-Journalisten halten das für möglich, zumal ein eng mit Taki verbandelter bulgarischer Krimineller namens Krasimir Kamenov ihnen gegenüber im Frühjahr 2023 bestätigt habe, dass Ignatova für Taki zur Belastung geworden sei. Selbst befragt werden kann Kamenov nicht mehr, er wurde am frühen Morgen des 25. Mai 2023 in einem Vorort von Kapstadt mitsamt seiner Frau, einem Bodyguard sowie einer Hausangestellten erschossen. Alle Opfer waren zuvor gefesselt worden.

BIRD, das auf Investigativ-Journalismus spezialisierte, unabhängige bulgarische Bureau of Investigative Reporting and Data, erklärte nach Bekanntwerden des Mordes in einem Tweet, Kamenov sei ihre Quelle gewesen. Er habe über Einzelheiten des Mordes an Ignatova ausgepackt und sei zudem im Begriff gewesen, gegenüber US-Ermittlern weitere Einzelheiten zu offenbaren.

Insgesamt sollen laut südafrikanischen Ermittlern sechs Männer an den Morden beteiligt gewesen sein, die sich in zwei verschiedenen Autos vom Tatort entfernt hatten. Zwei der mutmaßlichen Mörder wurden später mit Bildern einer Überwachungskamera gesucht, allerdings erfolglos.

Kamenov ist nicht die einzige Spur nach Kapstadt

Dazu habe Ruja Ignatova gute Kontakte nach Südafrika gehabt – Onecoin sei allerdings im Land nie ein großer Erfolg gewesen. Nach ihrem Verschwinden postete ihr Bruder Konstantin, der laut FBI damals die Führung von Onecoin übernommen hatte, im März 2019 auf Instagram Bilder, die ihn in unter anderem an einem Kapstädter Strand zeigten. Er wurde bei der Rückkehr in die USA am Flughafen von LA verhaftet, ebenso wie sein Begleiter, der irisch-südafrikanische Banker Duncan Arthur.

Arthur, der von Ruja Ignatova persönlich für Onecoin angeworben worden war, packte gegenüber den Ermittlern umfassend aus. Der zum Whistleblower gewordene Zeuge für den Aufstieg und Fall von Onecoin dementierte jedoch die Ermordung der Cryptoqueen energisch: "Ich weiß, dass Konstantin noch im März 2019 regelmäßigen, direkten telefonischen Kontakt mit ihr hatte, also lange nach dem angeblichen Mord," wird er in den polizeilichen Akten zitiert.

Trotzdem geht der US-Ermittler Richard Reinhardt, der die Ermittlungen gegen Onecoin in den USA ins Rollen gebracht hatte, davon aus, dass Ruja Ignatova nicht mehr lebt. Allerdings, so schränkt er ein: "Das FBI belässt Leute nicht aus Spaß auf seiner Top10-Liste der Meistgesuchten." Denn niemand, auch Reinhardt nicht, hat für den Tod Ignatovas Beweise.

Insgesamt beläuft sich der geschätzte Schaden durch Onecoin auf rund 4 Milliarden US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) . Zum Vergleich: Das Bitconnect-Schneeballsystem schaffte es auf eine Milliarde. Ruja Ignatova wird wohl noch auf der Gesuchtenliste des FBIs verweilen, bis sie gefunden wird – ob tot oder lebendig.

Hoffnung für Onecoin-Opfer

Unabhängig davon, ob die Cryptoqueen noch lebt oder nicht, arbeiten Ermittler und Ankläger weltweit daran, den Verbleib des erschwindelten Geldes aufzuklären. Ein Teilerfolg gelang kürzlich der in Bielefeld ansässigen Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität, die sicher ist, beweisen zu können, dass Ignatova über Strohmänner für 20 Millionen Euro zwei Immobilien in London kaufte.

Beim Landgericht Bielefeld beantragte die Staatsanwaltschaft nun den Entzug von Ignatovas Vermögen – entscheidet das Gericht im Sinne der Staatsanwaltschaft, kann dieses Vermögen unter den Opfern, die sich bis dahin gemeldet haben, verteilt werden.


Relevante Themen