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Toshiba Encore 2 WT8-B im Test: Ein klarer Rückschritt

Das Toshiba Encore 2 ist leichter, dünner und günstiger als sein Vorgänger. Dennoch ist das 8-Zoll- Tablet mit Windows 8.1 und Bing ein deutlicher Rückschritt.
/ Sebastian Wochnik
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Das Toshiba Encore 2 WT8-B spiegelt im Freien sehr stark. (Bild: Sebastian Rohner/Golem.de)
Das Toshiba Encore 2 WT8-B spiegelt im Freien sehr stark. Bild: Sebastian Rohner/Golem.de

Auf das Toshiba Encore folgt das Encore 2. Es ist vor allem kompakter als sein Vorgänger und dank der für OEM-Partner kostenlosen Variante von Windows 8 , bei der Bing als Suchmaschine im Internet Explorer vorinstalliert ist, auch günstiger. Doch hat Toshiba noch an anderen Stellen sparen müssen, um den niedrigen Preis von rund 200 Euro zu erreichen - und hat das teilweise an den falschen Stellen getan.

Toshiba Encore 2 - Test
Toshiba Encore 2 - Test (01:09)

Mit einer Dicke von 9,5 mm ist das 8-Zoll-Tablet mit Windows spürbar dünner als der Vorgänger, auch wiegt es mit 375 Gramm fast 80 Gramm weniger. Im Vergleich zu einem Android-Tablet ist es aber immer noch schwer: Das Nexus 7 wiegt nur 290 Gramm, das Sony Xperia Z2 Tablet - ein 10-Zoll-Tablet - 440 Gramm. Das Kunststoff-Gehäuse ist gut verarbeitet, allerdings recht anfällig für Kratzer. Die Champagner-Farbe gefällt nicht jedem, andere Farbvarianten bietet Toshiba nicht an.

Beim 8-Zoll-Display fallen die ersten Sparmaßnahmen auf: Es spiegelt stark, auch bei maximaler Bildschirmhelligkeit. Im Freien ist das Tablet speziell bei Sonnenschein fast nicht zu gebrauchen, und auch bei normaler Raumbeleuchtung kann der Nutzer bei etwas dunkleren Bildschirminhalten sein Spiegelbild betrachten. Das liegt vor allem an dem Displaypanel, es scheint, als ob das Display mit einer spiegelnden silbernen Folie überzogen wurde. Zusammen mit der durchschnittlichen maximalen Bildschirmhelligkeit von 280 cd/qm, die eigentlich noch in Ordnung geht, spiegelt das Tablet zu stark. Die Spiegelung war beim Vorgänger deutlich schwächer, außerdem war das Display mit einer durchschnittlichen maximalen Helligkeit von 367 cd/qm spürbar heller.

Zu wenig Pixel

Die Farbdarstellung des Displays ist in Ordnung, die Auflösung ist mit 1.280 x 800 Pixeln angesichts des 8-Zoll-Displays zu niedrig; die Android-Konkurrenz im gleichen Preisbereich ist hier schon weiter. Ausgefranste Kanten fallen allerdings durch Microsofts Cleartype-Verfahren(öffnet im neuen Fenster) kaum auf.

Der Micro-HDMI-Ausgang wurde wegrationalisiert. Externe Monitore können nur über einen USB-OTG-Adapter angeschlossen werden. Dieser wird nicht mitgeliefert. Damit ist es nicht mehr möglich, einen Monitor anzuschließen und gleichzeitig den Tablet-Akku zu laden. Der alte Micro-USB-2.0-Anschluss ist die einzige Erweiterungsschnittstelle des Tablets.

Viel zu wenig Arbeitsspeicher

Im Encore 2 verbaut Toshiba die zweite Generation des Bay-Trail-Atoms von Intel. Dabei kommt mit dem Z3735G(öffnet im neuen Fenster) das schwächste Modell des C0-Steppings zum Einsatz. Die vier Kerne takten unter Last mit 1,33 bis 1,86 GHz, die integrierte HD Graphics mit 311 bis 667 MHz. Leider kann der Z3735G nur 1 GByte Arbeitsspeicher adressieren - 1 GByte weniger als im Vorgänger.

Das macht sich auch im Alltag stark bemerkbar: Sowohl die Auslagerungsdatei(öffnet im neuen Fenster) als auch die Speicherauslastung zeigen, dass beim Multitasking der begrenzte Arbeitsspeicher stark limitiert ist. Ist der RAM zu klein, werden Daten nämlich aus dem internen Speicher in der Auslagerungsdatei abgelegt. Dadurch wird besonders der Wechsel zwischen Anwendungen langsam, denn der interne Speicher ist deutlich langsamer als der RAM-Speicher.

In unserem Test beanspruchte die Auslagerungsdatei knapp 2 GByte freien Speicher - das sind rund 10 Prozent des zur Verfügung stehenden Speichers. Das Windows-Tablet gibt es nämlich nur mit 32 GByte großer eMMC, von der dem Nutzer dann knapp 19 GByte zur Verfügung stehen. Immerhin gibt es einen Schacht für Micro-SD-Karten mit einer Größe von bis zu 128 GByte.

Für eine eMMC sind die Übertragungsraten relativ hoch: Die Lese- und Schreibgeschwindigkeit ist mit 114 MByte/s bzw. 49 MByte/s im Vergleich zu einer richtigen SSD aber gering.

Toshiba Encore WT8-B - Benchmarks
Benchmark Toshiba Encore WT8-B (Intel Atom Z3735G) HP Elitepad 1000 G2 (Intel Atom Z3795) Surface Pro 3 (Intel Core i5-4300U)
3DMark Ice Storm 11.806 Punkte 15.697 Punkte 40.235 Punkte
3DMark Ice Storm Extreme 7.473 Punkte 10.033 Punkte 28.378 Punkte
3DMark Cloud Gate 917 Punkte 1.393 Punkte 3.905 Punkte

Der Atom Z3735G schneidet in unseren Benchmark-Tests ein wenig schlechter ab als der stärkste Bay-Trail-Prozessor, der Atom Z3795(öffnet im neuen Fenster) . Beide sind aber im Vergleich mit dem Haswell-Prozessor Core i5-4300U(öffnet im neuen Fenster) , der oft in höherpreisigen Tablets und Notebooks verbaut wird, deutlich schwächer.

WLAN funkt das Windows-Tablet nach 802.11 b/g/n, also nur im 2,4-GHz-Band. Bluetooth 4.0 wird unterstützt. Ein UMTS- oder LTE-Modul ist nicht vorhanden. Die Stereolautsprecher sind auf der Rückseite positioniert und klingen erstaunlich gut. Bässe sind natürlich keine vorhanden, doch für Sprachwiedergabe beispielsweise in kurzen Video-on-Demands reicht es vollkommen. Auf der Rückseite befindet sich die 5-Megapixel-Kamera, für Videotelefonie gibt es auf der Vorderseite eine 2-Megapixel-Kamera. Wie von den meisten Tablets gewohnt, ist die Qualität der Bilder schlecht.

Ungewöhnlich ist die Positionierung der Windows-Taste, denn diese ist nicht wie bei den meisten Tablets auf der Vorderseite unterhalb des Displays, sondern an der oberen Kante. Für eine Taste, die oft gedrückt wird - man gelangt mit ihr nämlich zur Kacheloberfläche - finden wir die Position ungünstig. Jedes Mal an die obere Kante fassen zu müssen, finden wir umständlich, die klassische Positionierung ist deutlich komfortabler.

Viel zu langsam

Bei der Bewältigung von alltäglichen Aufgaben ist das Tablet sehr langsam, vor allem durch den kleinen Arbeitsspeicher. Sind mehrere Tabs im Browser geöffnet, kommt es durchaus vor, dass der Browser einfriert. Produktiv lässt sich mit dem Tablet nicht arbeiten, denn auch die Office-Anwendungen reagieren träge.

Der Browser und die News-App sind uns bei der Benutzung sogar mehrfach abgestürzt. Die virtuelle Tastatur reagierte ebenfalls häufig träge: Einmal mussten wir fast 2 Minuten warten, bis sie eingeblendet wurde, und wir unser Passwort eingeben und das Tablet entsperren konnten.

Die Akkulaufzeit ist nicht sehr gut. Ein 1.080p-Video konnte das Tablet nur 5 Stunden am Stück wiedergeben. Im Produktivity-Test des Powermark-Akku-Benchmarks erreichte das Tablet eine Laufzeit von 5 Stunden. Bei gelegentlicher Nutzung muss das Encore 2 WT8-B nach spätestens zwei Tagen aufgeladen werden. Die Standby-Zeit des Geräts ist schlecht, wird es nicht genutzt, muss es dennoch nach 2,5 Tagen wieder aufgeladen werden.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Toshiba Encore 2 WT8-B mit 32 GByte internem Speicher ist im Onlinehandel ab 200 Euro erhältlich. Eine Variante mit mehr Speicher gibt es nicht.

Fazit

Toshibas neues Windows-8-Tablet schneidet deutlich schlechter als sein Vorgänger ab: Das Display spiegelt viel zu stark und ist nicht hell genug, die Rückseite verkratzt schnell, und der Micro-USB-2.0-Port ist die einzige Erweiterungsschnittstelle.

Als viel zu klein stellt sich im Alltag der Arbeitsspeicher heraus: Er ist ständig überlastet, besonders mit Multitasking-Aufgaben ist er schnell überfordert. Da auch noch der kleinste Bay-Trail-Prozessor verbaut wurde, ist das Tablet sehr träge und reagiert oftmals langsam.

Die Akkulaufzeit hat sich ebenfalls verschlechtert. Ein 1.080p-Video kann nur noch 5 Stunden am Stück wiedergegeben werden, und auch die Standby-Zeit ist zu kurz.

Das Toshiba Encore 2 können wir trotz des niedrigen Preises von 200 Euro nicht empfehlen. Das Display und die Leistung sind für uns einfach nicht ausreichend gut. Ein Windows-Tablet sollte mindestens 2 GByte Arbeitsspeicher haben, weswegen wir lieber zum Vorgänger raten, der zwar etwas mehr kostet, aber als Gesamtpaket auch besser ist.


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