Aussagen der Tor-Studie sind unbrauchbar - wir brauchen den Anonymisierungsdienst

Im Prinzip erlaubt die aktuelle Studie nur die ohnehin bekannte Aussage, dass Tor deutlich mehr als Anonymisierungsdienst für den Zugriff auf das normale Internet benutzt wird (93 Prozent) als für den Zugriff auf die internen Onion Services (7 Prozent). Diese Nutzungsweisen kann die Studie zudem den IP-Adressen zuordnen, mit denen sich die Tor-Nutzenden mit dem Netzwerk verbinden - und damit den Herkunftsländern zuordnen.

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Letztere teilt die Studie anhand der bei Politikwissenschaftlern beliebten Skala von Freedom House in freie, teilweise freie und nicht freie Staaten ein. Dadurch kommt sie zu dem Schluss, dass Onion Services in nicht freien Ländern prozentual deutlich weniger abgerufen werden als in freien Staaten.

Allerdings berücksichtigt die Studie keine Zugriffe, die über die Tor Bridges stattfinden. Mit diesen kann der Zugriff auf das Tor-Netzwerk verschleiert werden, beispielsweise wenn die Nutzung von VPNs oder Anonymisierungsdiensten in einem Staat illegal ist oder blockiert wird. Letzteres ist vor allem in repressiven, also nicht freien Staaten der Fall. Insofern sind auch diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen.

Studie reproduziert Vorurteile

Insgesamt reproduziert die Studie gängige Vorurteile über das sogenannte Darknet, ohne diese ernsthaft zu hinterfragen oder einer Analyse zu unterziehen. Auf dieser Basis werden unhaltbare Aussagen getroffen: Beispielsweise dass die Nutzung von Tor in freien Staaten deutlich mehr illegalen Zwecken diene als in nicht freien Staaten.

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Doch was ist eigentlich legal und was illegal? Üblicherweise wird dies von staatlichen Institutionen in Form von Gesetzen festgelegt. Diese können sich von Staat zu Staat jedoch erheblich unterscheiden. In Staaten, in denen beispielsweise die Verwendung von Anonymisierungsdiensten verboten ist, ist jeder Zugriff auf das Tor-Netzwerk illegal.

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Tor ist ein Schutzraum für Menschenrechts- und andere Aktivisten

Gerade in solchen Staaten ist Tor jedoch noch wichtiger, da es den Zugriff auf unzensierte Informationen, eine journalistische Berichterstattung oder das Zusammenkommen von Menschenrechts- und anderen progressiven Aktivisten ermöglicht. Doch auch deren Anonymität ist davon abhängig, dass weltweit Tor-Server betrieben und von unterschiedlichsten Personen genutzt werden. Auch ist Tor eine wichtig Bastion gegen die allgegenwärtige kommerzielle und geheimdienstliche Überwachung im Internet. Selbst milliardenschwere Geheimdienste wie die NSA tun sich mit dem Anonymisierungsdienst schwer ("Tor stinks"). Wir brauchen Tor!

Doch nicht nur Journalisten, Aktivisten, Kriminelle oder schlichte Internetnutzer nutzen Tor. Auch von Polizei, Geheimdiensten und Militär wird der Anonymisierungsdienst gern genutzt. Immerhin fand die Entwicklung des Dienstes ursprünglich bei der US-Militärforschungseinrichtung Darpa statt. Bis heute finanzieren die USA einen Großteil der Tor-Entwicklung. Auch wenn ich mir persönlich wünschen würde, dass sich Militär, Geheimdienste und Pädokriminelle aus dem Tor-Netzwerk - und noch besser gleich aus der realen Welt - verabschieden würden.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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 Tor: Nein, das Darknet ist nicht der Hort alles Bösen!
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DAASSI 09. Dez 2020

Hat bei Herrn Tremmel wohl wie beim Herrn Grüner (siehe Artikel vom 09.12) gut gefruchtet

Oktavian 07. Dez 2020

In solchen Ländern ist dann in der Regel auch die Nutzung von TOR bzw. VPN im...

BLi8819 04. Dez 2020

Anonymität Gibt es sicherlich. Mir sind diese aber nicht bekannt. Was meinst du mit Tor...

SoWhy 04. Dez 2020

...aber ist es nicht geradezu zwingend, dass der Anteil "legaler" Seitenzugriffe über TOR...



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