Top500-Liste: Chinesischer Supercomputer düpiert die USA
Der schnellste Supercomputer der Welt steht nach zehn Jahren nun offiziell wieder in der Volksrepublik China(öffnet im neuen Fenster): Entgegen der Praxis der vergangenen Jahre wurden für Lineshine Leistungsdaten an die Macher der Top500-Liste übermittelt. Berichtet wurde über das von Huawei am National Supercomputing Center in Shenzhen (NSCCSZ) aufgebaute System sowie dessen Leistungsdaten bereits Ende April 2026.
Mit 2,198 Exaflops im High Performance Linpack (HPL) platziert sich Lineshine deutlich vor El Capitan, dem aktuell mit 1,809 Exaflops leistungsfähigsten System der USA. Beim alternativen Benchmark High Performance Conjugate Gradient (HPCG) ist der Abstand mit rund 22 zu 17,4 PFlops nochmals deutlicher.
Dass die Volksrepublik erstmals seit neun Jahren wieder einen Hochleistungsrechner offiziell listen lässt, ist ein deutliches Signal an die USA: Es soll zeigen, dass man auf US-Hardware nicht angewiesen ist. Die USA hatten zuvor den Aufbau von Großrechnern in der Volksrepublik durch Exportbeschränkungen blockiert. Begründet wurde dies mit der Sorge, dass die Supercomputer etwa für Kernwaffenforschung genutzt werden könnten – was auch in den USA geschieht.
China hat die Krise überwunden
Jahrelang erfolgte die Entwicklung eigener Supercomputer in der Volksrepublik im Verborgenen. Gelegentlich sickerten Daten durch, an die große Glocke gehängt wurden die aber nicht. Das ist nun anders – in der Volksrepublik scheint man sich wieder sicher zu sein, vorne mitspielen zu können.
Lineshine ist ein deutliches Symbol dafür, dass in der Volksrepublik davon ausgegangen wird, die durch Exportbeschränkungen der USA ausgelöste Halbleiterkrise überwunden zu haben. Dabei dürfte es in erster Linie um das Prestige gehen; bei der Anzahl an Supercomputern dürften die USA kaum zu schlagen sein. Dort sind aktuell insgesamt neun große Systeme geplant und teilweise bereits im Bau.
Effizienter als gedacht
Eine weitere Besonderheit von Lineshine ist, dass es sich um ein reines CPU-System handelt – neben dem japanischen Fugaku das Einzige in der Top10. Die verbauten Prozessoren, die schlicht als LX2 bezeichnet werden, sind neben DDR5-RAM mit High Bandwidth Memory (HBM) bestückt. Ihre 304 Kerne takten lediglich mit 1,55 GHz, sollen aber bei den vom HPL verwendeten Gleitkommaberechnungen mit doppelter Genauigkeit (FP64) die Leistung einer Nvidia H100 erreichen.
Weniger im Fokus stehen hingegen kleinere Datentypen. Dies zeigt sich am HPL-MxP mit Mixed-Precision-Berechnungen: Hier erreicht Lineshine lediglich einen Speedup von 3,6 – andere Systeme(öffnet im neuen Fenster) liegen teils im zweistelligen Bereich.
Den Angaben zufolge ist Lineshine aber effizienter, als wir erwartet hätten: Mit rund 52 GFlops/W liegt das System nur knapp hinter Frontier, dem zweitschnellsten System der USA. Neuere AMD- und Nvidia-Systeme mit GPUs hingegen kommen auf teils deutlich über 60 GFlops/W. Die Green500-Liste der effizientesten Systeme führt weiter Kairos, ein kleines GH200-System der Universität Toulouse, mit rund 73,3 GFlops/W an. Lineshine belegt hier Platz 50.
In der Top500 finden sich neben der großen Überraschung Lineshine einige weitere Neuzugänge: Auf Platz sechs, direkt hinter Jupiter aus Jülich, steigt HPC7 des italienischen Energiekonzerns Eni ein. Auch steigen zunehmend Systeme mit Nvidias Blackwell-GPUs ein: Nachdem bereits die 66. Top500-Liste acht Supercomputer mit B200-GPU führte, sind nun neun weitere hinzugekommen. AMD kann weitere MI300-Systeme platzieren.
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