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Tools für das Game Porting Toolkit: Windows-Games auf dem Mac spielen

Apples Game Porting Toolkit soll Devs helfen, Windows-Spiele auf den Mac zu bringen. Mit Tools aus der Open-Source -Szene können sie direkt unter MacOS installiert werden.
/ Christian Rentrop
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Geht auch mit aktuellen Spielen wie Diablo 4. (Bild: Blizzard)
Geht auch mit aktuellen Spielen wie Diablo 4. Bild: Blizzard

Apple hat die Gaming-Industrie viele Jahre vernachlässigt – und umgekehrt. Grund war auch die meist eher schwachbrüstige Apple-Hardware . Diese Zeiten sind mit den leistungsstarken Apple-Silicon-Prozessoren jetzt vorbei: Wer einen Mac besitzt, muss keinen PC und keine Konsole zum Zocken mehr vorhalten, sondern nutzt einfach Apples Game Porting Toolkit(öffnet im neuen Fenster) .

Das auf Wine basierende und mit speziellen Bibliotheken von Apple ausgestattete Softwarepaket, das Apple im Juni 2023 auf der WWDC 2023 zusammen mit MacOS 14 Sonoma präsentierte, ist eigentlich dafür gedacht, Spieleentwicklern die Arbeit zu erleichtern: Sie sollen schnelle Ergebnisse erzielen und die Performance prüfen können, ehe sie sich an die Konvertierung machen.

Doch auch andere Mac-User profitieren von der Software: Mit cleveren Tools gibt es inzwischen mehrere Möglichkeiten, geliebte Windows-Spiele – darunter hochaktuelle Titel wie Diablo IV – ohne zu großen Aufwand direkt auf dem Mac zu spielen, und das mit erstaunlicher Leistung.

Wie das Game Porting Toolkit funktioniert

Das Game Porting Toolkit besteht aus zwei Komponenten. Die bekannte Laufzeitumgebung Wine(öffnet im neuen Fenster) bringt schon seit vielen Jahren Windows-Anwendungen auf Unix-Systeme, also auch MacOS. Und das eigentliche Game Porting Toolkit macht Apples Metal-API mit DirectX 11 und 12 kompatibel.

Ein wenig Rosetta ist auch dabei. Toolkit und Wine arbeiten innerhalb Apples Binärübersetzer. Windows-Titel sind üblicherweise Intel-basiert, während moderne Apple-Rechner mit Apple Silicon mit ARM-Technologie arbeiten.

Das Gesamtpaket ermöglicht es, im Zusammenspiel mit den sehr leistungsstarken Grafikprozessoren der ARM-Macs auch aufwendige Windows-Spiele direkt unter MacOS zu verwenden.

Ist die Installation zu knifflig ...

Was so gut klingt, hat allerdings einen Haken. Die Installation des Game Porting Toolkits ist nicht ohne. Bei Apple hat man leider noch nicht erkannt, dass dieses Killer-Feature ein buchstäblicher Game-Changer sein könnte – und spricht mit dem Game Porting Toolkit hauptsächlich Entwickler an, die sehen sollen, was der Mac kann.

Eine GUI fehlt deshalb ebenso wie eine offizielle Integration in MacOS. Und wer das Game Porting Toolkit nutzen möchte, muss nicht nur die Kommandozeilentools für XCode installieren, sondern eine Menge Terminal-Akrobatik durchführen.

Zunächst gilt es, Rosetta zu installieren, sofern das noch nicht erledigt ist. Anschließend muss eine x64-Shell in ZSH gestartet werden, um darin Homebrew(öffnet im neuen Fenster) in der Intel-Version aufzusetzen.

Über diese Version von Brew kann das Apple-Tap "angezapft" werden. Das joviale Kneipen-Wording mit alkoholischen Getränken ist beim Tool Homebrew wie bei Wine immer dabei.

Zu guter Letzt wird das Game Porting Toolkit selbst installiert. Da das auch gleich Wine für MacOS kompiliert, dauert die Installation recht lange. Eine gute Anleitung dazu gibt es beim Apple Gaming Wiki(öffnet im neuen Fenster) oder auf Github(öffnet im neuen Fenster) . Einmal auf dem System, muss das Toolkit ebenfalls mit dem Terminal bedient werden.

... trink erst mal einen Whisky

Es geht jedoch auch einfacher. Das Open-Source-Tool Whisky(öffnet im neuen Fenster) ist eine kleine App, die als GUI für das Game Porting Toolkit und Wine dient. Praktisch: Nach der Installation per Download oder Homebrew lädt sich das Tool eine eigene Game-Porting-Toolkit-Version herunter und installiert auch gleich Wine; ebenfalls nicht systemweit, sondern für sich selbst. Die GUI kann anschließend genutzt werden, um Windows-Spiele – oder auch Anwendungssoftware – auf dem Mac zu verwenden.

Die Installation erfolgt in sogenannten Bottles, wie bei Wine üblich. Wer Game-Shops wie Good Old Games (GOG), Epic oder Steam verwendet, installiert zunächst die und kann anschließend die Spiele einrichten. Je nach Spiel ist es notwendig, noch einige Einstellungen oder Parameter zu setzen: Das Whisky-Wiki(öffnet im neuen Fenster) liefert hier für populäre Titel wie Counter-Strike 2, Diablo IV oder Skyrim SE die nötige Hilfestellung.

Die bessere Lösung: Heroic

Allerdings ist der Umweg über die Installation der Gaming-Stores nicht einfach, zumal vor allem der Epic Games Store nicht besonders gut mit Whisky, Wine und dem Game Porting Toolkit zusammenarbeitet. Wer diesen nutzen will, sollte den Heroic Games Launcher(öffnet im neuen Fenster) wählen. Die quelloffene Meta-App für Stores wie GOG, Epic oder auch Amazon Games hat den Vorteil, dass sie zunächst nativ unter MacOS läuft – und die wenigen Apple-nativen Games damit den Weg auf den Mac finden.

Der Clou bei Heroic ist aber, dass er seit Version 2.9 das Game Porting Toolkit unterstützt und Windows-Spiele direkt und ohne Umwege aus den Game-Stores auf dem Mac installieren kann.

Voraussetzung ist allerdings ein korrekt aufgesetztes Game Porting Toolkit: Die Version von Whisky kann Heroic nicht verwenden, User, die das Feature nutzen möchten, müssen also den schwierigen Weg gehen und das Game Porting Toolkit über das Terminal aufsetzen.

Anschließend entfaltet der Heroic-Launcher seine ganze Magie. Nach der Anmeldung im Amazon-, Epic- oder GOG-Store ist es nämlich möglich, die Spiele mit einem Handgriff als Wine-Bottle mit dem Game Porting Toolkit auf dem Mac aufzusetzen.

Achtung: Eine externe SSD sollte zur Hand sein, denn moderne Titel fressen gern 100 Gigabyte und mehr und müssen ja nicht auf dem teuren internen Speicher das Apple-Silicon-Macs liegen.

Längst nicht alle Spiele, aber es werden mehr

Allerdings laufen auf diese Weise längst nicht alle Windows-Titel auf dem Mac. Auf Reddit wird eine Liste lauffähiger Spiele gepflegt(öffnet im neuen Fenster) , die Aufschluss darüber gibt, ob ein Spiel mit der Technologie zusammenarbeitet oder nicht. Wenn sie laufen, dann in aller Regel gut.

Sogar auf einem einfachen Macbook Air sind wenig aufwendige Titel wie Cuphead kein Problem. Sogar Cyberpunk lässt sich hier spielen, allerdings mit deutlich reduzierter Grafik. Trotz der erstaunlichen Leistung von Apples M-Prozessoren sind also mehr GPU-Kerne immer auch besser. Für aktuelle Titel ist daher eine CPU der Pro-Reihe eine sinnvolle Grundlage, zum Beispiel der M2 Pro im Mac Mini oder Macbook Pro. Dann laufen die Spiele tatsächlich flüssig.

Dennoch: Wer auf diese Weise spielt, sollte im Hinterkopf behalten, dass Wine – auch wenn es jetzt offiziell von Apple verwendet wird – eine Laufzeit-Umgebung ist, in der Befehle von Windows zu Unix/MacOS übersetzt werden. Hierbei kann es zu Fehlern kommen.

Auch die Übersetzung von DirectX zu Apples Metal über das Game Porting Toolkit läuft nicht automatisch rund. Es kann bei manchen Spielen durchaus vorkommen, dass Glitches, Abstürze oder andere Fehler auftreten, die das Spielerlebnis verhageln. Insgesamt ist GPTK aber eine wunderbare Lösung, um Windows-Spiele direkt auf dem Mac zu spielen.

Wer übrigens die Installation des Game Porting Toolkits oder die nicht ganz unkomplizierte Verwendung von Whisky scheut und einfach eine Out-of-the-Box-Lösung wünscht, kann das kostenpflichtige Tool Crossover(öffnet im neuen Fenster) nutzen.

Die Software besitzt eigene Routinen für die DirectX-Umwandlung und bietet vorgefertigte Installer für eine Reihe aktueller Spiele. Hier arbeiten teilweise auch Games, die mit dem Game Porting Toolkit (noch) nicht funktionieren.


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