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Toolbox für Kabelsicherheit: EU-Kommission sichert Seekabel mit 270 Millionen ab

Seekabel aus Glasfaser stehen im Zentrum russischer Provokationen. Nun wird die EU-Kommission aktiv.
/ Achim Sawall
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Seekabel von NEC aus Japan, dick wie ein Gartenschlauch (Bild: NEC)
Seekabel von NEC aus Japan, dick wie ein Gartenschlauch Bild: NEC

Die EU-Kommission stellt rund 270 Millionen Euro für die Sicherung und schnellere Reparatur beschädigter Seekabel bereit. Wie sie am 5. Februar 2026 erklärte(öffnet im neuen Fenster) , erfolgt dies im Rahmen einer neuen sogenannten Toolbox für Kabelsicherheit mit einem Volumen von insgesamt 347 Millionen Euro für strategische Seekabelprojekte. Hintergrund sind die zunehmenden Sabotageaktionen des Putin-Regimes.

Die EU-Kommission erklärte: "Im Jahr 2026 werden zwei Förderaufrufe mit einem Gesamtvolumen von 60 Millionen Euro Kabelreparaturmodule unterstützen, parallel dazu ein weiterer Aufruf über 20 Millionen Euro für intelligente Kabelsystemausrüstung. Dabei handelt es sich um Sensoren und Überwachungskomponenten, die in die Seekabel-Telekommunikationsinfrastruktur integriert sind, um Echtzeit-Ozean- und seismische Daten zu erfassen."

Zusätzlich seien für 2026 und 2027 zwei Förderaufrufe für das CPEI-Programm (Cable Projects of European Interest) mit einem Gesamtvolumen von 267 Millionen Euro geplant.

In der Realität werden Glasfaserseekabel traditionell von europäischen Telekommunikationskonzernen wie Vodafone, Orange, Telefónica oder Telecom Italia und den US-Hyperscalern Google, Meta, Microsoft und Amazon errichtet und betrieben, die seit Jahren bei fast jedem Projekt als Hauptfinanziers auftreten. Die Billionen-Konzerne haben die finanziellen Mittel, um Seekabel mit Sensorik abzusichern und schnell zu reparieren.

Angesichts der ökonomischen Bedeutung dauere die Reparatur von Glasfaserseekabeln bisweilen zu lange. Das sagte die ITU-Generalsekretärin Doreen Bogdan-Martin am 26. Februar 2025 auf dem International Submarine Cable Resilience Summit in Abuja in Nigeria.

Die ITU, die Internationale Fernmeldeunion der Uno, teilte mit: "Mehr als 99 Prozent des internationalen Datenverkehrs werden über ein Netzwerk von etwa 500 Untersee-Telekommunikationskabeln übertragen, das sich über mehr als 1,7 Millionen Kilometer weltweit erstreckt."

"Weil es mehrere Millionen Dollar kostet, ein Reparaturschiff zu entsenden"

Für die Hyperscaler ist eine sofortige Reparatur nicht immer die oberste Priorität: Jo Conroy, Technical Programm Manager bei Google, erklärte auf der ITU Konferenz, dass die technischen Zentren der einzelnen Seekabelbetreiber rund um die Uhr besetzt seien: "Dort kommen die Meldungen zu Störungen zuerst an." Nach der ungefähren Feststellung der Schadensstelle würden vielleicht Reparaturschiffe losgeschickt. "Das entscheidet man nicht leichtfertig, weil es mehrere Millionen Dollar kostet, ein Reparaturschiff zu entsenden."

Aus Kostengründen werde, wenn möglich, der Schaden nicht immer repariert , sondern die Daten würden umgeleitet. "Ruft der Wartungsanbieter ein Reparaturschiff, kann es auch sein, dass das Schiff beschäftigt ist, und man auf die Warteliste kommt" , so Conroy.

In der Tiefsee ist das Kabel kaum dicker als ein Gartenschlauch, während es in Küstennähe so massiv sein kann wie ein Baumstamm.

Aktuell gibt es nur wenige Projekte in der EU, bei denen staatliche Akteure über eigene Gesellschaften als Eigentümer von Seekabeln auftreten. Beim CAM-Projekt in Portugal investiert der portugiesische Staat in den CAM-Ring, der das Festland mit den Azoren und Madeira verbindet.

Die irische Regierung prüft derzeit im Rahmen ihrer nationalen Sicherheitsstrategie den Bau eigener staatlich kontrollierter Seekabelrouten nach Kontinentaleuropa, um die Abhängigkeit von privaten US-Kabeln zu reduzieren, die durch britisches Gewässer verlaufen.


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