Ton-Archäologie: Software macht 120 Jahre alte Schallplatte wieder hörbar
Patrick Feaster von der Indiana University in den USA hat eine Aufnahme von Emile Berliner restauriert, die aus dem Jahr 1889 stammt. Berliner gilt als Erfinder der Schallplatte und des Grammophons. Die Platte ist längst zerstört, so dass nur noch ein abgedrucktes Bild der Schallplatte aus dem deutschen Magazin "Über Land und Meer(öffnet im neuen Fenster)" aus dem Jahr 1890 vorhanden war.

Emile Berliner hatte ein Gravurverfahren(öffnet im neuen Fenster) entwickelt, das als Seitenschrift(öffnet im neuen Fenster) bezeichnet wird. Dabei wird die Information in der horizontalen Auslenkung der Rille eingeprägt. Die Rille ist an jeder Stelle gleich tief. Das machte es überhaupt erst möglich, die Aufnahme auch in Druckform darzustellen.
Spezialsoftware macht eingescannte Spurrillen wieder hörbar
Die Aufnahme aus dem Magazin wurde von Feaster in hoher Auflösung gescannt und am Rechner weiterbearbeitet. Zuerst muss die spiralförmige Darstellung gerade gezogen und zusammengesetzt werden. Das Resultat sieht einer modernen Tonspur sehr ähnlich. Die kostenlose Spezialsoftware Imagetosound macht daraus wieder erkennbare Töne. Mit dieser Methode hat Feaster auch schon andere abgedruckte Platten wieder abspielbar gemacht. Mehr zu der Software von Andrew Jaremko ist in einem PDF(öffnet im neuen Fenster) zu finden.
Die Platte von Emile Berliner enthält Friedrich Schillers Ballade "Der Handschuh(öffnet im neuen Fenster)", die immer noch – wenn auch leicht verzerrt – gut zu hören ist.
Auf seiner privaten Website Phonozoic(öffnet im neuen Fenster) hat Patrick Feaster noch weitere phonographische Werke(öffnet im neuen Fenster) aufgeführt und ermöglicht mit Tonbeispielen, alte Aufnahmen als MP3-Dateien anzuhören. Seine Arbeit bezeichnet er als Paleospektophonie. Unter den Beispielen ist auch die Rekonstruktion der ersten Walzenaufnahme(öffnet im neuen Fenster) zu finden, die von Edison 1877 angefertigt wurde.



